22 Januar 2022

20 Jahre Klimabündnis Biedermannsdorf


Rio Negro

Vor 20 Jahren trat Biedermannsdorf dem Klimabündnis Österreich bei.

Mit 135.000 km² Regenwald ist das Gebiet am Rio Negro in Amazonien 1,6 mal so groß wie Österreich.

Der Regenwald ist für indigene Völker seit Jahrtausenden der Lebensmittelpunkt. Sie zeigen uns, was es bedeutet, mit der Natur im Einklang zu leben. Ihre Lebensgrundlage gerät durch wirtschaftliche Interessen und die Klimakrise immer stärker unter Druck. Wir kennen alle die Berichte über die dramatischen Ereignisse in der grünen Lunge der Erde und die Gefahr, in der sich jene Indigenen befinden, die diesen sensiblen und für uns alle so wichtigen Teil der Welt mit ihrer Lebensart erhalten. Das Klimabündnis verbindet zwei Welten. Gemeinden in Österreich und indigene Völker am Rio Negro in Brasilien. Gemeinsam mit dem Klimabündnis Österreich wurde die FOIRN, der Dachverband der indigenen Organisationen am Rio Negro zu einer der stärksten Vertretungen indigener Völker in Amazonien. Mit Hilfe österreichischer Gemeinden ist es gelungen, eines der größten zusammenhängenden Regenwaldschutzgebiete der Welt zu schaffen. Nachhaltige Tourismusprojekte, ein von indigenen Frauen geführtes Kunsthandwerkszentrum oder der Aufbau einer Kommunikationsinfrastruktur mit solarbetriebenen Funkgeräten zeugen von dem positiven Einfluss aus Österreich. Biedermannsdorf ist Teil dieser Organisation und kann stolz darauf sein.

Das Klimabündnis hat außerdem Anteil daran, dass die Wertschätzung fair gehandelter Produkte, sowie die Kenntnis über globale Zusammenhänge gestiegen ist.

Frühere Jahre - umweltbewusste Maßnahmen in Biedermannsdorf.
Aber schon bevor sich Biedermannsdorf der globalen Welt in Sachen Klimaschutz zuwandte, geschah einiges in unserer unmittelbaren Umgebung. Mit der Pflanzung von Windschutzgürteln zum Schutz der Felder gegen Erosion wurde schon damals etwas für den Artenschutz getan. Windschutzgürtel dienen nicht nur Wild, sondern auch Kleintieren als Rückzugsgebiet. Außerdem gedeiht die Vielfalt an Pflanzen und auch Insekten besonders gut in den Übergängen. Auch Vögel, die es heute aufgrund sinkender Insektenpopulationen schwer genug haben, sind dankbar dafür. Dankbar auch für die Anlage von Biotopen, die eine besondere Bereicherung für den Artenschutz darstellen.


Biotope wie dieses neben der verkehrsberuhigten Schönbrunner Allee, wo übrigens 1999 die Neupflanzung der Kastanien erfolgte.

Vorzeigegemeinde Biedermannsdorf
Zur Pflanzung von Bäumen und Windschutzgürtel und zur Anlage von Biotopen gehört aber auch der sorgfältige Umgang mit dem, was allgemein als Abfälle bezeichnet wird. Ein fast immer unpassender Ausdruck, denn unsere sogenannten Abfälle sind sehr oft Wertstoffe, die in die Kreislaufwirtschaft rückgeführt werden müssen. Auch dieses Thema ist heute wichtiger denn je. Recycling ist ein unverzichtbares Mittel geworden, den für unseren Planeten und damit natürlich auch für uns ruinösen Ressourcen-Raubbau zu stoppen.


Unser Bauhof, wie er sich heute darstellt. Ein moderner Betrieb, der den Anforderungen unserer Zeit gerecht wird. 
Biedermannsdorf war mit der Errichtung der Altstoffsammelzentrale  Vorzeigegemeinde.

Beitritt zum Klimabündnis
All das lässt den Beitritt zum Klimabündnis als eine logische Folge erscheinen. Logisch auch deshalb, weil die Klimakrise im Lauf der Jahre immer deutlicher in das Bewusstsein der Menschen gerückt ist. Unterschiedlich zu Wirtschaft und Politik hat sich das Klima nicht erst in den letzten hundert Jahren globalisiert. Achthundert Euro jährlich. Mit diesem Mitgliedsbeitrag, dessen Höhe sich nach der Einwohnerzahl einer Gemeinde richtet, ist Biedermannsdorf nun seit zwanzig Jahren dabei. Inzwischen ist es aber mit der Entrichtung eines Mitgliedsbeitrags nicht mehr getan. Es ist notwendig geworden, die Botschaft des Klimabündnisses mit Herz und Hirn zu verbreiten.

