16 Juli 2024

Das war das TU-Lehrprojekt in Biedermannsdorf


Im sonnendurchfluteten Perlashof trafen sich Studierende und Lehrkräfte der TU-Wien am 26.6. mit interessierten Biedermannsdorferinnen und Biedermannsdorfern, um die Abschlussarbeiten des seit 7.3. laufenden Lehrprojektes "Energieraumplanung und Mobilität" zu präsentieren. Respekt an alle, die der Versuchung widerstanden, an diesem heißen Tag lieber das nachbarliche Klosterbad zu besuchen.
Es fing damit an, dass mich mein Freund und Gemeinderatskollege Axel Gschaider nach Wien in ein kleines, gemütliches Restaurant am Rilkeplatz verschleppte, um mir dort Hartmut Dumke vorzustellen, der uns über die Lehrprojekte der TU erzählte und dass er dazu Gemeinden brauche. Nun ja - wir sind eine Gemeinde, sogar eine Marktgemeinde und ein erster Entschluss war bald gefasst.

Biedermannsdorf sollte energetisch und verkehrstechnisch analysiert, auf Potentiale untersucht und anschließend die Bevölkerung über die Arbeiten und Ergebnisse informiert werden.

Nachdem unser Gemeinderat das Projekt einstimmig beschlossen hatte gab es den eingangs erwähnten Eröffnungstermin.

Bei Snacks und Getränken lernte man sich kennen und erhielt die ersten Informationen über unseren Ort.

Anschließend gab es einen ersten Rundgang mit unserer Begleitung, der sich in den nächsten Tagen ohne Begleitung noch einige Male wiederholten sollte.

Es war wohl eine sehr arbeitsreiche Zeit für die Studierenden, die sich in der eindrucksvollen Zwischenpräsentation am 23.5. deutlich zeigte.


Künftige Energieerzeugung, Attraktivierung der Fahrradrouten, nachhaltiges Verkerhrsnetz, PV- Nutzungspotentiale, Heizungsmöglichkeiten, Altbausanierungen, Neugestaltung des öffentlichen Raums, Zukunft mit Bevölkerungswachstum u.v.m. wurde besprochen und mit der Bevölkerung teilweise intensiv diskutiert.

Das Projekt war ein deutlicher Hinweis auf Veränderungen, die jedenfalls kommen werden, vor denen wir uns aber nicht fürchten müssen, sondern auf die wir uns freuen dürfen. 

Das wird auch die Botschaft der Podiumsdiskussion am 11.10. um 18 Uhr im Pfarrstadl sein, wo es Themen weit über unseren Ort hinaus und auch über die energetische Frage hinaus geben wird.

Wir freuen uns auf das im Herbst erscheinende Prospekt in Druckform und als Download. 
Ein großes Danke für die Ideen und Visionen!

Karl Wagner
Umweltgemeinderat







 

11 Juli 2024

Biedermannsdorf - lärmgeplagt?

  • Aufstockung der Lärmschutzwand auf der Laxenburger Seite der B11.
  • Höherliegende Lärmschutzwand auf der Wiener Neudorfer Seite der A2
  • Die neue Trasse der Pottendorfer Linie
  • Fluglärm.
All das wird immer wieder als Ursache von Lärmbelästigung an mich herangetragen. Vielfach kommen die sommerlichen Bauvorhaben als erschwerend hinzu.

Hitze, Baumaschinen, Verkehrslärm. 
Eine Mischung, die nicht dazu geeignet ist, die Lebensqualität vieler Menschen in den exponierten Bereichen zu verbessern.

Die Frage ist, was kann man tun? Die Frage ist NICHT, warum manches so weit gekommen ist. Das wäre eine sinnlose Diskussion über Dinge, die nicht mehr rückgängig zu machen sind. Aus Fehlern lernen müssen wir sowieso.

Also ersteres: was tun? Die Wiener hatten schon vor langer Zeit einen guten Einfall. Sie verhängten in ihrem Gebiet auf der A2 eine permanente Temporeduktion auf 80 Km/h.

Folgerichtig erhöht sich damit der Verkehrslärm ab der Landesgrenze zu Niederösterreich, weil alle sofort das Gaspedal durchtreten, sobald wieder 130 gilt. In umgekehrter Richtung donnern alle mit 130 daher, bremsen bei der Landesgrenze nach Wien ab und verursachen Staus.

