16 August 2026

Jetzt ist er schockiert...



Totschnig sagte, er sei schockiert über das Ausmaß der Dürre (Standard, 14. August). Tatsächlich? Wo war der eigentlich während der letzten Jahre? Als Eremit im Wald? Aber auch dort hätte er – gänzlich ohne Information von außen – die Zeichen an der Wand sehen können. Es zeugt von einer maximalen – höflich ausgedrückt – Unwissenheit, wenn man jetzt erschüttert ist. Das, was hier passiert, ist nichts anderes als das, was Wissenschaft und der verantwortungsvolle aber leider machtlose Teil der Politik seit Jahrzehnten ankündigen. Das alles ignoriert zu haben und jetzt als Verantwortlicher „erschüttert“ zu sein, ist eine Chuzpe, die ihresgleichen sucht. Klar, Totschnig war nicht immer Landwirtschafts- und Umweltminister. Aber er gehört jener konservativen Politikrichtung an, die seit jeher europa- und weltweit Klimaschutz verhinderte, verzögerte und verwässerte.

Hier eine kleine Auswahl von Hunderten, wo über die Klimakrise und ihre Auswirkungen berichtet wurde:

Dezember 2009: Die Erderwärmung ist stärker als erwartet. Wenige Tage vor der Weltklimakonferenz in Bonn schlagen UNO-Organisationen Alarm. Selbst bei Einhaltung aller bisher von den Ländern vorgelegten Klimaschutzzusagen wird sich die Erdtemperatur laut dem UNO-Umweltprogramm (UNEP) um mindestens drei Grad im Vergleich zur Zeit vor der Industrialisierung erhöhen. Das Zwei-Grad-Ziel gilt als äußerste Grenze, um katastrophale Klimafolgen abzuwenden.

August 2017: Wissenschaftler und Experten aus 13 Bundesbehörden der USA erstellten einen 545 Seiten starken Bericht mit einem eindeutigen und alarmierenden Befund: "Die Amerikaner spüren die Effekte des Klimawandels schon jetzt", schreiben die Autoren. Die Durchschnittstemperaturen in Nordamerika seien drastisch gestiegen. Und für diesen Effekt seien "hauptsächlich menschliche Aktivitäten verantwortlich - besonders der Ausstoß von Treibhausgasen". 
Die Autoren verweisen darauf, dass es Tausende Studien von Zehntausenden Wissenschaftlern gibt, die den Klimawandel dokumentiert haben. Trumps Argument, es gebe keine gesicherten Kenntnisse über die menschlichen Einflüsse auf den Klimawandel, widersprechen sie direkt. Es gebe zahlreiche Beweisketten, die demonstrierten, dass menschliche Aktivitäten für den Klimawandel ausschlaggebend seien. Das gelte insbesondere für die Emissionen von Treibhausgasen.
So seien für die Hitzewellen in Europa 2003 die Belege ziemlich eindeutig.

August 2017: Dass Zeitfenster für das Pariser Klimaziel schließt sich schnell. Es wäre sinnvoll, auch die Extremfälle aktueller Prognosen in Betracht zu ziehen. Was alles zu erwarten sein könnte.
Der menschengemachte Klimawandel ist real. Die Auswirkungen spüren wir schon längst und wir werden sie in der Zukunft noch viel stärker spüren. Das berühmte "Zwei-Grad-Ziel", also die Begrenzung der globalen Erwärmung bis Ende des 21. Jahrhunderts auf höchstens zwei Grad über der Temperatur von 1850, ist nach neuen Berechnungen des Max-Planck-Instituts für Meteorologie kaum mehr zu erreichen. Am wahrscheinlichsten ist eine Erwärmung um 3,2 Grad Celsius - und selbst um das zu erreichen, werden wir uns gehörig anstrengen müssen. (Florian Freistetter, Astronom, Wissenschaftsautor. Mitglied der Science Busters)

2018: Die Wetterextreme kosten Millionen. Während in Teilen Salzburgs und Oberösterreichs die Dürre Gras und Saaten verdorren lässt, gibt es im Süden fast täglich Unwetterschäden. Ob letztlich der Kunde für den Klimawandel mit steigenden Lebensmittelpreisen bezahlt, ist offen. "Insgesamt liegt der Schaden in der Landwirtschaft im heurigen Jahr bereits bei mehr als 15 Millionen Euro", sagt Mario Winkler von der Hagelversicherung. "Gerade im nördlichen Flachgau ist der zweite Grasschnitt in der Viehwirtschaft großteils komplett ausgefallen", sagt Landwirtschaftskammerpräsident Franz Eßl (Wäre gut, er würde sich an seine Partei wenden, damit die mehr gegen den Klimawandel tut). Ändere sich das nicht, müsse man Futter zukaufen oder - weil das zu teuer kommt - den Viehbestand reduzieren (Super Idee!! Weniger Methan, weniger Kranke, mehr guter Boden für Agrarprodukte. Geht aber leider nicht, weil zu viele Fleischesser).
Seit zwei Jahren zahlen nicht nur bei Hagel, Sturm, Frost und Überflutung Bund und Länder den Bauern die Hälfte der Versicherungsprämie, sondern auch bei Dürre. Franz Sinabell, Landwirtschaftsexperte im Wirtschaftsforschungsinstitut Wifo: "Was auffällt, ist, dass zuletzt in jedem Jahr zumindest ein Produktionszweig in Österreich massiv durch Wetterextreme betroffen ist."

August 2018: Nach der Dürre wird es teuer. Die Hagelversicherung hat so große Dürreschäden wie heuer in der heimischen Landwirtschaft noch nie registriert. Milch- und Getreidebauern haben die größten Einbußen. Das wird auch auf die Preise durchschlagen. An der Getreidebörse schrauben sich die Preise in die Höhe. "Die Notierungen für das Frühjahr 2019 belaufen sich derzeit auf 200 Euro pro Tonne, in Schüttjahren mit großer Ernte sind es 100 bis 130 Euro pro Tonne", erklärt Christian Jochum von der Landwirtschaftskammer Österreich.
Da sich die Dürre heuer auf dem ganzen Kontinent ausbreitet, sind auch höhere Produktpreise für die Konsumenten zu erwarten. Im europäischen Binnenmarkt fehlt es an Kompensationsware, die den Preis stabil hält.
Bisher wurden 210 Millionen Euro Schäden in der Landwirtschaft berechnet, das übertrifft den bisherigen Höchstwert aus 2013 (200 Mill. Euro). Im Norden und Westen Österreichs gibt es Regionen, in denen heuer erst weniger als 15 Prozent des Niederschlags vom Mittel der vergangenen zehn Jahre gefallen sind.

Dezember 2019: Dürren gefährden Kornkammern. Es wird künftig weltweit mehr Trockenperioden zur selben Zeit geben. Die Klimakrise führt dazu, dass Dürren und Hitzewellen weltweit häufiger auftreten. Daher sei das Risiko für gleichzeitige Missernten in mehreren "Kornkammern der Welt" viel größer als vor 50 Jahren, sagen Forscher des Internationalen Instituts für Angewandte Systemanalyse (IIASA) in einer Studie, die im Fachjournal "Nature Climate Change" veröffentlicht wurde. Die Folgen: Grundnahrungsmittel würden massiv teurer und es drohten mehr Hungersnöte, politische Unruhen sowie Migration.

Aus dem Greenpeace-Magazin, 2020: Wenn die Dürre kommt. Allein im Jahr 2018 gab es Dürreschäden in der Höhe von 230 Millionen Euro, 2019 von mehr als 100 Millionen. Mittlerweile vergeht kaum noch ein Jahr, wo landwirtschaftliche Kulturen und das Grünland nicht unter der prallen Sonne leiden.

Martin Schäd­ler ist Bo­den­öko­lo­ge, er ko­or­di­niert das flä­chen­mä­ßig grö­ß­te Kli­ma­ex­pe­ri­ment für Land­nut­zung welt­weit: „Die­se Ex­tre­me wer­den wir in Zu­kunft deut­lich häu­fi­ger er­le­ben“. (aus einem Interview in der Zeit, 2023)

August 2023: „Wir marschieren in eine Heißzeit“. Der Klimaforscher Joachim Schellnhuber geht mit der Österreichischen und deutschen Regierung punkto Klimaschutz hart ins Gericht.
Schellnhuber ist emeritierter Physikprofessor und langjähriges Mitglied im Weltklimarat (IPCC). Anlass des Interviews war der Juli 2023, der damals heißeste Monat seit 100.000 Jahren. Schellnhuber dazu: „Es kann sogar noch extremer kommen.“

Artikel in den Salzburger Nachrichtenm, April 2023:
Groß-Enzersdorf, Rohrbach an der Lafnitz und Gars am Kamp: Nirgendwo sonst in Österreich hat es im vergangenen halben Jahr derart wenig geregnet.
Zunehmende Dürre und Klimawandel bedrohen die Ernährungssicherheit in Österreich

…viele dieser Risiken haben bereits kritische Niveaus erreicht und könnten ohne sofortige, entschlossene Maßnahmen katastrophale Ausmaße annehmen.
(Europäische Umweltagentur 2023.)

Juli 2025. Alexander Bernhuber, Mitglied der ÖVP-Delegation im EU-Parlament, stellt einen Antrag auf die massive Aufweichung der bereits im Juni 2023 beschlossenen EU-Entwaldungsverordnung.
Dazu Franz Essl, Ökologe an der Uni Wien:
„Rückwärtsgewandte Politik darf nicht weiter die Oberhand gewinnen.“

Mai 2025: „Ich glaube, dass es in wenigen Jahren zu großen Veränderungen kommen wird. Die Auswirkungen und Schäden werden noch sichtbarer werden, in Form von Wasserknappheit und Dürre, wenn Äcker weggeschwemmt werden, der Schnee ausbleibt oder lokale Überschwemmungen zu Betriebsstörungen führen. Und es wird sich die Frage stellen: Wer zahlt das? (Klimaforscher Matthias Themessl von der Geosphere Austria)


04 August 2026

Jetzt fordern sie...

Der Hilferuf der Landwirtschaft (der Standard vom 5.8.) klingt verzweifelt. Es werden Fischsterben, Ernteausfälle, Wassermangel beklagt. Dabei fällt mir ein. War es nicht die Landwirtschaft, der die Renaturierungsmaßnahmen der EU zu weit gingen? Hat nicht das Umweltministerium wunderbarerweise ein ganz anderes, viel schöneres Bild unserer Umwelt gezeichnet, als es die eigenen Fachleute in ihren Bericht ursprünglich verfertigten um sich vor Klimaschutzmaßnahmen drücken zu können?  Österreich hat während der letzten Jahrzehnte immer zu den Bremsern im Klimaschutz gehört. Jetzt fordert die Landwirtschaft Maßnahmen wie das Öffnen des Katastrophenfonds. Oder die Übernahme der Sozialversicherungsbeiträge der Bauern. Oder die Aussetzung laufender Kredite. Klar muss man in Not Geratenen helfen, wie sich das in einem Sozialstaat gehört.

Nur: Die Kosten, die jetzt entstehen, sind die, vor denen die Klimawissenschaft, viele NGOs oder die Grünen immer gewarnt haben. Die Dummheit, diese Warnungen ignoriert zu haben, macht sich jetzt bemerkbar. Und es wird schlimmer. Denn die Versäumnisse von rechtskonservativen Regierungen weltweit, aber eben auch in Österreich, machen sich jetzt bemerkbar und werden sich in Zukunft noch viel nachdrücklicher bemerkbar machen.

Den Klimaschutz deshalb aufgeben, weil eh nix mehr zu machen ist, wäre die falsche Antwort. Im Gegenteil. Man kann die Katastrophe immer noch mindern und damit Menschenleben und Existenzen retten. Die Verantwortung hat allein die Politik. Werden unsere Regierenden einst als Kriminelle bezeichnet werden, weil sie ihre Bevölkerungen im Stich ließen, weil sie sich nicht an ihre eigenen Gesetze hielten? Weil sie allein auf ihren persönlichen Vorteil bedacht waren? Werden sie dafür vor Gericht stehen? Besser wäre es allerdings, wenn sie in die Gänge kommen und ihre Aufgabe wahrnehmen würden. Nämlich endlich Klimaschutz zu betreiben. Das haben übrigens die Bauern vergessen, in ihren Forderungskatalog aufzunehmen. 

02 August 2026

Die andere Wirklichkeit


Alte Leute werden krank und viele von ihnen sterben.
Es gibt Wiesen, die zur Staubwüste wurden, sodass die Kühe in die Ställe zurückmussten, weil sie kein Futter mehr fanden.
Wassermangel lässt die ersten Gemeinden Rationierungsmaßnahmen ergreifen.
Nachrichten von Ernteausfällen häufen sich.
Flutkatastrophen rauben Menschen ihre Existenz und kosten ihnen viel zu oft auch das Leben.
Brände in Südeuropa und Nordamerika nehmen apokalyptische Ausmaße an.
Teile der Welt sind ohne Klimatisierung nicht mehr bewohnbar.
In den Ozeanen und am Land begann längst das große Sterben.
Es mutet fast banal an, hier auch noch die ungeheuren finanziellen Schäden zu erwähnen, die dadurch entstehen.
Kollateralschäden der Klimaleugnung. Betrieben von rechtskonservativer Politik, von Ölkonzernen, von Industriekapitänen, von Verrückten und Verbrechern. Besonders schmerzt das Verhalten der Konservativen, wenn sie, stolz ihre Dummheit vor sich hertragend, von den Kosten schwadronieren, die Klimaschutz für die Wirtschaft verursachen soll. Besonders in einer Demokratie wie der unseren kommt noch der Umstand hinzu, dass diese Politik frei gewählt ist. Das Versagen einer Gesellschaft, die an Vollkaskomentalität, Konsumgeilheit und fehlender Empathie krankt.
Meine Empfindung angesichts dessen: Fassungslosigkeit und Hilflosigkeit. Es scheint, als gäbe es eine neue Pandemie, die durch keine Impfungen, Lockdowns und Medikamente bekämpft werden kann. Sie könnte Ignoranz, Verdrängung oder auch schlicht Dummheit heißen.

Diese Gedanken ziehen mich runter. Sie helfen auch nicht. Sie ändern nichts. Ich gehe hinaus in den Garten.


Dort empfängt mich strahlende Farbenpracht.


Ich spüre, wie der Alb langsam schwächer wird.


Der Garten spiegelt uns. Unsere Wünsche und Träume, unser Wesen.


Ab hier beginnt die andere Wirklichkeit





Das Wasser ist belebt. Ebenso wie das Land. 








Das ist eine Hornisse. Sie okkupierte Teller und Gabel, um die Reste eines Kuchens zu verspeisen. Danach ließ sie sich noch in Ruhe fotografieren, bevor sie wieder ihrer Wege flog.

In dieser Welt sind wir die stärksten und mächtigsten Lebewesen. Als solche haben wir eine Verantwortung gegenüber dem Organismus, der sich Garten nennt. Einiges hier ist unsere Schöpfung. Viele Pflanzen und alle Tiere sind zugewandert. Aufgrund unserer toleranten Einstellung und unserer Ehrfurcht vor dem Leben gaben wir ihnen eine Heimat. Sie danken es uns in vielerlei Hinsicht.

Kirschpflaume, Vogelbeere, Zürgel und Zwetschke beschenken uns und zahlreiche Vögel mit ihren Früchten und sorgen mit ihrer Größe für ein erträglicheres Klima in Zeiten der Hitze.

Bunt blühende Blumen erfreuen uns mit ihrem Dasein und geben einer mannigfaltigen Insektenzahl Nahrung. Die Wohmöglichkeit besteht in Form von Totholz, wilden Ecken und Insektenhotels.


Die Brombeeren gedeihen heuer besonders gut.

Wir hatten schon reiche Ernte. Es bleibt aber immer etwas übrig für die mit uns Lebenden. Getreu dem Ratschlag der indianischen Wissenschaftlerin und Autorin Robin Wal Kimmerer in ihrem Buch „Geflochtenes Süßgras“. Darin findet sich eine Regel der indianischen Ureinwohner Nordamerikas, die ich hier auszugsweise wiedergebe:

Die Grundregeln der Ehrenhaften Ernte:
Nimm nie das Erste. Nimm nie das Letzte.
Nimm nur, was du brauchst.
Nimm nie mehr als die Hälfte. Lass etwas für die anderen übrig.
Ernte so, dass du möglichst wenig Schaden anrichtest.
Nutze es respektvoll. Verschwende nie, was du genommen hast.
Danke für das, was dir geschenkt wurde.
Hinterlasse ein Gegengeschenk für das, was du genommen hast.
Erhalte die, die dich erhalten, und die Erde wird für immer bleiben.


Das ist es, was wir als Einzelne leisten können. Wir nutzen unsere Möglichkeiten. Wir warten nicht auf andere, die größere Gärten haben als wir. Wir sagen nicht: „Was sollen wir mit unseren 400 Quadratmetern schon ausrichten, wenn die anderen jeden Tag mehrere Hektar Land versiegeln.“

Der Garten dankt es uns, indem er unsere Seelen heilt. Er kann das. Warum das so ist? Tja..wer weiß das schon? Es ist ja nicht nur unser Garten, wenngleich wir infolge unserer Gestaltungleistung eine besondere Beziehung zu ihm haben. Es ist generell die Natur. Vielleicht, weil wir mit ihr verbunden sind. Und weil daher alles, was wir tun, auf uns rückwirkt.



Demnächst werde ich wieder die Wirklichkeit der Zeitungen, der Social Media, des Konsums, der Fake News betreten. Ich nehme so viel ich kann mit von der Seelennahrung, die unsere Mitwelt für uns bereitstellt.



Die dunkelste Stunde liegt vor Sonnenaufgang

Vor 25 Jahren, am 11. September 2001, wurden die Twin Towers des World Trade Centers in New York von entführten Flugzeugen getroffen und stü...