Sie lautet: Wir sind alle gefordert. Was bisher geschah, ist wichtig, aber vergangen. Wir haben nicht das Recht, uns auf Lorbeeren auszuruhen. Das Thema Klimaschutz wird niemals abgeschlossen sein. Unsere Anstrengungen müssen bis in unsere Lebensart, bis in unsere Haushalte reichen. Das zu vermitteln, soll auch weiterhin unsere Aufgabe sein. 

Sehen Sie hier einige Impressionen bewusstseinsbildender Veranstaltungen der vergangenen Jahre.

2015
Kinder statt Autos auf der Straße. Wir alle genießen es immer, wenn bei Straßenfesten Stille herrscht, nur unterbrochen von Musik und die Menschen mitten auf der Straße flanieren und sich treffen können. Der motorisierte Individualverkehr ist einer der größten CO2-Emittenten in Österreich.

Die Künstlerinnen und Künstler (ausgenommen die letzte Reihe).

In der Jubiläumshalle war eine Woche lang die Ausstellung "Klimagerechtigkeit" zu sehen. Eine hochinformative Information in Bild und Text über die Klimaproblematik in aller Welt.

2017

Klimameilen sammeln. Jeder Weg zur Schule zu Fuß oder per Rad ist eine Klimameile und damit ein Gewinn für´s Klima.

Eine ganz besondere Art, für das Radfahren zu werben. Verrückte Räder vom Radlsalon Mowetz beim Mobilitätstag.

E-Carsharing in Biedermannsdorf

2018

Die Gewinnerinnen und Gewinner der Radverlosung beim Mobilitätstag. 

Ein Radclown trieb sich auch herum…

2018

Eine Delegation der indigenen Umweltorganisation FOIR tourte durch Österreich, um auf ihren Kampf für einen intakten Regenwald und damit für eine intakte Umwelt auch bei uns aufmerksam zu machen. Auch Biedermannsdorf durfte sie willkommen heißen.

2019

Fridays for Future in Biedermannsdorf. 


Bei der Vorbereitung

2020

Die Themen werden ernster und konkreter. Die Auswirkungen der Klimakrise spüren und sehen wir bereits vor unserer Haustüre. Verheerende Stürme, Hitzewellen und Missernten sind keine Seltenheit mehr. Jedes Jahr erfahren wir von neuen Schädlingen, die die Klimaveränderung zu uns bringt und das Sterben der Fichtenwälder setzt sich fort. Dem müssen auch die Gemeinden Rechnung tragen. Ist das, was wir bisher getan haben, genug?


Biedermannsdorf wird zu e-5-Gemeinde. e-5 ist ein europäisches Projekt, das es den Gemeinden erleichtern und sie dazu motivieren soll, ihre Energieeffizienz zu steigern.

2021

 

Großes Interesse der Bevölkerung zum Thema „raus aus Öl und Gas“. Ein Vortrag der Energieagentur Niederösterreich.


Die Gemeinde Biedermannsdorf organisierte zwei Workshops mit Schülerinnen und Schülern der HLW, sowie Erwachsenen aus Biedermannsdorf. Durchgeführt wurden die Workshops von der NGO Südwind. Es ging um Klimagerechtigkeit und verschiedener Sichtweisen auf die Welt. Das ernsthafte Interesse der Schülerinnen und Schüler, wie auch der begleitenden Lehrerinnen, sowie die ausgezeichneten Referenten und Referentinnen von Südwind waren ein echter Gewinn.


Trauer, Mut und Optimismus.
Man sieht viele lachende Gesichter auf diesen Bildern. Aber vielleicht fällt auf, dass die Art der Veranstaltungen mit den Jahren ernsthafter geworden ist. Wie auch die Situation unserer Erde immer ernster wird. Das Artensterben wird bereits als das sechste große erdgeschichtliche Massensterben bezeichnet. Bis zur heutigen Vielfalt hat es Jahrmillionen gebraucht. Die Erholung vom großen Sterben wird ebenfalls Jahrmillionen benötigen.

Der Unterschied zu allen vorangegangenen Katastrophen: Wir Menschen haben sie herbeigeführt. Warum das Artensterben hier erwähnt wird? Weil es mit der Klimakrise zusammenhängt. Wird die Klimakrise zum Stillstand gebracht, kann auch das Artensterben beendet werden.

Aber die Trauer um das, was inzwischen unwiederbringlich verloren ist, muss zugelassen werden. Zugleich aber darf der Optimismus und der Mut nicht fehlen, unseren Beitrag zu leisten, um das zu retten, was wir noch haben. 

Dazu gehört unser eigenes Handeln ebenso wie das Handeln der Regierung, der Länder und der Gemeinden.













09 Januar 2022

Klimabilanz von strombasierten Antrieben und Kraftstoffen

 

Nach Reduzierung des Individualverkehrs zu Gunsten eines komfortabler, dichter vernetzten und preisgünstiger werdenden Öffentlichen Verkehrs ist die E-Mobilität das derzeit für den Pkw-Antrieb einzig brauchbare Mittel, um die CO2-Emissionen drastisch zu reduzieren. In Anbetracht sich hartnäckig haltender Gerüchte, wonach eigentlich Wasserstoff der Zukunftsretter ist und die Batterie immer wieder als der „Gott sei bei uns“ des Verkehrs denunziert wird, erscheint die Studie des Instituts für Umwelt und Energieforschung in Heidelberg gerade rechtzeitig. Mir ist schon klar, dass „Denk-Pest“ Infizierte, für die es weit und breit nur noch Lüge und Verschwörung gibt, auch in diesem Bereich wahrheitsresistent bleiben werden, aber die sind ja auch nicht mein Zielpublikum.

Vorweg muss festgestellt werden, dass die Wasserstoffforschung noch bei weitem nicht den Stand der E-Mobilität erreicht hat. Gut möglich, dass Wasserstoffmobilität in Jahrzehnten einen anderen Stellenwert haben wird, aber so viel Zeit steht nicht mehr zur Verfügung. Wir brauchen die Verkehrswende jetzt. Die Rede, man solle doch auf neue Antriebsmethoden warten, kann nur als gefährliche Drohung interpretiert werden. Was nicht heißt, dass die Forschung bezüglich Wasserstoff und anderen Antriebsgebieten intensiv fortgesetzt werden soll und muss.

Ein wichtiger Punkt bei den Forschungsarbeiten des Instituts war auch die Energiebereitstellung. Gelegentlich werden batterieelektrische Fahrzeuge auf Basis des jeweiligen Strommix verglichen mit Brennstoffzellen-betriebenen Fahrzeugen, bei denen die Energieträger ausschließlich aus EE-Strom bestehen. Solche hinkenden Vergleiche tragen (absichtlich?) zu Verwirrung bei.

Um die beiden wichtigsten Ergebnisse gleich einmal kurz und bündig darzustellen:

In der Klimabilanz eines Brennstoffzellenfahrzeugs liegen die Treibhausgasemissionen zwischen 56 und 75 Prozent über denen eines Batteriefahrzeugs.

In der Klimabilanz eines Fahrzeugs mit Verbrennungsmotor, das mit strombasierten Flüssigkraftstoffen aus deutschem Strommix betrieben wird, sind die Treibhausgasemissionen rund drei Mal so hoch wie die eines Batteriefahrzeugs.

Die Produktion von Wasserstoff oder synthetischen Kraftstoffen kann nur sinnvoll sein, wenn diese vollständig klimaneutral hergestellt werden. Dies erfordert allerdings einen enormen Bedarf an zusätzlichen EE-Kapazitäten. Woher die kommen sollen? Keine Ahnung. Vielleicht aus der Atomenergie? Keine schöne neue Welt!

Wobei selbstverständlich auch Batterie-Antriebe so grün sind, wie die dafür vorgesehene Energie.

Übrigens: SUV bleibt SUV. Größer, schwerer, schneller sind auch hier negative Eigenschaften, die viel Fortschritt wieder zunichtemachen. Das stellt - zu Recht - der VCÖ fest.

Abgesehen davon geht die Energiewende über den PKW-Verkehr weit hinaus. In Industrie, Flug- und Schiffsverkehr beispielsweise sind Antriebsformen wie Wasserstoff sehr wohl gefragt und wohl auch notwendig. Nur gilt auch dort die Regel, nur mit EE (erneuerbarer Energie) als Grundlage ist das sinnvoll. Und zwar mit viel, sehr viel Erneuerbarer Energie. Energie, die nicht verfügbar sein wird, wenn wir weiterhin so sorglos wie derzeit damit umgehen. Und noch dazu immer wieder die Errichtung von Wind-, PV- oder Biomasseanlagen verhindern.

 

 

02 Januar 2022

Global 2000 entlarvt österreichische Energieversorger als Klimatrickser


Eine Untersuchung von Global 2000 weist die österreichischen Energieversorger als Meister des Greenwashings aus. Ihre Masche ist, Erdgas als klimafreundlich anzupreisen. Sie subventionieren neue Gasheizungen, bieten Gasmix mit nur ein paar Prozent Biogas als klimafreundlich an und behaupten, ohne Erdgas sei die Energiewende gar nicht zu schaffen.

Beispielsweise zahlen Energie AG, Energie Burgenland, Energie Graz, EVN und TIWAG für den Umstieg auf eine Gasheizung zwischen 400 und 1.000 Euro. Wobei sie alle im öffentlichen Eigentum stehen, die TIWAG sogar zu 100 Prozent.

Die EVN zum Beispiel bewirbt ihren „ökologischen Gastarif“ mit lächerlichen fünf Prozent Biogas-Anteil, was eindeutig als Greenwashing zu bezeichnen ist. So werden die längst nötigen und wichtigen Bestrebungen der Bundesregierung konterkariert. Und die Landesregierungen schauen dem Treiben zu.

Ein weiteres Negativbeispiel ist die OMV. Auf der Website und in einer Gas-Infobroschüre der OMV wird fossiles Erdgas als „sauberer“, „umweltschonender“ bzw. „umweltfreundlicher“ Energieträger bezeichnet, bei dessen Verbrennung „hauptsächlich Wasserdampf und in sehr geringen Mengen Kohlendioxid (CO2)“ entsteht. Ein diesbezüglicher Vergleich wird vor allem mit der Kohle gezogen, also dem fossilen Energieträger, der nicht im Produkt-Portfolio der OMV aufscheint.

Dazu muss man wissen, dass 24,9 Prozentanteile der OMV dem Emirat Abu Dhabi gehören. Weiters hält die OMV 65 Prozent an der Erdgas-Handelsplattform „Central European Gas Hub, eine Drehscheibe für russisches Gas in Mitteleuropa und tätigt Investition in das Projekt „Nord Stream 2“.

Fairerweise muss bemerkt werden, dass die Wien Energie als einzige Ausnahme die Klimaschädlichkeit von Erdgas zugibt und an einem Ausstiegsszenario für ganz Wien arbeitet. So sollen Solarwärme, Geothermie oder Wärmepumpen in Zukunft Wärme, bzw. Kühle spenden. Das ist auch für die Kund-innen billiger als die Umstellung auf erneuerbares Gas.

Zu erneuerbarem Gas ist zu lesen: „Erneuerbares Gas aus landwirtschaftlichen Abfällen ist ein knappes Gut und kann den derzeit hohen Erdgasverbrauch nicht ersetzen. Die knappen Potenziale sollten deshalb für Spezialanwendungen, wie z.B. die Eisen- und Stahlproduktion, reserviert werden. Die Initiative „Zukunft Grünes Gas“ nimmt diese Fakten jedoch nicht zur Kenntnis und trägt somit zu einem falschen Bild in der Öffentlichkeit bei.“

Erdgas, das überwiegend aus Methan (CH4) aus fossilen Quellen besteht, verursacht bei der Verbrennung CO2-Emissionen von rund 200 g CO2 / kWh. Zum Vergleich verursacht Heizöl etwa 266 g CO2 / kWh. Wechselt man von Heizöl zu Erdgas, bleiben somit noch etwa 75 % der klimaschädlichen Emissionen bestehen, und das auf lange Zeit.

Mehr darüber gibt es zu lesen im Greenwashing Report.

08 Dezember 2021

Welche Welt wartet auf sie?



Dieses Plakat kann man manchmal in den Biedermannsdorfer Schaukästen der Grünen sehen. Es gefällt mir sehr gut, weil es bunt und optimistisch rüberkommt. Die lachenden Kinder vermitteln Unbeschwertheit. Einen Teil davon werden sie im Laufe ihres Lebens verlieren, die einen mehr, die anderen weniger. Es gibt viele Gründe dafür. Einer davon, den ihre Vorfahren nicht hatten, ist die Klimakrise. Bezüglich ihrer Zukunft werde ich oft sehr nachdenklich. Seit dem Wiederaufbau nach dem Zweiten Weltkrieg ist es erstmals nicht mehr sicher, ob es den Kindern besser gehen wird als den Eltern.

Was werden sie in 20, 30 Jahren von uns denken, was werden unsere Enkel in 40, 50 Jahren von uns denken, wenn der letzte Sturm ihnen wieder einmal die Dächer von den Häusern gerissen hat, oder Überflutungen ihnen ihr Hab und Gut genommen haben und trotzdem Wassermangel besteht. Was werden sie sagen, wenn sie an die märchenhaften Zeiten zurückdenken, in denen die Energie unerschöpflich, das Wasser reichlich und frisch war, und die Supermarktregale wohl gefüllt waren mit Spezialitäten aus aller Welt. Was werden sie sagen über die, die das alles aufs Spiel gesetzt und verloren haben?

Wie werden sie über uns denken, wenn sie lesen und hören, wir hätten Angst gehabt um unsere Versorgungssicherheit und waren dumm genug, weiterhin Ackerland für Einkaufstempel Industrie zu opfern, aber Sonnenstrom auf Freiflächen abzulehnen.

Oder wir hätten Angst um unsere Wälder gehabt und waren dumm genug, sie trotzdem für den internationalen Handel zu missbrauchen und Naturschutzgebiete dem Straßenbau unterzuordnen, aber den Bau von Biomasse-Anlagen zu verhindern.

Oder wir hätten Angst um unsere Vögel gehabt und waren dumm genug, ihnen durch Abholzung und Pestizidverwendung ihre Nahrung und ihren Lebensraum zu nehmen, wollten aber keine Windräder.

Was werden sie sagen in ihrer Zeit, wo die letzten Wälder verschwinden werden, wo Missernte auf Missernte folgt, wo die Gletscher ihnen längst den letzten Tropfen Wasser geschenkt haben werden und der Frühling längst verstummt sein wird.

Für Jene, die jetzt denken, ich erzähle Schauergeschichten oder schüre Angst, sei Helga Kromp-Kolb, die bekannte Klimawissenschaftlerin, Autorin und unermüdliche Kämpferin für den Klimaschutz zitiert. Sie sagt uns, was passiert, wenn wir die Klimaziele nicht erreichen:

“Sie werden in der Hitze hungern, von der Sonne versengt, in einer kollabierten Wirtschaft, und vor steigendem Meeresspiegel und Kriegen fliehen oder versuchen vor Klimaflüchtlingen zu beschützen, was Ihnen noch geblieben ist, ohne Aussicht auf Verbesserung, im Gegenteil.
Und sie werden sich fragen: Warum hat uns niemand gewarnt?
Oder, wenn Sie ehrlicher sind: Was haben wir uns nur dabei gedacht, als wir die Warnungen missachtet haben?”

Wir befinden uns an der wohl wichtigsten Wegscheide der Menschheitsgeschichte. Welchen Weg wollen wir gehen? Viel Zeit zur Entscheidungsfindung bleibt uns nicht mehr.

07 Dezember 2021

Was passiert, wenn wir das 1,5-Grad-Ziel nicht erreichen?




Am 9.11. hielt Frau Professor Helga Kromp-Kolb im UniCredit-Center der Bank-Austria einen Vortrag mit dem Titel: “Was passiert, wenn wir das 1,5-Grad-Ziel nicht erreichen?” Die Frage, beziehungsweise die Befürchtung scheint insofern berechtigt, als in Glasgow nur schleppende Schritte angekündigt wurden, um unsere Lebensgrundlagen zu schützen. Ein bedeutender Teil der relevanten Wissenschaft hält ein Erreichen der Klimaziele bei den dort geäußerten Handlungsabsichten nicht mehr für möglich und geht bereits von 2,7 Grad Erhitzung aus. Was das bedeutet, legte Kromp-Kolb in ihrer Conclusio dar.

Ab 2,7 Grad Erderhitzung
“Sie werden in der Hitze hungern, von der Sonne versengt, in einer kollabierten Wirtschaft, und vor steigendem Meeresspiegel und Kriegen fliehen oder versuchen vor Klimaflüchtlingen zu beschützen, was Ihnen noch geblieben ist, ohne Aussicht auf Verbesserung, im Gegenteil.
Und sie werden sich fragen: Warum hat uns niemand gewarnt?
Oder, wenn Sie ehrlicher sind: Was haben wir uns nur dabei gedacht, als wir die Warnungen missachtet haben?”


Soweit die pessimistische, realistische Version, wenn wir uns weiterhin so wenig bewegen wie bisher.

Wie aber würde die Welt aussehen, wenn wir das Ziel erreichten? Auch dieses optimistische, Szenario ist immer noch realistisch.

“Bei 1,5 Grad Erderhitzung
Das Leben wird sich völlig verändert haben.
An das geänderte Klima haben Sie sich angepasst – die heißen Stunden des Tages können sie in grünen Oasen, nicht weiter als 10 Minuten von Ihrer Wohnung entfernt, genießen. Die reduzierte Arbeitszeit bringen sie locker in den kühlen Stunden unter.
Die Arbeit macht wieder Freude, weil Qualität das Ziel ist, nicht Masse. Bildung ist wieder ein Erlebnis, nicht Dressur. Für Kultur und Natur bleibt Zeit, Gesundheit ist mehr als das Fehlen von Krankheit.
Die Natur erholt sich – Schmetterlinge und Vogelgesang begleiten wieder den Alltag.
Und sie fragen sich: Wieso haben wir die Klimakrise gebraucht, um diese Veränderungen herbeizuführen?”

Hier die gesamte Präsentation: (https://youtu.be/XK1i0r1_Bo0)

Das kann erreicht werden...
  • Wenn wir realisieren, dass wir einer nie gekannten Menschheitskrise entgegengehen.
  • Wenn wir alle Register der Transformation unserer Gesellschaft in allen Bereichen wie Ernährung, Verkehr und Konsum ziehen.
  • Wenn wir die Unmöglichkeit ewigen Wachstums in einer endlichen Welt erkennen.
  • Wenn wir akzeptieren, dass Artenschutz unser eigenes Überleben sichert.
  • Wenn wir auch Menschen außerhalb unserer Staatsgrenzen mit Empathie und Fürsorge begegnen.
Das alles übersetzt auf unseren Alltag in Österreich:
  • Dem Stopp großer Straßenbauprojekte muss absolute Priorität eingeräumt werden.
  • Inlandsflüge müssen verboten werden.
  • Die ökologische Steuerreform muss bald überarbeitet werden, auf dass Diesel nicht mehr subventioniert wird, die Pendler-Bestimmungen reformiert werden und der CO2-Preis stark ansteigt.
  • Der öffentliche Verkehr muss mit Hochdruck ausgebaut und gegenüber dem Individualverkehr konkurrenzfähig gemacht werden.
  • Naturschutzzonen müssen weiter ausgebaut werden um den Artenschutz zu fördern.
  • Genügend Anlagen zur Produktion erneuerbarer Energie müssen gebaut werden.
  • Regionale und lokale Lebensmittel müssen deutlich billiger werden als jene aus Übersee.
  • Hilfe für Menschen außerhalb unserer Staatsgrenzen muss uns ein starkes Bedürfnis werden nach dem Grundsatz: "Global denken, lokal handeln".
Und wir selbst? Ohne uns geht das alles nicht. 
  • Wir müssen unsere Ernährungsgewohnheiten großteils komplett ändern. Kein “gib uns unser täglich Fleisch” mehr.
  • Achtsamkeit bei der Auswahl des Lebensmitteleinkaufs.
  • Plastik empfindlich reduzieren, nur Getränke in Pfandflaschen kaufen.
  • Das Mobilitätsverhalten überprüfen. Auch E-Autofahrten vermeiden, soweit möglich.
  • Uns bewusst werden, dass unser Leben, wie wir es heute führen, ausschließlich davon abhängt, dass wir genügend leistbare Energie zur Verfügung haben. 
  • Das heißt, Energie sparen, wo es geht, wie zum Beispiel unser Häuser dämmen.
  • An unsere Kinder und Enkel denken, wenn wir über Photovoltaik am Dach oder einer Wärmepumpe diskutieren und nicht daran, ob sich das amortisiert.
  • Und nicht zuletzt akzeptieren, dass Windparks, Biomasseanlagen und Solarkraftwerke gebaut werden müssen, damit wir auch künftig unsere Felder bewässern, unsere Arten schützen und damit unsere eigene Zukunft sichern können.
  • Menschen außerhalb unserer Staatsgrenzen als unsere Nächsten sehen und erkennen, dass ihr Wohlbefinden in einer globalisierten Welt auch uns nützt.
Natürlich habe ich längst nicht alles erwähnt.

Eine Transformation ist kein leichter Weg. Aber es ist der Weg zum Erfolg, und er kann schön und faszinierend sein, wenn wir das oben beschriebene optimistische Ziel im Auge behalten. Also gehen wir´s an. Trotz der Trauer um Verlorenes. Die Aufgabe ist groß, aber nicht zu groß!

18 November 2021

Entsolidarisierung

 

Das Forschungsinstitut für biologische Landwirtschaft hat für Greenpeace und die REWE-Marke „Ja natürlich“ errechnet, dass in Österreich dem Thema Ernährung zwischen 20 und 30 Prozent der gesamten CO2-Emisisonen zuzuschreiben sind. Schon eine Umstellung der Essgewohnheiten auf eine auch von ErnährungswissenschaftlerInnen empfohlenen gesunden Ernährung würde 28 Prozent an Treibhausgasen einsparen lautet das Fazit der Studie.

Natürlich wird das von der Landwirtschaftskammer in Gestalt von Herrn Adolf Marksteiner kritisiert. Er bemängelt, dass in die Studie auch die Emissionen des Transports und der Düngemittel- und Verpackungsherstellung eingerechnet wurden. Das werde in keinem anderen Bereich gemacht. Sollte man aber, füge ich hinzu. Denn welcher Lkw fährt absichtslos in der Gegend herum? Dass Tiere in himmelschreiender Quälerei kreuz und quer in der Welt herum kutschiert werden bis sie endlich an dem Punkt der erlösenden letzten Qual, nämlich der Schlachtung, angelangt sind, wissen alle, aber niemand schert sich darum. Und dass die Verpackungs- und Düngemittelindustrie ihre „Produkte“ nicht aus reiner Lust an der Arbeit herstellt, sondern weil die Tierhaltungsindustrie und die dazugehörigen KonsumentInnen sie kaufen, ist wohl auch klar. Dann zu behaupten, die Landwirtschaft sei eh nur für 11 Prozent der Emissionen zuständig, ist Themenverfehlung. Hier geht es nicht um die Landwirtschaft, sondern um die Essgewohnheiten der Menschen in Österreich.

Diese Essgewohnheiten sind nicht nur Treiber für die Klimakatastrophe, sondern belasten auch das Gesundheitssystem. Besonders in Zeiten wie diesen, wo viele Covid-Patienten aus eigener Schuld im Krankenhaus Gratisbehandlung beanspruchen, weil sie sich nicht impfen lassen wollen.

Eine provokante Frage spukt mir dazu im Kopf herum: Wer ist sich selbst und seinen Nächsten gegenüber verantwortungsloser: Der herzkranke, zuckerkranke covid-geimpfte exzessive Fleischesser oder der impfverweigernde covidkranke Vegetarier? Wer von beiden richtet wohl mehr Unheil an? Ich gebe keine Antwort darauf, obwohl ich für mich eine habe. Selber denken!

Alle, denen es gelingt, darüber in Ruhe und ohne Aufregung nachzudenken, tun etwas gegen ihre Selbstgerechtigkeit und für ihren Altruismus.

Ein Fazit sehe ich: Wir entsolidarisieren uns zunehmend. Klimakrise? Gesundheitskrise? Lebenskrise? Flüchtlingskrise? Alles egal. Wir melken die Kuh, solang sie etwas hergibt. Und wenn sie nichts mehr hat und krepiert? Egal. Diese “Kröten“ fressen unsere Nachfahren. Blöd nur, dass einige besonders fette Exemplare auch für uns reserviert sind.

07 November 2021

Herbst

 


Das Bild oben zeigt Norbert und mich, wie wir erschöpft im Gras liegen. Wir befanden uns auf einem Radausflug über den Wechsel. Es war Anfang der 70-er-Jahre. Ultraleichte Rennräder waren uns fremd. Ich selbst hatte nicht einmal ein Gangrad. Zum Glück waren die Lkw´s damals keine schnell fahrenden Einmann-Hotels, sondern langsam sich dahin schleppende einfache Fahrzeuge mit einer holzumrahmten Ladefläche, die sich mit der Steigung ebenso schwer taten wie wir. Man konnte sich leicht an den Ladebordwänden festhalten und sich gemütlich aufwärts ziehen lassen. Leider ließen wir die Bordwände in der irrigen Meinung, die Steigung wäre vorbei, zu früh los. Das Resultat – siehe Foto.

Der Umweltgedanke war mir damals noch nicht deutlich ins Bewusstsein gerückt. Ein Moped wäre schön gewesen, hätte ich es mir leisten können. Mit dieser Feder möchte ich mich nicht schmücken. Ich wäre gerne mit einem stinkenden, lauten Moped über den Wechsel gefahren, damals.

Ja – damals. Später las ich das Buch „Die Grenzen des Wachstums“. Die schwache Knospe des Umweltbewusstseins wurde schnell überwuchert von anderen Problemen, gegen die angegangen werden musste. Vietnamkrieg, Angolakrieg, Kalter Krieg, Atomare Aufrüstung, Rassismus. Zu allem Überfluss waren alte Nazis noch allgegenwärtig in den Amts- und Wirtsstuben. Auch in den Schulen. „Du mit deiner Umwelt“, sagte einmal jemand zu mir. Ich beließ es dabei und widersprach ihm nicht. Auch mir war anderes wichtiger. Weder in der Schule noch in der Familie noch in den Medien war etwas zu erfahren über Umweltschutz. Die Klimakrise war noch in weiter Ferne. Allerdings nur in unserem Bewusstsein. In Wahrheit war sie schon weit fortgeschritten. Warnungen wurden ignoriert oder nicht ernst genommen.

Bei all den Protesten gegen die vielen Kriege gegen die vielen Ungerechtigkeiten in der Welt, gegen die Missstände in unserer Gesellschaft führten wir längst einen ganz anderen Krieg. Einen Krieg gegen die Natur. Jemand sagte einmal, ein Krieg kennt keine Sieger. Ich füge hinzu, ein Krieg kennt aber einen Wiederaufbau, einen Friedensschluss. Doch der Krieg gegen die Natur kennt das nicht.

Der Klimaforscher Johan Rockström, Chef des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung warnt: Wenn die Staaten nicht ehrgeiziger gegen die Erderwärmung vorgingen, würden bereits 2070 mehr als 3,5 Milliarden Menschen in Regionen leben, deren Durchschnittstemperatur ein Gesundheitsrisiko wäre, betonte er bei der Klimakonferenz in Glasgow. Sollte die Erderwärmung tatsächlich auf 2,7 Grad Celsius steigen würde man „praktisch auf einem zerstörten Planeten leben“, sagte er (Salzburger Nachrichten vom 6. November).

Es ist ärgerlich, dass die Wissenschaft sich immer so nobel ausdrückt. Für Noblesse und Zartgefühl ist keine Zeit mehr. Rockström sagt, wir würden auf einem zerstörten Planeten „leben“. Kann man das dann noch „leben“ nennen?

Ich versuche, seine Diplomatensprache zu übersetzen:
Bis zur endgültigen Zerstörung 2070 wird es ein leidvoller Weg sein. Erst werden sich alle derzeitigen Naturkatastrophen wie Überflutungen, Hurrikans mit Starkregen, Hitze- und Dürrezeiten, Missernten und Hunger um ein Vielfaches verstärken. Wenn die Gletscher ihr letztes Eis als Wasser gespendet haben, wird es Wassermangel geben. In der nächsten Stufe werden sich Millionen Menschen aufmachen, um von ihren unbewohnbar gewordenen Gebieten wegzukommen. Aber wohin sollen sie gehen? An den Grenzen Europas wird es folglich zu kriegsähnlichen Zuständen kommen. Die Wirtschaft wird global zusammenbrechen. Atomkraftwerke werden mangels Wasser nicht mehr gekühlt werden können. Wochenlange Blackouts werden unsere Welt zu einem chaotischen Irrenhaus werden lassen, wo das Recht des Stärkeren gilt. Kriege aller gegen alle werden ausbrechen. Am Ende, wenn der Planet zerstört sein wird, wird das große Sterben beginnen. Die Erderhitzung wird infolge lange vorhergesagten Eintretens von Kipppunkten unaufhaltsam und exponentiell fortschreiten. Millionenstädte wie New York oder Staaten wie Bangladesch werden teilweise im Meer versinken. Die Ozeane werden zu CO2-Schleudern werden. Am Festland wird es zu gewaltigen Bränden kommen, die durch starke Stürme immer weiter angefacht werden. Die Erde wird für Menschen  unbewohnbar werden. Für alle.

Das versteht man unter einem zerstörten Planeten.

Und wir? Wir fahren weiterhin mit SUVs zum nächsten Zigarettenautomaten, lassen Rinderhälften aus Argentinien und Rotwein aus Südafrika einfliegen. Sehen uns mit wohligem Gruseln Weltuntergangsfilme an. Politiker machen sich Sorgen um das BIP und die Gewerkschaften um Arbeitsplätze. Arbeitgeber und Arbeitnehmer feilschen um die nächste Lohnerhöhung. Die Ölgesellschaften suchen nach Öl und Erdgas und freuen sich über Wachstum. Bürgerinitiativen verhindern die Errichtung von Anlagen für erneuerbare Energien und beklagen sich gleichzeitig über die Tatenlosigkeit der von ihnen gewählten Politiker. Alles ist so, wie es immer war.

Ich glaube, es kann nicht als pathetisch bezeichnet werden, wenn mich jetzt, im Herbst meines Lebens die bittere Erkenntnis heimsucht, mit meiner Lebensart zum Herbst der ganzen Menschheit beigetragen zu haben. Zu einem Herbst ohne Frühling.

Ich sehe hinaus auf die Terrasse. Sonnenstrahlen brechen durch das Geäst des Hasels und bringen seine herbstlich gefärbten Blätter zum Leuchten. Von kräftigem Gelb über sattem Rot bis zu warmem Braun, dazwischen blitzt noch etwas Grün hervor. Eine Meise sitzt auf einem der Äste und hämmert auf etwas Nahrhaftem herum, während einige Spatzen im Geäst lärmen. Jetzt hebt sich der kleine Schwarm in die Lüfte und verliert sich im Eisblau des Himmels. Am sonnenwarmen Glas der Terrassentüre hat es sich ein Grashüpfer bequem gemacht.

Alles scheint gut. 

Die Trauer um das, was bereits verloren ist und das, was verloren sein wird, muss erlaubt sein. Aber sie muss auch verbunden sein mit dem Mut und der Tatkraft, alle uns möglichen Mittel anzuwenden, die Zerstörung des Planeten zu verhindern.

Die andere Wirklichkeit

Alte Leute werden krank und viele von ihnen sterben. Es gibt Wiesen, die zur Staubwüste wurden, sodass die Kühe in die Ställe zurückmussten,...