Würde der 80er auch nach Wien entlang der Gemeinden Biedermannsdorf, Guntramsdorf, etc. gelten, würde das den Verkehr harmonisieren und damit deutlich leiser machen. Zusätzlich würde das auch unserer Luftqualität guttun.

Dem liegen physikalische Gesetze zugrunde, die wir anerkennen sollten. Dann fiele es auch leichter, die wenigen Minuten Zeitverlust (wenn überhaupt) zu verschmerzen, weil wir die Vorteile einer Verbesserung unserer eigenen Lebensqualität deutlicher sehen würden.

Es hat in der Vergangenheit schon mehrere Anläufe gegeben, eine Tempobeschränkung zu erreichen, bislang erfolglos.

Siehe auch meine Blog-Artikel zum Thema:
Karl Wagners Umweltblog: LKW-Hotspot Biedermannsdorf
Karl Wagners Umweltblog: Temporeduktion

Eine Temporeduktion ist die billigste und wirksamste Methode, Lärm zu verringern und die Luftqualität zu erhöhen. Dieses Wissen sollte genügen, um Bewegung in die Angelegenheit zu bringen.

Doch welche Möglichkeiten gibt es noch, Lebensqualität zu schaffen?
 
Grüne Infrastruktur - Das Renaturierungsgesetz
Eine davon ist Grüne Infrastruktur. Das neue Renaturierungsgesetz beinhaltet das auch. Es verlangt die Pflanzung von drei Milliarden Bäume EU-weit. Eine Chance für Biedermannsdorf, denn das ist etwas, das wir in die eigenen Hände nehmen können. Die Verbesserung der Kühlung, der Luftreinigung und auch des Lärmschutzes mit Hilfe der Natur.

Karl Wagner
Umweltgemeinderat

Renaturierung - was wir brauchen ist Information

Diese ist dort zu finden, wo der Text nüchtern und sachlich vorgebracht wird, nämlich im EU-Parlament. Er ist nicht in Schriften von Bauernbund, ÖVP oder Agrarkonzernen zu finden. Dort wird moniert, dass die 20 Prozent der Land- und Meeresbereiche, welche hinsichtlich Naturwiederherstellung zu bearbeiten sind, die Größe der Steiermark haben. Na und? 

Das aufgeteilt auf das gesamte Staatsgebiet ist wenig genug.  Das sind  extrem kleine Gebiete. Und von denen sollen bis 2030 auch nur 30 % (!) in Angriff genommen werden. Bis 2040 sollen es dann 60 % und bis 2050 90 % sein. 

Aber da geht es immer nur um diese 20 Prozent! Dazu kommt, dass sich die EU-Staaten erstmal die Natura 2000-Gebiete vornehmen und diese dort, wo Verbesserungen, bzw. Raparaturen nötig sind, diese durchführen. Also da ist überhaupt noch keine Rede von landwirtschaftlich genutzten Gebieten.

Landwirte und EU-Staaten haben also genügend Zeit, Pläne zu erarbeiten, wie sie weitere Ziele erreichen können. Das wird nicht von der EU vorgeschrieben, sondern dort werden lediglich Ziele festgelegt. Keine Rede von „Regulierungswahn“ der EU.

Aber klar, so groß wie die Steiermark klingt groß. Da hat jemand beim Populismusseminar gut aufgepasst.

Dann sollen bis 2050 alle sanierungsbedürftigen Ökosysteme wiederhergestellt werden. Was ist daran auszusetzen, dass das gemacht wird? Funktionierende Ökosysteme sind unsere Lebensgrundlage. Ohne die gibt es keine Ernährungssicherheit. Wenn sich der ÖVP-Bauernbund dagegen ausspricht, spricht er sich gegen Ernährungssicherheit aus. Ich bin sicher, dort weiß man das ganz genau, was das Verhalten umso fragwürdiger macht. 

Österreich hat hier sogar einen Vorteil, denn es ist führend im Bereich der Biolandwirtschaft.

