11 September 2026

75 Jahre Genfer Flüchtlingskonvention

75 Jahre ist es her, als die Staaten beschlossen, den Kreislauf aus Gewalt und Hass zu durchbrechen. Die Genfer Flüchtlingskonvention ist also um ein Jahr älter als ich, fast ein ganzes Menschenleben.

Meine kleine Welt

Ich hatte weder den Krieg erlebt noch eine Zeit ohne Flüchtlingskonvention. Beides, sowohl Friede und Sicherheit als auch das Vorhandensein von Flüchtlingen war für mich selbstverständlich. Ebenso selbstverständlich war es, Flüchtlingen zu helfen, Respekt vor ihnen zu haben und sie als unseresgleichen zu sehen. Denn sie legten Zeugnis davon ab, dass Friede und Sicherheit auf meine kleine Welt beschränkt waren und sind. Klarerweise dachte ich als Kind nicht weiter darüber nach. Erst viel später – als meine Frau und ich Pflegeeltern eines afghanischen Jungen und Pateneltern eines iranischen Mädchens geworden waren, wurde mir die ganze Tragweite der Situation bewusst. Damals, als Kind, war es der Kommunismus, der bekämpft wurde und Flüchtlinge kamen aus Ungarn, aus der Tschechoslowakei und aus der DDR. Heute ist das anders. Heute sind wir es, die in Frieden und Wohlstand Lebenden, die mit ihrer Lebensweise in anderen Teilen der Welt Leid schaffen. Man nennt es „imperiale Lebensweise“. Hier einige Beispiele, was damit gemeint ist:

Unsere imperiale Lebensweise

Rohstoffe wie Aluminium, Seltene Erden, Lithium, Nickel, Kobalt, Wolfram und vieles mehr wird importiert. Woher und unter welchen Bedingungen diese Materialien gewonnen werden, interessiert uns wenig. Bei uns wollen wir jedenfalls solche schmutzigen Bergwerke nicht haben.

Wir lassen zu, dass Ölkonzerne in der südlichen Hemisphäre ganze Landstriche und Ozeane verseuchen oder Bauern von ihrem Land vertreiben.

Kriege aus Energiehunger? Oder Kriege, die mit dem aus fossilen Brennstoffen gewonnenem Reichtum finanziert werden? Interessiert uns nicht. Hauptsache, wir haben billige Energie.

Die Ozeane werden leergefischt zu Lasten der ansässigen Fischer, die übrigens auch zu denen gehören, die am meisten von der Klimakrise geschädigt sind und vielfach dabei sind, ihre Heimat zu verlieren. Hauptsache, Heilbutt und Seeteufel munden uns und sind noch dazu preiswert.

Es gibt noch eine Unzahl weiterer Beispiele wie Textilerzeugung, Abfallbeseitigung, Ernährung usw, aber würde ich da weiter aufzählen, hätte dieser Beitrag eine unziemliche Länge.

Wie Außen, so Innen

Unser Madendasein im Speck hat allerdings eine unangenehme Begleiterscheinung. Nämlich Flüchtlinge. Menschen, die aus Hunger, Krankheit und Hoffnungslosigkeit zu uns fliehen, nennen wir Wirtschaftsflüchtlinge. Menschen, die vor Krieg, Folter und Tod fliehen, lassen wir auf See ertrinken, oder prügeln sie von unseren Außengrenzen weg. Wir verraten unsere europäischen Werte, um die Auswirkungen unseres eigenen Lebensstils nicht sehen zu müssen.

Wir sind damit nicht glücklich. Frust, Neid, Unzufriedenheit machen sich breit. Wir sind nicht zufrieden mit dem, was wir erwirtschaftet haben. Gewaltbereitschaft nimmt zu. Viele fühlen sich zu rassistischen, rechtsextremen Gruppen hingezogen die grauenhaft klingende Lösungen versprechen. Lösungen, die den Kreislauf der Gewalt und des Hasses von vor 80 Jahren wieder aufleben lassen. Lösungen, für die wir immer offener werden.

Warum ist das so? Wir gehören zu dem kleinen Prozentsatz der Privilegierten auf diesem Planeten. Kann es sein, dass die Härte, die Gefühllosigkeit und die Grausamkeit, die wir anderen zufügen in unsere eigenen Köpfe und Herzen überschwappen? Kann es sein, dass wir so werden, wie wir denken?

Hass ist immer zuerst in mir. Bevor ich anderen damit schaden kann, schade ich mir selbst. Er vergiftet mein Leben, macht mich krank und unglücklich.

Wir sollten aus diesem Teufelskreis ausbrechen. Wir sollten uns klarmachen, dass es in diesen Zeiten viel gibt, das wir verteidigen müssen. Unsere Lieben, unsere Würde, unsere Demokratien, unseren Wohlstand. Letzteren müssen wir auf neue Beine stellen, indem wir Hass durch Güte, Neid durch Großzügigkeit und Vollkaskomentalität durch Wehrhaftigkeit ersetzen.

Das geht aber nicht, wenn wir all das permanent über Bord werfen. Wie im Außen, so im Innen. Gesellschaften, die lange genug die „Anderen“ unerbittlich verfolgt und ausgegrenzt haben, finden eines Tages nichts mehr dabei, auch gegen die eigenen Mitbürgerinnen und Mitbürger mit gleicher Brutalität vorzugehen. Gegen die Arbeitslosen, gegen die Mindestsicherungsbezieher:innen, gegen die Juden und Jüdinnen, gegen, gegen, gegen. Sogenannte „Andere“ finden sich immer. Das ist kläglich und unwürdig.

Da es meist Nationalisten und sogenannte Patrioten sind, die sich so verhalten, seien ihnen die Worte von Bernie Sanders, des US-amerikanischen Politikers aus dem linken Spektrum ins Stammbuch geschrieben:

„Eine große Nation wird nicht danach beurteilt, wie viele Millionäre und Milliardäre sie hat oder wie hoch ihre Militärausgaben sind. Sie wird nicht nach der Habgier ihrer Großkonzerne beurteilt. Sie wird danach beurteilt, wie sie mit ihren schwächsten und bedürftigsten Bürgern umgeht. Eine wahrhaft große Nation zeichnet sich durch Mitgefühl und Solidarität aus.“


16 August 2026

Jetzt ist er schockiert...



Totschnig sagte, er sei schockiert über das Ausmaß der Dürre (Standard, 14. August). Tatsächlich? Wo war der eigentlich während der letzten Jahre? Als Eremit im Wald? Aber auch dort hätte er – gänzlich ohne Information von außen – die Zeichen an der Wand sehen können. Es zeugt von einer maximalen – höflich ausgedrückt – Unwissenheit, wenn man jetzt erschüttert ist. Das, was hier passiert, ist nichts anderes als das, was Wissenschaft und der verantwortungsvolle aber leider machtlose Teil der Politik seit Jahrzehnten ankündigen. Das alles ignoriert zu haben und jetzt als Verantwortlicher „erschüttert“ zu sein, ist eine Chuzpe, die ihresgleichen sucht. Klar, Totschnig war nicht immer Landwirtschafts- und Umweltminister. Aber er gehört jener konservativen Politikrichtung an, die seit jeher europa- und weltweit Klimaschutz verhinderte, verzögerte und verwässerte.

Hier eine kleine Auswahl von Hunderten, wo über die Klimakrise und ihre Auswirkungen berichtet wurde:

Dezember 2009: Die Erderwärmung ist stärker als erwartet. Wenige Tage vor der Weltklimakonferenz in Bonn schlagen UNO-Organisationen Alarm. Selbst bei Einhaltung aller bisher von den Ländern vorgelegten Klimaschutzzusagen wird sich die Erdtemperatur laut dem UNO-Umweltprogramm (UNEP) um mindestens drei Grad im Vergleich zur Zeit vor der Industrialisierung erhöhen. Das Zwei-Grad-Ziel gilt als äußerste Grenze, um katastrophale Klimafolgen abzuwenden.

August 2017: Wissenschaftler und Experten aus 13 Bundesbehörden der USA erstellten einen 545 Seiten starken Bericht mit einem eindeutigen und alarmierenden Befund: "Die Amerikaner spüren die Effekte des Klimawandels schon jetzt", schreiben die Autoren. Die Durchschnittstemperaturen in Nordamerika seien drastisch gestiegen. Und für diesen Effekt seien "hauptsächlich menschliche Aktivitäten verantwortlich - besonders der Ausstoß von Treibhausgasen". 
Die Autoren verweisen darauf, dass es Tausende Studien von Zehntausenden Wissenschaftlern gibt, die den Klimawandel dokumentiert haben. Trumps Argument, es gebe keine gesicherten Kenntnisse über die menschlichen Einflüsse auf den Klimawandel, widersprechen sie direkt. Es gebe zahlreiche Beweisketten, die demonstrierten, dass menschliche Aktivitäten für den Klimawandel ausschlaggebend seien. Das gelte insbesondere für die Emissionen von Treibhausgasen.
So seien für die Hitzewellen in Europa 2003 die Belege ziemlich eindeutig.

August 2017: Dass Zeitfenster für das Pariser Klimaziel schließt sich schnell. Es wäre sinnvoll, auch die Extremfälle aktueller Prognosen in Betracht zu ziehen. Was alles zu erwarten sein könnte.
Der menschengemachte Klimawandel ist real. Die Auswirkungen spüren wir schon längst und wir werden sie in der Zukunft noch viel stärker spüren. Das berühmte "Zwei-Grad-Ziel", also die Begrenzung der globalen Erwärmung bis Ende des 21. Jahrhunderts auf höchstens zwei Grad über der Temperatur von 1850, ist nach neuen Berechnungen des Max-Planck-Instituts für Meteorologie kaum mehr zu erreichen. Am wahrscheinlichsten ist eine Erwärmung um 3,2 Grad Celsius - und selbst um das zu erreichen, werden wir uns gehörig anstrengen müssen. (Florian Freistetter, Astronom, Wissenschaftsautor. Mitglied der Science Busters)

2018: Die Wetterextreme kosten Millionen. Während in Teilen Salzburgs und Oberösterreichs die Dürre Gras und Saaten verdorren lässt, gibt es im Süden fast täglich Unwetterschäden. Ob letztlich der Kunde für den Klimawandel mit steigenden Lebensmittelpreisen bezahlt, ist offen. "Insgesamt liegt der Schaden in der Landwirtschaft im heurigen Jahr bereits bei mehr als 15 Millionen Euro", sagt Mario Winkler von der Hagelversicherung. "Gerade im nördlichen Flachgau ist der zweite Grasschnitt in der Viehwirtschaft großteils komplett ausgefallen", sagt Landwirtschaftskammerpräsident Franz Eßl (Wäre gut, er würde sich an seine Partei wenden, damit die mehr gegen den Klimawandel tut). Ändere sich das nicht, müsse man Futter zukaufen oder - weil das zu teuer kommt - den Viehbestand reduzieren (Super Idee!! Weniger Methan, weniger Kranke, mehr guter Boden für Agrarprodukte. Geht aber leider nicht, weil zu viele Fleischesser).
Seit zwei Jahren zahlen nicht nur bei Hagel, Sturm, Frost und Überflutung Bund und Länder den Bauern die Hälfte der Versicherungsprämie, sondern auch bei Dürre. Franz Sinabell, Landwirtschaftsexperte im Wirtschaftsforschungsinstitut Wifo: "Was auffällt, ist, dass zuletzt in jedem Jahr zumindest ein Produktionszweig in Österreich massiv durch Wetterextreme betroffen ist."

August 2018: Nach der Dürre wird es teuer. Die Hagelversicherung hat so große Dürreschäden wie heuer in der heimischen Landwirtschaft noch nie registriert. Milch- und Getreidebauern haben die größten Einbußen. Das wird auch auf die Preise durchschlagen. An der Getreidebörse schrauben sich die Preise in die Höhe. "Die Notierungen für das Frühjahr 2019 belaufen sich derzeit auf 200 Euro pro Tonne, in Schüttjahren mit großer Ernte sind es 100 bis 130 Euro pro Tonne", erklärt Christian Jochum von der Landwirtschaftskammer Österreich.
Da sich die Dürre heuer auf dem ganzen Kontinent ausbreitet, sind auch höhere Produktpreise für die Konsumenten zu erwarten. Im europäischen Binnenmarkt fehlt es an Kompensationsware, die den Preis stabil hält.
Bisher wurden 210 Millionen Euro Schäden in der Landwirtschaft berechnet, das übertrifft den bisherigen Höchstwert aus 2013 (200 Mill. Euro). Im Norden und Westen Österreichs gibt es Regionen, in denen heuer erst weniger als 15 Prozent des Niederschlags vom Mittel der vergangenen zehn Jahre gefallen sind.

Dezember 2019: Dürren gefährden Kornkammern. Es wird künftig weltweit mehr Trockenperioden zur selben Zeit geben. Die Klimakrise führt dazu, dass Dürren und Hitzewellen weltweit häufiger auftreten. Daher sei das Risiko für gleichzeitige Missernten in mehreren "Kornkammern der Welt" viel größer als vor 50 Jahren, sagen Forscher des Internationalen Instituts für Angewandte Systemanalyse (IIASA) in einer Studie, die im Fachjournal "Nature Climate Change" veröffentlicht wurde. Die Folgen: Grundnahrungsmittel würden massiv teurer und es drohten mehr Hungersnöte, politische Unruhen sowie Migration.

Aus dem Greenpeace-Magazin, 2020: Wenn die Dürre kommt. Allein im Jahr 2018 gab es Dürreschäden in der Höhe von 230 Millionen Euro, 2019 von mehr als 100 Millionen. Mittlerweile vergeht kaum noch ein Jahr, wo landwirtschaftliche Kulturen und das Grünland nicht unter der prallen Sonne leiden.

Martin Schäd­ler ist Bo­den­öko­lo­ge, er ko­or­di­niert das flä­chen­mä­ßig grö­ß­te Kli­ma­ex­pe­ri­ment für Land­nut­zung welt­weit: „Die­se Ex­tre­me wer­den wir in Zu­kunft deut­lich häu­fi­ger er­le­ben“. (aus einem Interview in der Zeit, 2023)

August 2023: „Wir marschieren in eine Heißzeit“. Der Klimaforscher Joachim Schellnhuber geht mit der Österreichischen und deutschen Regierung punkto Klimaschutz hart ins Gericht.
Schellnhuber ist emeritierter Physikprofessor und langjähriges Mitglied im Weltklimarat (IPCC). Anlass des Interviews war der Juli 2023, der damals heißeste Monat seit 100.000 Jahren. Schellnhuber dazu: „Es kann sogar noch extremer kommen.“

Artikel in den Salzburger Nachrichtenm, April 2023:
Groß-Enzersdorf, Rohrbach an der Lafnitz und Gars am Kamp: Nirgendwo sonst in Österreich hat es im vergangenen halben Jahr derart wenig geregnet.
Zunehmende Dürre und Klimawandel bedrohen die Ernährungssicherheit in Österreich

…viele dieser Risiken haben bereits kritische Niveaus erreicht und könnten ohne sofortige, entschlossene Maßnahmen katastrophale Ausmaße annehmen.
(Europäische Umweltagentur 2023.)

Juli 2025. Alexander Bernhuber, Mitglied der ÖVP-Delegation im EU-Parlament, stellt einen Antrag auf die massive Aufweichung der bereits im Juni 2023 beschlossenen EU-Entwaldungsverordnung.
Dazu Franz Essl, Ökologe an der Uni Wien:
„Rückwärtsgewandte Politik darf nicht weiter die Oberhand gewinnen.“

Mai 2025: „Ich glaube, dass es in wenigen Jahren zu großen Veränderungen kommen wird. Die Auswirkungen und Schäden werden noch sichtbarer werden, in Form von Wasserknappheit und Dürre, wenn Äcker weggeschwemmt werden, der Schnee ausbleibt oder lokale Überschwemmungen zu Betriebsstörungen führen. Und es wird sich die Frage stellen: Wer zahlt das? (Klimaforscher Matthias Themessl von der Geosphere Austria)


04 August 2026

Jetzt fordern sie...

Der Hilferuf der Landwirtschaft (der Standard vom 5.8.) klingt verzweifelt. Es werden Fischsterben, Ernteausfälle, Wassermangel beklagt. Dabei fällt mir ein. War es nicht die Landwirtschaft, der die Renaturierungsmaßnahmen der EU zu weit gingen? Hat nicht das Umweltministerium wunderbarerweise ein ganz anderes, viel schöneres Bild unserer Umwelt gezeichnet, als es die eigenen Fachleute in ihren Bericht ursprünglich verfertigten um sich vor Klimaschutzmaßnahmen drücken zu können?  Österreich hat während der letzten Jahrzehnte immer zu den Bremsern im Klimaschutz gehört. Jetzt fordert die Landwirtschaft Maßnahmen wie das Öffnen des Katastrophenfonds. Oder die Übernahme der Sozialversicherungsbeiträge der Bauern. Oder die Aussetzung laufender Kredite. Klar muss man in Not Geratenen helfen, wie sich das in einem Sozialstaat gehört.

Nur: Die Kosten, die jetzt entstehen, sind die, vor denen die Klimawissenschaft, viele NGOs oder die Grünen immer gewarnt haben. Die Dummheit, diese Warnungen ignoriert zu haben, macht sich jetzt bemerkbar. Und es wird schlimmer. Denn die Versäumnisse von rechtskonservativen Regierungen weltweit, aber eben auch in Österreich, machen sich jetzt bemerkbar und werden sich in Zukunft noch viel nachdrücklicher bemerkbar machen.

Den Klimaschutz deshalb aufgeben, weil eh nix mehr zu machen ist, wäre die falsche Antwort. Im Gegenteil. Man kann die Katastrophe immer noch mindern und damit Menschenleben und Existenzen retten. Die Verantwortung hat allein die Politik. Werden unsere Regierenden einst als Kriminelle bezeichnet werden, weil sie ihre Bevölkerungen im Stich ließen, weil sie sich nicht an ihre eigenen Gesetze hielten? Weil sie allein auf ihren persönlichen Vorteil bedacht waren? Werden sie dafür vor Gericht stehen? Besser wäre es allerdings, wenn sie in die Gänge kommen und ihre Aufgabe wahrnehmen würden. Nämlich endlich Klimaschutz zu betreiben. Das haben übrigens die Bauern vergessen, in ihren Forderungskatalog aufzunehmen. 

02 August 2026

Die andere Wirklichkeit


Alte Leute werden krank und viele von ihnen sterben.
Es gibt Wiesen, die zur Staubwüste wurden, sodass die Kühe in die Ställe zurückmussten, weil sie kein Futter mehr fanden.
Wassermangel lässt die ersten Gemeinden Rationierungsmaßnahmen ergreifen.
Nachrichten von Ernteausfällen häufen sich.
Flutkatastrophen rauben Menschen ihre Existenz und kosten ihnen viel zu oft auch das Leben.
Brände in Südeuropa und Nordamerika nehmen apokalyptische Ausmaße an.
Teile der Welt sind ohne Klimatisierung nicht mehr bewohnbar.
In den Ozeanen und am Land begann längst das große Sterben.
Es mutet fast banal an, hier auch noch die ungeheuren finanziellen Schäden zu erwähnen, die dadurch entstehen.
Kollateralschäden der Klimaleugnung. Betrieben von rechtskonservativer Politik, von Ölkonzernen, von Industriekapitänen, von Verrückten und Verbrechern. Besonders schmerzt das Verhalten der Konservativen, wenn sie, stolz ihre Dummheit vor sich hertragend, von den Kosten schwadronieren, die Klimaschutz für die Wirtschaft verursachen soll. Besonders in einer Demokratie wie der unseren kommt noch der Umstand hinzu, dass diese Politik frei gewählt ist. Das Versagen einer Gesellschaft, die an Vollkaskomentalität, Konsumgeilheit und fehlender Empathie krankt.
Meine Empfindung angesichts dessen: Fassungslosigkeit und Hilflosigkeit. Es scheint, als gäbe es eine neue Pandemie, die durch keine Impfungen, Lockdowns und Medikamente bekämpft werden kann. Sie könnte Ignoranz, Verdrängung oder auch schlicht Dummheit heißen.

Diese Gedanken ziehen mich runter. Sie helfen auch nicht. Sie ändern nichts. Ich gehe hinaus in den Garten.


Dort empfängt mich strahlende Farbenpracht.


Ich spüre, wie der Alb langsam schwächer wird.


Der Garten spiegelt uns. Unsere Wünsche und Träume, unser Wesen.


Ab hier beginnt die andere Wirklichkeit





Das Wasser ist belebt. Ebenso wie das Land. 








Das ist eine Hornisse. Sie okkupierte Teller und Gabel, um die Reste eines Kuchens zu verspeisen. Danach ließ sie sich noch in Ruhe fotografieren, bevor sie wieder ihrer Wege flog.

In dieser Welt sind wir die stärksten und mächtigsten Lebewesen. Als solche haben wir eine Verantwortung gegenüber dem Organismus, der sich Garten nennt. Einiges hier ist unsere Schöpfung. Viele Pflanzen und alle Tiere sind zugewandert. Aufgrund unserer toleranten Einstellung und unserer Ehrfurcht vor dem Leben gaben wir ihnen eine Heimat. Sie danken es uns in vielerlei Hinsicht.

Kirschpflaume, Vogelbeere, Zürgel und Zwetschke beschenken uns und zahlreiche Vögel mit ihren Früchten und sorgen mit ihrer Größe für ein erträglicheres Klima in Zeiten der Hitze.

Bunt blühende Blumen erfreuen uns mit ihrem Dasein und geben einer mannigfaltigen Insektenzahl Nahrung. Die Wohmöglichkeit besteht in Form von Totholz, wilden Ecken und Insektenhotels.


Die Brombeeren gedeihen heuer besonders gut.

Wir hatten schon reiche Ernte. Es bleibt aber immer etwas übrig für die mit uns Lebenden. Getreu dem Ratschlag der indianischen Wissenschaftlerin und Autorin Robin Wal Kimmerer in ihrem Buch „Geflochtenes Süßgras“. Darin findet sich eine Regel der indianischen Ureinwohner Nordamerikas, die ich hier auszugsweise wiedergebe:

Die Grundregeln der Ehrenhaften Ernte:
Nimm nie das Erste. Nimm nie das Letzte.
Nimm nur, was du brauchst.
Nimm nie mehr als die Hälfte. Lass etwas für die anderen übrig.
Ernte so, dass du möglichst wenig Schaden anrichtest.
Nutze es respektvoll. Verschwende nie, was du genommen hast.
Danke für das, was dir geschenkt wurde.
Hinterlasse ein Gegengeschenk für das, was du genommen hast.
Erhalte die, die dich erhalten, und die Erde wird für immer bleiben.


Das ist es, was wir als Einzelne leisten können. Wir nutzen unsere Möglichkeiten. Wir warten nicht auf andere, die größere Gärten haben als wir. Wir sagen nicht: „Was sollen wir mit unseren 400 Quadratmetern schon ausrichten, wenn die anderen jeden Tag mehrere Hektar Land versiegeln.“

Der Garten dankt es uns, indem er unsere Seelen heilt. Er kann das. Warum das so ist? Tja..wer weiß das schon? Es ist ja nicht nur unser Garten, wenngleich wir infolge unserer Gestaltungleistung eine besondere Beziehung zu ihm haben. Es ist generell die Natur. Vielleicht, weil wir mit ihr verbunden sind. Und weil daher alles, was wir tun, auf uns rückwirkt.



Demnächst werde ich wieder die Wirklichkeit der Zeitungen, der Social Media, des Konsums, der Fake News betreten. Ich nehme so viel ich kann mit von der Seelennahrung, die unsere Mitwelt für uns bereitstellt.



08 Juni 2026

Meine alte Liebe

Utrecht, meine Lieblingsstadt der Vielfalt. Vor vielen Jahren arbeitete ich dort mit einer Softwarefirma zusammen als Mitglied eines Entwicklungsteams für Warenwirtschaftssysteme. Die Menschen, die ich dort kennenlernte, gehörten zu den liberalsten, vorurteilslosesten und liebsten in meinem damaligen Leben. Von den Menschen über den Verkehr bis zu den Coffeeshops. Alle und alles waren gleich geachtet und respektiert, Radfahrende wie zu Fuß Gehende, auch Autofahrende. Egal, welcher Farbschattierung man angehörte, immer stieß man auf die gleiche Freundlichkeit. Ich erinnere mich gerne auch an Amsterdam, an die Grachten, an die schmalen Häuser mit ihren Flaschenzügen, an das um die Kirche herum gruppierte Rotlichtviertel (was für ein Sinnbild der Toleranz!). Die herrlichen Museen, die wunderbar vielfältigen Restaurants. 

Und heute? Heute lese ich von rechtsradikaler Politik, von Ausländerfeindlichkeit, von Rassismus, von Hass und Vorurteilen. Die Pest des 21. Jahrhunderts auch in meinem Lieblingsland.
Kann sein, dass meine Erinnerung die Tatsachen verklärt. Aber wenn, dann nur ganz wenig.
Jedenfalls hoffe und baue ich darauf, dass es sie noch immer gibt. Die liebevolle Zuwendung, das lachende Verständnis, die offenen Zugänge, die Akzeptanz der anderen. So wie ich das auch für hier zu Hause hoffe. Dass das nicht verloren geht.

28 April 2026

Nimm´s den Armen - gib´s den Reichen ...


... sagt jedenfalls Prinz John in Disney´s Robin Hood. Aus seiner Sicht eine durchaus nützliche Einstellung. Dass diese aber in der ÖVP, der IV, den Neos so stark geteilt wird, verwundert schon. Bei all dem Hinprügeln auf die Superreichen, deren Klo am Gang ist. Auf die in Saus und Braus Lebenden, die allein ihre Kinder erziehen und von der Hand in den Mund leben. Die parasitären subsidiär Schutzberechtigten, die vor der Obdachlosigkeit stehen. Oder die geizigen Eltern aus unteren Einkommensschichten, die jeden Cent zweimal umdrehen, um ihren Kindern die Teilnahme am nächsten Schulausflug zu ermöglichen. Die Bundesregierung, acht Bundesländer und jetzt auch das sozialistische Wien richten sich nach Prinz John.
Wie war das noch?


Oder:
Österreich hat eine der höchsten Abgabenquoten in Europa. Diese wird fast vollständig aus Abgaben für Arbeit gespeist. Das muss auch so sein, wenn die Reichsten nichts beitragen sollen und wir weiterhin einen funktionierenden Sozialstaat wollen.

Denn wir wollen ja weiterhin auch den Reichsten staatlich finanzierte Ausbildung, Grundlagenforschung und Subventionen, einen sicheren Rechtsstaat, ein funktionierendes Gesundheitssystem zur Verfügung stellen, nicht wahr?

Also alles paletti ohne Vermögens- und Erbschaftssteuern für die oberen Prozent?
Klar, denn:

Nimm´s den Armen, gib´s den Reichen.




02 März 2026

Zum Schutz der Kinder

Wuhan, bekannt als Corona-Ausgangsort hat es abermals in die Schlagzeilen geschafft. Von dort wurde ein kontaminierter Inhaltsstoff für Babynahrung an mehrere große Unternehmen geliefert. Es handelte sich um das Toxin Cereluid, welches Übelkeit und Erbrechen, aber auch Organschäden verursachen kann. Nestlé und Danone haben nicht die beste Figur gemacht, als sie erstmal sogenannte "stille Rückrufe", das heißt, Rückrufe ohne die Öffentlichkeit zu informieren, durchführten. Eine verantwortungsvolle Vorgehensweise kann man diesen Konzernen damit nicht attestieren.

Ob sie diese zweifelhafte Eigenschaft auch hatten, als sie erfolgreich gegen das Lieferkettengesetz lobbyierten? Die Vermutung, dass sie das gemacht haben, liegt nahe. Ebenso die Frage, ob die Krankheiten und das Leiden von Babys und die Angst der Eltern vermieden hätte werden können, wäre das Lieferkettengesetz in seiner ganzen Tragweite gültig gewesen.

Wir erinnern uns:
Der Dammbruch der Eisenerzmine 2018 in Brumadinho, Brasilien kostete 272 Menschen das Leben.
Beim Einsturz der Rana Plaza Textilfabrik 2013 kamen 1000 Menschen ums Leben und 2.500 wurden verletzt.

Das sind zwei der größten und bekanntesten Katastrophen, die unter anderem der Anlass für die Einführung eines Lieferkettengesetzes waren.

Das hätte dazu führen sollen, dass
  • Unternehmen die Folgen ihres Geschäftsmodells analysieren.
  • International anerkannte Menschenrechte und Umweltstandards beachtet werden, sowie Klimaschutz umgesetzt wird.
  • Risikoanalysen durchgeführt werden.
  • Effektive Maßnahmen festgelegt werden, um Missstände zu beheben.
  • Öffentlich über Risiko- und Maßnahmenanalysen berichtet wird.
  • Für Betroffene in jeder Stufe der Lieferkette Beschwerdemechanismen eingerichtet werden.
  • Sanktionen und zivile Haftung für den Fall der Missachtung dieser Richtlinien vorgesehen sind
Die Frage stellt sich, ob der gegenständliche Vorfall der kontaminierten Babynahrung passiert wäre, hätte es dieses Gesetz in seiner vollen Wirksamkeit gegeben.

Es muss uns bewusst sein, dass die Verhinderung von Maßnahmen, die der Gesundheit, der Sicherheit und der Lebensqualität vieler Menschen in aller Welt dienen, sich auch auf unser tägliches Leben und das unserer Kinder auswirken. So ist das nun mal in einer globalisierten Welt. 

Wir haben konservative und rechtspopulistische Politikerinnen und Politiker gewählt, die vor Lobbyisten, denen ihr Profit wichtiger ist als alles andere, einknicken.

Lasst uns das ändern. Messen wir die Politik an ihrem Interesse an uns, den Wählerinnen und Wählern. 







25 Dezember 2025

Weihnachten - ein letzter Blick zurück

 


Moderne Künstlerinnen und Künstler zeigen uns im Kultum, Graz neue Sichtweisen auf Weihnachten. Statt der Krippe im Stall mit Maria und Josef tritt allein Maria als Frau in den Vordergrund. Sie wird aus verschiedenen Blickwinkeln betrachtet. Das Bild oben stellt sie als Flüchtling dar mit einem letzten Blick zurück. Ein Blick der leider sehr modern ist. Immer schon waren es die Frauen, die die Hauptlast trugen, wenn Krieg und Gewaltregime Menschen heimsuchten. Auch heute sehen wir, wie Frauenrechte zurückgedrängt werden. Schmerzlich vermissen wir Vernunft, Mitgefühl und Barmherzigkeit in einer patriarchal geprägten, politischen Szenerie. 

In dieser Situation ist Hoffnung dringend nötig. Hoffnung, gepaart mit Tatkraft. Denn nur wer handelt, kann auch hoffen. Gerade jetzt in diesen Tagen ist Tatkraft gefordert. Und die gibt es. Wir sehen sie täglich in den Menschen, die sich für Frieden, Umweltschutz und Menschenrechte einsetzen. Die Zivilgesellschaft ist immer noch stark und vielfältig. Es gibt SOS-Mitmensch, Greenpeace, Zara, und viele weitere NGOs und Vereine, die mit psychologischer Betreuung, Lernhilfe, Armutsbekämpfung oder Klimaschutz  die Gegenbewegung darstellen, die zu unterstützen uns allen zur moralischen Pflicht werden sollte.

In ihrem Buch: "Die Welt ist nicht heil, aber heilsam, haben die Frankl-Schülerin und Logotherapeutin Elisabeth Lukas und Alexander Bathyány die Hoffnung so beschrieben:
"Es ist die Hoffnung, dabei mitwirken zu können, eine bedürftige, verwundete Welt zu heilen; oder die Hoffnung, dass wir, andere Menschen und die Natur vor vermeidbarem oder behebbarem Leid beschützt oder davon geheilt werden können. Hoffnung kann auch eine Ausdrucksform der Trotzmacht des Geistes sein – ein Aufbegehren, das nicht nur passiv auf einen guten Ausgang oder eine andere Entwicklung wartet, sondern auch mit der Wahrnehmung des Aufrufs einhergeht, den eigenen Beitrag dazu zu leisten, dass das Leidvolle nicht das letzte Wort hat. Die Hoffnung leitet uns damit auch in gewisser Weise. Wir wollen nicht aufgeben; wir wollen etwas hinzufügen. Entweder, indem wir tätig etwas beitragen, oder aber, wo das nicht möglich ist, indem wir zumindest nicht bereit sind, die Situation oder die Person ganz aufzugeben. Hoffnung bleibt. Wenn wir uns das genauer ansehen, dann zeigt sich, dass sich da noch weitere Zusammenhänge auftun. Wir sind, man kann es kaum anders sagen, die Träger der Hoffnung; sie ist uns überantwortet. Wie gesagt, hat keine andere Spezies, soweit wir das aus der Tierpsychologie wissen, Hoffnung. Das bedeutet aber auch: Wir müssen sie behüten und pflegen. Denn würden wir sie aufgeben, verschwände sie vollständig und spurlos von der Erdoberfläche, sie würde ins Nichts fallen. Alles, was von ihr bliebe, wäre eine große klaffende Leerstelle – und mehr als das: Es bliebe eine Wunde mitten im Herzen der Welt."

19 Dezember 2025

Du sollst dir ein Bild machen

"Bilder aus dem Geist des Christentums könnten den Blick auf eine Wirklichkeit öffnen helfen, die schrecklich, bedrohlich und gewaltsam ist, in der aber zugleich das Wunder, die Liebe, die Zärtlichkeit und die Hingabe zu entdecken sind. Kunstwerke sollen keine Handlungsanweisungen liefern, sondern den Blick öffnen für ein Geheimnis, das sich denen zu erkennen gibt, die bereit sind, in der Wirklichkeit das Entgegenkommen einer tiefen Liebe wahrzunehmen."
Dieser Kommentar stammt vom Jesuitenpriester Gustav Schörghöfer und steht im Katalog zur Ausstellung. Weitere positive Kommentare vom Dompfarrer Toni Faber oder der Kirchenzeitung der Diözese Linz können dort nachgelesen werden.

"Die Ausstellung erzählt von der Imaginationskraft religiösen Erlebens, ihre visuelle Entsprechung in der christlichen Bildtradition und deren Interpretation durch Künstler*innen der Gegenwart. Im Zentrum stehen Werke, deren Schöpfer*innen sich mit kritischem aber auch liebevollem, mit humorvollem, aber auch feministischem Blick der christlichen Ikonographie annähern und neue Sichtweisen auf über Jahrhunderte tradierte Bildmotive ermöglichen." (Auszug aus der Home-Page des Künstlerhauses).

Mich persönlich erinnert das Bild oben an Wölfe im Schafspelz, vor denen Jesus so eindringlich gewarnt hat. Offenbar fühlen sich einige von ihnen entlarvt. Das Gezeter aus Hass und Geifer, das sie jetzt gegen die Kuratoren und gegen die Künstler*innen loslassen, lässt jedenfalls darauf schließen. Auch ÖVP und FPÖ wettern dagegen. Aber dass dort Schafswölfe ihr Unwesen treiben, sollte nicht mehr überraschen. 

Für mich haben die Angriffe auf diese Ausstellung eindeutig einen Werbeeffekt. Ich werde sie mir auf jeden Fall ansehen.

„Hütet auch vor den falschen Propheten, die in Schafskleidern zu euch kommen, inwendig aber sind sie reißende Wölfe.“ (Mt 7,15)


30 November 2025

Entsiegelungen - weniger Verkehr - mehr Sicherheit - mehr Naturschutz

Es gibt Gemeinden, die mutig genug zur Entsiegelung sind. Allerdings nicht nur mutig, sondern auch vorausschauend genug, die Bürgerinnen und Bürger einzubinden. Geschehen in Tulln am Nibelungenplatz. Das Musterbeispiel einer Bevölkerungseinbindung von Beginn an. Der VCÖ hat das Projekt mit dem Mobilitätspreis ausgezeichnet.

Die Stadt Tulln beging die Einweihung des Platzes mit einem Eröffnungsfest.


Auch kleinere Gemeinden können Zeichen für Umweltbewusstsein setzen, die gleichzeitig die Lebensqualität und auch die Sicherheit erhöhen können.

Leithaprodersdorf im Burgenland veranstaltete gemeinsam mit der Volksschule einen Wettbewerb, bei dem ein Scooter gewonnen werden konnte.

Unsere Nachbargemeinde Wiener Neudorf hat etwas für die Sicherheit in der Umgebung von Schule, Hort und Kindergarten getan.

Die Volksschule St. Georgen im Burgenland hat das Projekt "Pedibus" eingereicht. Eine Möglichkeit, ohne Fahrzeug und trotzdem sicher in die Schule zu kommen. Die einreichende Institution war zwar nicht die Gemeinde, sondern die VS, aber eine kommunale Unterstützung war sicher vorhanden.

Das Mobilitätskonzept Gallneukirchen wurde 2024 mit dem Landespreis für Umwelt und Nachhaltigkeit und 2025 mit dem Climate Star ausgezeichnet.

Wer sich inspirieren lassen will, kann sich auf der Seite mobilitaetsprojekte.vcoe.at aus mehr als 3000 Beispielen etwas aussuchen. Es tut sich also was. Das ist auch notwendig, denn die Gemeinden sind umso mehr gefragt, etwas für die Menschen und deren Lebensqualität zu tun, wenn von Bund und Land wenig kommt.

17 November 2025

Eine wenig bekannte, aber wichtige Seite der Klimakonferenz

 
Chikondi Chabvuta ist in ihrer Heimat Malawi Anwältin für Klimagerechtigkeit und Frauenrechte

Sie war vor ihrer Reise zum Klimagipfel zu Gast in Wien und wurde von den Salzburger Nachrichten (SN) interviewt. Ihre Art von Erfahrung ist wenig bekannt, weil sie in den vielen Protesten und der laufenden Kritik an den COPs untergeht. Deshalb wird das Interview hier wiedergegeben.

Zum fünften Mal ist sie heuer bei einem UN-Klimagipfel dabei. Warum viele das Format für abgehoben und abstrakt halten, kann sie nicht nachvollziehen.

SN: Haben Sie das Gefühl, dass Sie auf der COP gehört werden?
Chikondi Chabvuta: Die Delegationen, insbesondere aus Ländern wie Malawi, verlassen sich auf NGOs. Wir haben die Daten und Belege, um ihre Länderposition zu untermauern. Sie basieren auf unserer Arbeit, die wir in den Gemeinden leisten, auf den Herausforderungen, denen sie gegenüberstehen, aber auch auf den Veränderungen, die die Gemeinden fordern. Organisationen wie Care erklären, was der Klimawandel ist und wie sich das Wetter so schnell von einem Extrem zum anderen verändert. Wir greifen auf die wissenschaftlichen Erkenntnisse zurück und versuchen, sie den Menschen in den Gemeinden so zu erklären, dass sie verstehen, womit sie in den nächsten Jahren rechnen müssen.

SN: Was passiert dann mit dieser Erkenntnis?
Die meisten Gemeinden, in denen wir arbeiten, leben von der Landwirtschaft. Sie verlassen sich vollständig darauf. Planung ist daher alles. Es ist wichtig zu wissen, was passieren wird. Unglücklicherweise weiß man durch den Klimawandel nicht mehr so genau, was passieren wird, abgesehen von den Phänomenen der nächsten zwei Wochen. Je weiter die Prognosen geografisch ins Detail gehen, desto einfacher wird es aber für die Gemeinden, sich gut vorzubereiten.

SN: Und Sie versuchen, das Verbindungsglied zwischen den Menschen, der Politik und der Wissenschaft zu sein?
Genau. Wir bedienen uns nicht nur der Wissenschaft, sondern auch der gelebten Erfahrung aus den Projekten und Programmen, die wir durchführen. Diese gelebten Erfahrungen bringen wir ein, sie wären sonst nicht sichtbar im politischen Diskurs. Wir arbeiten beispielsweise täglich mit Frauengruppen, wir arbeiten täglich mit jungen Menschen, wir arbeiten täglich mit den Strukturen der Gemeinden auf ihren Farmen. Was funktioniert bereits? Wo würde es Sinn ergeben, mehr Geld zu investieren? Die Geschichten aus dem täglichen Leben helfen, die Position eines Landes zu formen. Diese Positionen werden dann auf dem Klimagipfel unter den Ländern geteilt, in der Hoffnung, dass es dadurch einen Wandel gibt.

SN: Oft besteht der Eindruck, die Klimakonferenzen seien abgehoben. Es sind aber lebensechte Erfahrungen, die geteilt werden?
Ja, das ist genau, was passiert. In den Verhandlungen bekommen die Länder Zeit, ihre Positionen zu teilen. Sie teilen die gelebten Erfahrungen ihrer Bürgerinnen und Bürger.

SN: Welche Erfahrung teilt Malawi?
Die Regierung hatte ihre Partner, darunter auch Care, darum gebeten, bei der Entwicklung der Position für die COP zu helfen. Wir haben unsere Erfahrung eingebracht, die Sprache, in der sie geteilt werden sollte. Wir haben auch sichergestellt, dass die Positionen der Farmerinnen eingebracht werden. Was es heißt, als Frau Verluste und Schäden durch den Klimawandel zu erleben. Die Regierung braucht diese menschliche Perspektive. Wir wollen auch zeigen, dass Frauen widerstandsfähig sind. Sie stehen in der ersten Reihe, wenn die Folgen eintreten. Sie wissen, was funktioniert. Wenn wir mehr Geld in die Anpassung an den Klimawandel stecken, können wir diese funktionierenden Lösungen ausweiten – und nicht nur diskutieren. Finanzierung bringt sehr konkrete Maßnahmen.

SN: Gibt es Beispiele für gelungene Maßnahmen zur Anpassung?
Eine Menge. Ich gebe nur ein paar Beispiele: Da ist das Thema Agroforstwirtschaft. Kleinbauern pflanzen Bäume, die als Puffer bei extremen Wetterereignissen dienen. Sie schützen etwa die Ackerflächen vor Überflutungen. Ein zweites Beispiel wäre die Mischkultur. Wenn man einen Hektar Land hat, pflanzt man auf einer Seite Mais, auf einer anderen Seite Maniok und auf einer weiteren Seite Hirse. