10 September 2022

Wärme aus der Erde für Biedermannsdorf

 



Wärme aus der Erde für Biedermannsdorf

Die im Dezember 2021 gegründete private Initiative "Energiezukunft Biedermannsdorf" ist zu einer gefragten und gern konsultierten Plattform in unserer Gemeinde geworden. Einer der Höhepunkte bisher war die Infoveranstaltung für konkret an Wärmepumpen interessierte Bürgerinnen und Bürger am 9.9. in der Aula unserer Volksschule.

Mit dem starken Preisanstieg bei fossilen und biogenen Brennstoffen nahm die Nachfrage nach Alternativen sehr stark zu. Damit wird es für den Einzelnen immer schwieriger, relativ kurzfristig einen kompetenten Anbieter zu finden. Die Initiatoren der „Energiezukunft Biedermannsdorf“ fassten deshalb den Entschluss, durch das Zusammenführen mehrerer Interessierter diesen mehr Präsenz auf dem Markt zu verschaffen. Letztlich haben 63 Haushalte ihre Daten und Planunterlagen abgegeben, was die Erwartung der Initiatoren weit übertraf.

Nach einem ausführlichen Vorgespräch waren es die Firmen Lemp-Energietechnik und ihre Partnerfirma Fuchs GmbH, welche diese Chance erkannten und wahrnehmen wollen. Die Interessentinnen und Interessenten wurden sodann persönlich zu der Informationsveranstaltung eingeladen. Die Vorträge der beiden Unternehmer und die ausführliche Beantwortung der vielen Fragen schafften Vertrauen in deren starke Kompetenz und Erfahrung.

Die außerordentlich gut besuchte Veranstaltung (erwartet wurden 60, gekommen waren etwa 80 Besucher-innen), war der Start für die konkrete Umsetzung. Als nächsten Schritt sind möglichst analog den Dringlichkeitsangaben Besuchstermine der beiden Firmen zu organisieren. Damit schließt die Initiative diese Aktion ab. Die Erstellung der Angebote und eine Auftragserteilung werden direkt zwischen Anbieter und Auftraggebern vereinbart. Ergänzend soll noch Unterstützung bei der Erlangung der Förderungen gegeben werden.

Solche Initiativen sind nur möglich durch das Engagement und der Sachkenntnis engagierter Bürger. An allererster Stelle steht dabei die Nutzung elektronischer Kommunikationswege. Heinz Melion hat sich dieser Herausforderung nicht nur angenommen, sondern in unzähligen Stunden eine umfangreiche und informative Webseite Website der EZB (energiezukunft.biedermannsdorf.info) gestaltet, viele Informationen beschafft, die Datensammlung sichergestellt, die Interessenten ständig mit aktuellen Informationen versorgt und viele Gespräche koordiniert.

Günter Bramböck ist seine jahrzehntelange berufliche Erfahrung in der Energiebranche nützlich gewesen. Dies besonders bei den Überlegungen, wie eine finanzierbare und möglichst umweltschonende Beschaffung von Energie auf lange Sicht möglich ist. Es ist ihm ein großes Anliegen, dass fossile Energie schrittweise und dennoch zügig durch Umweltenergie ersetzt wird.

Die beiden Herren stellen ihr Wissen und ihre Zeit selbstlos und unentgeltlich der Allgemeinheit zur Verfügung.

Persönlich sehe ich meine Funktion in der Koordination dieser Initiative mit der Gemeinde. Die Gemeinde hat sich zum Klimaschutz bekannt und sie ist Mitglied im europaweiten Programm e5 (www.e5-gemeinden.at) für energieeffiziente Gemeinden. Die Energiezukunft Biedermannsdorf unterstützt die Bestrebungen zur Gestaltung einer umweltfreundlichen Gemeinde, weshalb ich diese Initiative begrüße und nach Kräften unterstütze. Ich hoffe, dass diesem Beginn, welcher auf den weitgehenden Ersatz von etwa 1,5 Millionen Kilowattstunden Erdgas durch Umweltenergie zum Ziel hat, weitere Schritte folgen werden.

Umweltgemeinderat Karl Wagner

22 August 2022

Wer wir waren

 

Ein Film im grünen Wanderkino Biedermannsdorf. Alles Gute, das die Menschheit bisher zweifellos geschaffen hat, ist in Gefahr. Weil wir, die heute Lebenden es mit Füßen treten. Weil uns Respekt und Demut fehlen. Weil wir uns wie Narren als die Krone der Schöpfung sehen. Dabei wissen wir alles, was wir wissen müssen.