Weitere Forderungen sind: 25.000 Flusskilometer renaturieren. Dazu ist festzuhalten, dass Österreich hier ebenfalls bereits mit der Wasserstraßengesellschaft Viadonau des Bundes aktiv ist. Von dort kommt übrigens der Hinweis, dass die Donau auf der Intensivstation ist. Ein Renaturierungsgesetz kommt daher auch hier wie gerufen.

Und wer sollte gegen die Bestimmung, dass 3 Milliarden Bäume gepflanzt werden sollen und die Baumüberschirmung der Städte nicht geschmälert werden soll, etwas haben? Traurig genug, dass hier ein Gesetz nötig ist.

 


16 Juni 2024

Gewessler als Rechtsbrecherin? Welches Recht?


Die Klimaschutzministerin stimmt also dem Renaturierungsgesetz zu. Erwartungsgemäß rief das große Entrüstung beim Koalitionspartner hervor. Die Verfassungsministerin tönte, dass Recht Recht bleiben muss. Welches Recht meinte sie? Natürlich das österreichische Verfassungsrecht.

Die Klimaschutzministerin scheint aber mit ihrem Entschluss ganz andere Rechte im Blick zu haben, nämlich die Menschenrechte.

"Mit Resolution 7/23 beschrieb der UN-Menschenrechtsrat schon 2008 den menschengemachten Treibhauseffekt als Problem für die individuellen Menschenrechte und setzte zur besseren Bearbeitung den Arbeitsstrang „Human Rights and the Environment“ mit ihrem Berichterstatter John Knox ein, Professor für Menschenrechte und umweltrecht an der Wake Forest University in North Carolina. Immer wieder sagte und schrieb Knox öffentlich, was offensichtlich ist: dass es die grundlegendsten Rechte der Menschen verletzt, wenn in der Klimakrise Ernten verdorren, Behausungen zerstört werden, Frauen, Männer und Kinder sterben." (Zitat: Roda Verheyen in ihrem Buch "Wir haben ein Recht auf Zukunft").

Wenn nun ÖVP, Landwirtschaft und div. Landeshauptleute mit Klagen drohen, sollten sie aufpassen, dass nicht sie es sind, die geklagt werden. Als Politiker:innen, die sich keinen Deut um das scheren, was sie 2015 in Paris beschlossen haben. Die sich - ignorant, blind oder mit böswilliger Agenda ausgestattet - über die Rechte gegenwärtig und zukünftig Lebender hinwegsetzen.

So geschehen ist das bereits in Deutschland, wo das Bundesverfassungsgericht in Karlsruhe die deutsche Regierung beauftragte, ihr Klimaschutzgesetz so zu ändern, dass es auch wirklich ein Klimaschutzgesetz genannt werden kann.

So geschehen in den Niederlanden, in Frankreich, Irland, Belgien, Tschechien, Pakistan, Nigeria und vielen anderen Ländern. Die Zahl der Klimaklagen steigt weltweit – und das aus gutem Grund.

Es wäre sehr interessant, das Verhalten der ÖVP ihrer Verantwortung gegenüber den Menschen in diesem Land vor einem Gericht zu diskutieren!

08 Juni 2024

Grüne Infrastruktur im Ort


"Grüne Infrastruktur" bedeutet ein Netzwerk naturbelassener oder naturnaher Flächen, die - eben infolge ihrer Vernetzung - gesunde Ökosysteme schaffen, bzw. erhalten. Ökosysteme, die mit ihrer Flora und Fauna für unser Wohlergehen von Bedeutung sind und künftig an Wichtigkeit zweifellos noch gewinnen werden.

Klimaregulation
Erholung
Erhalt biologischer Vielfalt
Luftreinigung
Regulation des Wasserhaushalts

sind die positiven Auswirkungen.

Grüne Infrastruktur ist besonders wirksam, wenn sie sich durch Wohngebiete zieht. Ist die Landschaft rund um den Ort grün und baumbewachsen, ist das zwar auch schön und gut, nur brauchen die Menschen Klimaregulation und Erholungseffekte dort, wo sie sich im täglichen Leben befinden. 
Wohne ich inmitten einer Betonwüste, nützt es mir nichts, wenn einige Kilometer entfernt wunderbar alte, gesunde Bäume das Klima regulieren. 

Es ist für die Lebensqualität daher wichtig, Grüne Infrastruktur strategisch zu planen und so die Natur mit all ihrem Wirken mitten in unseren Lebensraum zu holen. Das wird die Aufgabe kommunaler Politik in der Zukunft sein. Eine Zukunft, die allerdings schon begonnen hat.

Überlegungen zum Naturschutz

 

In Biedermannsdorf gibt es eine große positive Resonanz, wenn es darum geht, Natur zu schützen. Öffentliche Bauprojekte, aber auch Baumrodungen, bzw. deren unverhältnismäßige Kürzung auf Privatgründen ziehen immer wieder Kritik und Klagen aus der Bevölkerung über mangelnde Sensibilität gegenüber der Pflanzen- und Tierwelt nach sich. 

Ich verstehe, dass diese Sensibilität absolut zeitgemäß ist, denn Bäume kühlen das Klima, regen die Wasserverdunstung an und speichern Kohlenstoff. Schützenswerte Natur geht aber über den Baumbestand weit hinaus. Dazu gehören auch gesunde Böden, Biotope und intakte Gewässer. All das gibt es bei uns. Um diesem Bewusstsein eine starke Basis zu verschaffen, wurde Biedermannsdorf eine „Natur-im-Garten“ – Gemeinde, die beispielsweise auf Pestizide und Torf auf öffentlichem Grünraum verzichtet. Warum das? Torf ist so ziemlich der wichtigste Kohlenstoffspeicher unseres Planeten. Moore speichern weltweit bis zu 30 Prozent der gesamten Kohlenstoffvorräte aller Böden, obwohl sie nur drei Prozent der gesamten Festlandsfläche bedecken. Werden sie abgebaut, fällt nicht nur der Speicher weg, sondern wird Kohlenstoff noch dazu freigesetzt. Wer also einen Klimakollaps vermeiden will, sollte nicht nur Wälder schützen, sondern vor allem auch Moore. Letzteres tun wir, indem wir auf torfhältige Blumenerde verzichten (wie positiv doch plötzlich das Wort „verzichten“ klingt). 

Bei dieser Gelegenheit: auch Privatgärten können „Natur-im-Garten“ – Mitglieder werden. Ein großes Dankeschön an alle Biedermannsdorferinnen und Biedermannsdorfer, die das bereits sind und ebenfalls ein Dankeschön an alle, die mit Eigeninitiative und Tatkraft ihren Teil zum Erhalt einer lebenswerten Zukunft beitragen.

Der Gemeinderat ging nun einen Schritt weiter und bekräftigte am 15.5. einstimmig seine Bereitschaft, künftig auch bei allen Bauprojekten seine Verantwortung gegenüber der Natur so weit wie möglich wahrzunehmen. Der entsprechende Antrag kann im Sitzungsprotokoll des 15.5. nachgelesen werden.

Ihr Umweltgemeinderat
Karl Wagner

Wenn die Sonne in den Regen scheint...

 


...sprießen die Farben. Auch Flora und Fauna freuen sich über den Regen. Nur Menschen bezeichnen Regen oft undifferenziert als "schlechtes Wetter". Regnerische Tage und Trübsinn liegen bei vielen nah beieinander. Dabei kann alles anders sein.
Regen nach einem drückend heißen Tag, der unsere Lebensgeister weckt.
Sommerliche Regentage, die uns einander näherbringen, weil die Beach-Party ausfällt. 
Regentropfen, die gegen die Fenster prasseln machen uns unser sicheres, geborgenes Heim bewusst.
Regen sagt uns: wendet euch einander zu.
Nehmt euch Zeit, einander zu verstehen.
Denkt daran, dass da draußen jetzt viele sind die auch aus dem Fenster schauen. Vielleicht im Nachbarhaus, vielleicht sogar im gleichen Haus. Menschen mit Sorgen und Freuden, vielleicht mit anderen Religionen, anderer Hautfarbe, anderer Ethnie, anderer sexueller Ausrichtung, oder auch nur anderer Meinungen. Aber Menschen, die Schmerz und Glück empfinden können. Genau wie wir. 
Lasst die Sonne in den Regen scheinen.

Die dunkelste Stunde liegt vor Sonnenaufgang

Vor 25 Jahren, am 11. September 2001, wurden die Twin Towers des World Trade Centers in New York von entführten Flugzeugen getroffen und stü...