„Wir waren jene, die wussten, aber nicht verstanden, voller Informationen, aber ohne Erkenntnis, randvoll mit Wissen, aber mager an Erfahrung. So gingen wir, von uns selbst nicht aufgehalten.“

Roger Willemsen

Derzeit sind viele von uns damit beschäftigt, zu überlegen, wo wir künftig unsere Energie herkriegen und wie wir am besten unsere Wohnungen warm kriegen werden, beziehungsweise, wie viel Grad weniger wir im kommenden Winter verschmerzen könnten. Der Krieg und seine Auswirkungen haben uns auf den Weg gebracht, solche Überlegungen anzustellen. Leider ist es der gleiche Krieg und seine Krisen, die Klimaschutzbestrebungen verhindern, oder mit dem enormen CO2-Ausstoß der Kriegsmaschinerie wieder aufheben.

Jetzt mag man es als verständliche Notmaßnahme ansehen, wenn wir heute wieder über die Nutzung von Kohle und Erdöl reden, weil schlicht der Zusammenhalt unserer Gesellschaft in Gefahr ist und weil deren Radikalisierung nur eine Frage der Zeit zu sein scheint infolge lange nicht gekannter Existenzängste und Zukunftsängste.

Jedoch ist es in so einer Zeit angebracht, an eine Institution zu erinnern, die global agiert, die neutral ist, die keinerlei Partei ergreift, für die unser Schicksal unbedeutend ist und die kein Gut und kein Böse kennt. Das ist das Klima. Für unser Klima ist nur eines interessant: Wie viele Treibhausgase sind in unserer Atmosphäre? Davon allein hängt es ab, ob es wärmer wird, ob es heißer wird und wann es sich wieder einpendelt und ob überhaupt.

Die Natur kennt keine Behörde, bei der man etwas beeinspruchen kann. Bei der man seine Bedenken vorbringen, Alternativen vorschlagen oder gar Lobbying betreiben kann.

Darauf weist dieser Film hin. Die Notwendigkeit, die Menschheit zu schützen, indem wir das Klima für uns positiv beeinflussen ist immer da. Egal, welche Gründe es geben mag, Maßnahmen aufzuschieben oder zu verhindern.

Doch wir haben Gründe. Ob aber spätere Generationen diese Gründe als Entschuldigung für unser Versagen akzeptieren werden? Wohl kaum. Wer werden wir gewesen sein? Wird es noch jemand geben, der darüber urteilen kann?

08 August 2022

Natur und Sonne - eine Symbiose

 


Die globale Klimakrise hat direkte Auswirkungen auf uns alle. Auf Österreich, auf Biedermannsdorf, auf jeden Haushalt, auf jeden Menschen, der hier lebt.

Die Klimakrise bringt mit sich, dass – wenn sich nichts ändert an unserem Verhalten – Ostösterreich versteppen wird. Wasser wird Mangelware, und der Anbau von Feldfrüchten nur eingeschränkt möglich sein. Das mag harmlos klingen, aber wenn dieses Szenario bei uns eintreten sollte, wird es anderswo in der Welt um ein Vielfaches schlechter bestellt sein, was sich unbedingt negativ auf unser Leben auswirken wird. Die Frage stellt sich, was wir HEUTE tun müssen, um morgen und übermorgen das Schlimmste abzuwenden.

Die globale Klimakrise muss lokale Maßnahmen zur Folge haben.

Und was ist es, was wir HEUTE tun müssen? Von den fossilen Brennstoffen wegkommen. Das sagt sich leicht und heißt, dass alles, was mit Erdgas, Erdöl oder Kohle betrieben wird, mit erneuerbaren Energien betrieben werden muss. Alle Industriebranchen wie Stahlindustrie, Pharmaindustrie, der Verkehr, alle öffentlichen Verkehrsmittel, die Landwirtschaft, der Handel, die privaten Haushalte, einfach alles! 
Um das bewältigen zu können, brauchen wir viel, viel erneuerbare Energien. Und zwar die berühmten zusätzlichen 27 TWh. 11 PV, 10 Wind, 5 Wasser und 1 Biomasse. Das genügt aber nur dann, wenn wir

Energie EINSPAREN.
Wie? Zum Beispiel
durch eine große Wärmedämmungsaktion.
durch eine Reduktion des durchschnittlichen Fleischkonsums um zwei Drittel.
durch Reduktion des Flugverkehrs
durch Reduktion der Urlaubskreuzfahrten
durch Reduzierung des Individualverkehrs.
durch Änderung der Konsumgewohnheiten

aber vor allem:
Durch eine neue Zuwendung zur Natur und die Erkenntnis, dass unsere Umwelt – eigentlich Mitwelt – nicht zum Konsumieren da ist, sondern unsere Heimat, unser Lebenselixier ist, das uns heilig sein sollte und wovon wir selbst ein Teil sind. 
Gleichzeitig muss es uns gelingen, erneuerbare Energie rasch und umfangreich auszubauen.
Kurz gesagt: 
wir müssen uns als Gesellschaft transformieren.

Werden wir das rechtzeitig schaffen? Der Krieg ist wieder nach Europa zurückgekehrt. Milliarden Euro werden in die Rüstung gepumpt. Unser Fokus ist auf militärische Verteidigungskraft ausgerichtet.

Russische Erdgas- und Erdölquellen könnten für uns bald versiegt sein. Letzteres macht die Wichtigkeit der Energiewende überdeutlich.

Es scheint, dass sie noch rascher vor sich gehen muss als ursprünglich geplant. Die 27 zusätzlichen TWh brauchen wir raschestmöglich. Man könnte jetzt auf die vielen Dächer zurückgreifen.

Aber:

In Österreich stehen zwei Millionen Gebäude mit einer Dachfläche von insgesamt 780 Quadratkilometern. Davon könnten nur 15 Prozent genutzt werden, wie Forscher der Universität für Bodenkultur Wien erhoben haben.

Das Klimaziel könnte laut den Forschern zwar theoretisch erreicht werden, wenn alle geeigneten Gebäude von mehr als 220 Quadratmetern Grundfläche - wie etwa Supermärkte oder Lagerhallen - mit Solaranlagen versehen werden, aber eben nur theoretisch: Denn dafür müssten bis 2030 pro Tag durchschnittlich 400 Anlagen installiert werden.

Ohne neue Solaranlagen auf freien Flächen wird es also nicht gehen.

In dieser Situation erhält die Gemeinde aufgrund der neuen Gesetzeslage die Chance, Grünland auf Grünland-PV umzuwidmen. Nach dem kurzsichtigen Nein zur Biomasse in Biedermannsdorf kommt nun diese Möglichkeit. Auf Grünland Sonnenstrom zu installieren und damit gleichzeitig die Biodiversität zu fördern, bestimmte Feldfrüchte zu pflanzen oder Vieh weiden zu lassen, ist eine willkommene Symbiose von Sonne und Natur. Zumal bekannt ist, wie sehr wir erneuerbare Energie brauchen werden und wie groß die künftige Nachfrage sein wird. Denn:

Eine zukunftsfähige Gemeinde hat viel erneuerbare, leistbare Energie zur Verfügung.

Diese Chance zu nützen, sollte eine Selbstverständlichkeit sein. Ist es aber nicht. Es gibt Gegenstimmen derer, die diese Gründe entweder nicht verstanden haben oder sie absichtlich ignorieren. Da kommen Statements wie „Strom kann man nicht essen“, oder „wir brauchen die Freiflächen für den Ackerbau.“ Dabei wird vergessen, dass PV-Anlagen nichts versiegeln, sondern Agri-PV eine vielversprechende Art ist, Ackerbau mit Energiegewinnung zu verbinden. Ja, es stimmt: Es kann sein, dass die Erträge für bestimmte Feldfrüchte sinken. Jedoch ist damit zu rechnen, dass Hitzewellen und Dürrezeiten das Land derart ausdörren werden, dass schattenspendende Paneele den Ertrag vielleicht sogar retten können. Also künftige Äcker mit PV könnten dann gegenüber konventionellen Äckern sogar Vorteile haben.

Der Slogan muss daher statt „Strom kann man nicht essen“ heißen:

„Strom rettet unsere Ernten.“

Wenn also heute jemand mit Aussagen wie „Strom kann man nicht essen“ die Energiewende verhindern will, muss ihm geantwortet werden „Ohne Strom verhungern wir“. Denn bevor man Weizen essen kann, braucht es Mähdrescher, Mühlen und Bäckereien. Alle betrieben mit regenerativen Energien.

Das, was Gegner-Innen der Agri-PV antreibt, ist – unglaublicher weise – die Angst um die Lebensmittelversorgung. Und da macht man Agri-PV verantwortlich? Nicht bedenkend, dass auf zwei Drittel der bebaubaren Fläche Futterpflanzen angebaut werden?  Gar nicht zu reden von Ethanolfeldern? Warum tritt man dagegen nicht vehement auf? Und dabei übrigens gleich auch gegen die industrielle Tierhaltung? Das Unrecht und die Qualen, die wir Tieren antun, nur weil wir unser tägliches umwelt- und gesundheitsschädliches Schnitzel wollen, schreien zum Himmel.

Das, was ich hier vorgebracht habe, hat seine Grundlage im letzten Bericht des IPCC, vielen schon vorher geäußerten und publizierten Studien und Büchern beispielsweise von Helga Kromp Kolb, vom Potsdamer Institut für Klimafolgenforschung und vielen Universitäten wie der Boku, das Wegener Center der Uni Graz, u.v.m.

Fazit: Sollte die Gemeinde hier außen vor bleiben, wäre das nach der Ablehnung des Biomassekraftwerks der zweite große Schlag Biedermannsdorfs gegen die für uns alle lebensnotwendige Energiewende.

Uns steht wohl eine Zeit bevor, wo wir mehr ans Teilen, als an unsere Gier denken müssen. Die Endlichkeit der Ressourcen unserer Erde werden uns lehren, andere Wege einzuschlagen, die uns vielleicht - wenn wir es richtig anfangen - dorthin führen werden, wo wir alle immer schon hin wollten. Zu einem guten Leben. 

Helfen dabei kann uns die unerschöpfliche, aus menschlicher Sicht ewig vorhandene Energie der Sonne.

16 Juli 2022

Die Rede eines Politikers, die nie gehalten werden wird.

 


Geehrte Bewohnerinnen und Bewohner dieses Landes!

Es ist nun schon lange her, dass ich mich entschloss, in die Politik zu gehen. Ich stand immer schon gerne im Rampenlicht, wollte Macht ausüben, wollte natürlich auch etwas für das Land bewirken. Überzeugt von meinen Fähigkeiten, war mir immer klar, dass ich bei der Wahl der Mittel, um an die Macht zu kommen, nicht wählerisch sein durfte. Intrigen wirken einfach beschleunigend auf dem Weg an die Spitze. Die Freunde, die mich dabei unterstützt hatten, sind längst zu Gegnern geworden. Oder waren es immer schon.

Ein mildes Lächeln jener, die das lesen, ist wohl das Beste, was mir passieren kann. Denn Neuigkeiten sind es nicht, die ich hier erzähle. Inzwischen wissen alle, dass ich die letzten Jahre damit zubrachte, mich zu rechtfertigen. Krampfhaft nach guten Leistungen zu suchen, die ich angeblich vollbrachte. Die Fehler meiner politischen Mitbewerber anzuprangern, sie zu beschimpfen und zu beleidigen, um von meinem eigenen Versagen abzulenken.

Das ist mir sogar oft gelungen. Viele von Ihnen ließen sich von meinem rhetorischen Talent, von meiner schauspielerischen Ausbildung verleiten. Auch mein geschniegeltes Äußeres mag dazu beigetragen haben. Aber damit ist es längst vorbei. Die scharfen Falten in meinem Gesicht legen Zeugnis ab von einem anstrengenden Leben. Die eigene Macht zu verteidigen ist aufreibend. Etwas anderes habe ich nicht vorzuweisen.

Alt bin ich geworden. Müde auch. Nur eines scheint mir gut gelungen zu sein. Meine Tochter ist ein wunderbarer Mensch geworden. Aber sie ist bei meiner geschiedenen Frau aufgewachsen. Also auch hier ist es mit meiner eigenen Leistung nicht weit her. Unerklärlicherweise mag mich mein Enkel. Dann und wann besucht er mich, wenn seine Eltern mal keine Zeit haben. Gott sei Dank kommt das vor. Es sind Sternstunden, wenn er mir entgegen gelaufen kommt und vertrauensvoll seine kleine Hand in meine legt. Leider spüre ich bei diesen Treffen in letzter Zeit immer wieder einen kleinen Stich in meiner Seele. Er vertraut mir. Kann er mir vertrauen? Was habe ich für seine Zukunft getan? Wenn er älter sein und verstehen wird, was ich und meinesgleichen aus seiner Welt gemacht haben – was wird er sagen? Was werde ich sagen? Werde ich dann noch leben? Will ich dann noch leben?

Er wird es anders machen, muss es anders machen. Die Welt, die er als Erwachsener antreffen wird, wird eine andere sein. Und sie wird nicht schöner sein. Er wird sich behaupten müssen. Er wird das, was ihm geblieben ist, verteidigen müssen. Es wird vielleicht Krieg geben. Vielleicht Hunger. Ich bete, dass diese schwarzen Gedanken nicht wahr werden. Dass wir das Ärgste noch verhindern können, wenn wir eine neue Botschaft aussenden.

Wenn mein Enkel in die Politik gehen wird, wird er andere Gründe haben. Er wird andere Ideale haben, Ehrlichkeit und Solidarität mit den Schwachen und Benachteiligten zeigen und leben. Er wird helfen, wird andere überzeugen, dass niemand zurückgelassen werden darf, dass die Menschenrechte geachtet werden müssen, dass allen Religionen, Kulturen und Lebensweisen Akzeptanz entgegenzubringen ist. Er wird wissen, dass nur Gewaltfreiheit, Meinungsfreiheit, und Pflichtbewusstsein gegenüber der Natur und allen darin lebenden Wesen die Menschheit weiterbringen und retten kann.

Diese Ziele werden in seiner Welt sehr viel schwerer zu verwirklichen sein als in unserer. Wir müssen ihm heute schon dabei helfen, indem wir ein ganz neues Leben beginnen. Ein Leben, in dem Rücksicht, Fürsorge und Mitgefühl wieder einen ganz großen Stellenwert erhalten.

Sie meinen, das ist das depressive Gefasel von einem, der mit dem Altwerden nicht klarkommt? Vielleicht. Vielleicht ist es aber auch Einsicht. Eine Einsicht, der Sie sich anschließen sollten.

02 Juli 2022

Über die Biogärtnerei Rossios in Biedermannsdorf


Dieser idyllische Obstgarten in der Josef-Bauer-Straße gehört seit einigen Jahren der Vergangenheit an (Man merkt es auch am Schnee). Wegen der Esel, die sich darin aufhielten, nannte man ihn auch Eselsgarten. Die Esel hatten zwischen Obstbäumen, Wiesen und Tränke ein artgerechtes Dasein. 

Seit einigen Jahren ist der Garten Vergangenheit. Nicht aber die Idylle. 



Denn grasten früher Esel auf dem Areal, so sind es heute Bienen und Schmetterlinge, die sich an den köstlichen Blütenkelchen von Lavendel, Minze, Salbei, Ginster und vielem mehr an Stauden und Blumen gütlich tun. 

Und meldet sich der Durst aufgrund der schweren Arbeit in dem Pflanzenmeer, so können die Insekten bequem auf den Blättern der Seerosen in dem 55 Meter langen und drei Meter breiten Seerosenteich landen, sich gefahrlos satt trinken und wieder abfliegen.

Ein Paradies, das durch harte menschliche Arbeit geschaffen wurde. Arbeit, die Idealismus, Kreativität und Liebe zu unverfälschter Natur voraussetzt.


Die Menschen in der Biogärtnerei Rossios haben diese Voraussetzungen. Und weil das so ist, wurde der Altbestand der Kiefern erhalten. Rossios sagte, Obstbäume könne man immer pflanzen und das tut er auch, aber Kiefern sind eine ganz andere Kategorie. Sie werden mehrere hundert Jahre alt und haben eine große Bedeutung für ein verträgliches Klima.

Aufgrund der von Wien betriebenen Absiedelung der Gärtnereien in Alterlaa wurde der Familie Rossios das Areal in der Josef-Bauer-Straße angeboten. Es gehörte zum ehemaligen Schloss Perlas (Kinderheim) der Stadt Wien und eignete sich natürlich hervorragend für einen Biobetrieb. Denn in dem früheren Obstgarten gab es seit Menschengedenken keine konzentrierte Landwirtschaft. Der Boden ist frei von jeglichen Rückständen, die einen Biobetrieb vereiteln könnten.


Entsprechend begeistert ist Rossios von der Bodenqualität, die nur selten mit natürlichem Dünger, der aus eigenen Grün- und Holzabfällen produziert wird, aufgebessert werden muss. Und auch dann schonend mittels Spatenmaschine, damit die Bodenlebewesen, die sich in den obersten 5 – 10 Zentimetern des Bodens befinden, so wenig wie möglich in Mitleidenschaft gezogen werden.

Gleiches gilt für die Entfernung von Unkräutern. Dazu wird ein Infrarotbrenner verwendet.

Ein weiteres wichtiges Mittel zum Qualitätserhalt des Bodens ist die wechselnde Fruchtfolge. Pflanzen reichern den Boden mit Nutzstoffen an, die von anderen, die nachfolgen aufgebraucht werden.


Die Firma Rossios beliefert in erster Linie die Floristik in Wien und Umgebung und hat einen eigenen Stand im Grüngroßmarkt Inzersdorf, was nichts für Langschläfer ist. Das Tagwerk eines Gärtners mit Großmarkt-Stand beginnt um zwei Uhr morgens.


Die Gärtnerei Rossios reiht sich ein in die Reihe jener Gebiete, die Artenschutz und Artenvielfalt garantieren. 


Die Gemeinde Biedermannsdorf hat bekanntlich insgesamt etwa 3000 m² Bienenweide gegründet. Wir hoffen und sind zuversichtlich, dass sich dieser schöne Trend in weiteren Schritten zur Nachhaltigkeit und Achtsamkeit gegenüber der Natur fortsetzt.

Der Firma Rossios wünschen wir weiterhin viel Erfolg mit ihrem Standort in unserer Gemeinde.


28 Mai 2022

Tempo 80 ist nach wie vor aktuell

Der Bau der Lärmschutzwand an der Ostseite der A2 geht voran. Wir begrüßen diese Maßnahme, die vor allem im Sinne der Anrainerinnen und Anrainer ist, aber auch in einem viel weiteren Umkreis wirkt. Kein Zweifel, der Autobahnlärm wird wohl erträglicher werden. Keinen Schutz bietet sie gegen Schadstoffe, was folgerichtig heißt, dass die Forderung nach Tempo 80 weiterhin zu stellen ist. Denn Reifenabrieb und Aufwirbelung werden durch erhöhte Geschwindigkeit verstärkt. Vor allem die besonders gesundheitsschädliche, weil kleinkörnigere Feinstaubkategorie PM 2,5 ist hier zu beachten

Grober Feinstaub (PM10) bleibt in den Nasenmuscheln, Bronchien und im Rachen hängen. Die kleineren Feinstaub-Partikel (PM2,5) dringen in die Bronchien ein, die ultrafeinen Partikel (PMo,1) gelangen sogar in die Lungenbläschen und in den Blutkreislauf. Sie können zur Verdickung des Blutes führen. Ein erhöhtes Risiko für Herzinfarkte und Schlaganfälle ist die Folge.

Einmal im Blut, können ultrafeine Partikel auch zu anderen Organen wie Leber, Niere, Gehirn oder Herz transportiert werden. Besonders Kinder leiden. Bei ihnen können die Schadstoffe Asthma und Bronchitis verursachen und das Wachstum beeinträchtigen.

Auch das österreichische Umweltbundesamt, ebenso wie die WHO widmen diesem Thema eine hohe Aufmerksamkeit. Es wird betont, dass für die schädliche Wirkung dieser Feinstaubkategorie kein Schwellenwert angegeben werden kann. Das heißt, Belastungen können auch unter den Grenzwerten auftreten. Siehe www.umweltbundesamt.at/umweltthemen/luft/luftschadstoffe/staub/pm25

Ebenso wird bestätigt, dass geringere Geschwindigkeiten grundsätzlich zu einer Reduktion nicht nur des Energieeinsatzes, sondern auch der Abgasemissionen und des Staubs aus Abrieb und Aufwirbelung führen. Siehe auch hier www.umweltbundesamt.at/umweltthemen/mobilitaet/mobilitaetsdaten/tempo

Also gute Gründe, weiterhin für eine Tempobeschränkung auf der A2 einzutreten. Zumal wir verstärkter Lärm- und Schadstoffeinwirkungen infolge der Ausbaupläne des Gewerbegebietes unserer Nachbargemeinde Achau gewärtig sein müssen. Dort errichtet an unserer Ostgrenze die Baustofffirma Sochor ein Auslieferungslager, das einen Zuwachs von ca. 120 Lkw´s pro Tag bedeuten wird. Darüber hinaus vergrößert der Logistiger Wildenhofer sein Areal. Der LKW-Verkehr wird somit massiv zunehmen. Zusätzlich besteht noch immer die Gefahr einer neuen -von Achau forcierten – Umfahrungsstraße, die, von Osten kommend, in die L154 beim Billa-Kreisverkehr münden soll. In diesem Fall könnten Tausende zusätzliche Fahrzeuge die B11 im Süden lahmlegen. Der Versuchung, die Abkürzung durch den Ort zu nehmen, würden wohl viele erliegen.

Angesichts dieses immer stärker werdenden Verkehrsdrucks von Ost und West ist es legitim, sich dagegen zu stellen und alles zu versuchen, unsere Lebensqualität zu erhalten, bzw. zu verbessern. Denn mittlerweile fahren auf der A2 bereits täglich durchschnittlich 200.000 Fahrzeuge. Jährlich donnern 4,4 Millionen Lkw´s über diese Straße, wovon täglich mehrere Hundert in Biedermannsdorf landen. Zum Vergleich: Am Brenner sind es „nur“ 2,2 Millionen.

Die Forderung nach einer Temporeduktion ist daher trotz Lärmschutzwand zu unterstützen. Leider kann sich unsere Regierungskoalition der Meinung der Grünen nicht anschließen. Besonders im Fall der SPÖ ist das durchaus überraschend, hat sich diese Partei doch so massiv gegen den Bau der Biomasse-Anlage stark gemacht, die täglich ganze 15 Lkw´s bedeutet, aber Wärme für 15.000 Haushalte und Strom für 10.000 Haushalte gebracht hätte.

22 Mai 2022

Bausperre in Biedermannsdorf

 

Eine Betonwüste. Keine Chance für Regenwasser, zu versickern. Alles ergießt sich in den Regenwasserkanal. Ein etwaiges Hochwasser entsteht infolge Überlastung der Kanäle. Das muss nicht zwingend in diesem Gebiet sein. Eine der Ursachen ist hier zu sehen. Abgesehen von der unglaublichen Ignoranz der Klimakrise gegenüber. Die künftigen Hitzewellen werden die Bewohnerinnen und Bewohner solcher "Wohngegenden" am schwersten treffen. Menschen, die so etwas planen, sollten sich schämen.


Geringe Abstände zu den benachbarten Grundstücken und Gebäuden. Hässlich. Man fühlt sich in alte Plattenbauzeiten zurückversetzt. Ob hier wirklich auf das "Gute Leben" der künftigen Bewohner-innen Rücksicht genommen wurde? Ganz zu schweigen vom Nutzen für die Gemeinde.


Dieses künftige Bauwerk (siehe letzte Gemeindenachrichten) wurde -wie auch alle anderen hier gezeigten Bauten vor der Bausperre genehmigt. Beziehungsweise musste aufgrund der geltenden Regeln genehmigt werden. Es sieht besser aus als ursprünglich geplant. Aber gut genug? Ansichtssache. 


Im Nordwesten Biedermannsdorfs sind 14,8 Hektar als Bauland-Entwicklungsgebiet gewidmet. Was wird uns hier ins Haus stehen in 10, 20, vielleicht 30 Jahren? Werden wir eine Totalverbauung des Gebiets inklusive Verkehrshölle erleben? Welche politischen Kräfte werden das Sagen haben? Wir Grünen hatten damals, als diese Widmung beschlossen wurde, beantragt, das Gebiet wenigstens auf 7,4 Hektar zu halbieren, wurden jedoch überstimmt. Zum Verständnis: Ein Bauland-Entwicklungsgebiet erleichtert es einer Gemeinde, Bauvorhaben zu planen. Da es künftig mit Recht immer schwerer werden wird, Grünland zu verbauen, wurde dieser Beschluss "vorsorglich" gefasst. 
Umso wichtiger ist es heute, Bestimmungen zu erlassen, die 

Versiegelung und Verkehrslawinen eindämmen und 
die Produktion erneuerbarer Energien fördern. 
Und die langfristig wirken. 

Damit es Fälle wie die hier gezeigten nicht mehr gibt, beschloss die Gemeinde eine vorerst auf zwei Jahre befristete Bausperre, damit die Bauordnung entsprechend evaluiert werden kann. 













75 Jahre Genfer Flüchtlingskonvention

75 Jahre ist es her, als die Staaten beschlossen, den Kreislauf aus Gewalt und Hass zu durchbrechen. Die Genfer Flüchtlingskonvention ist ...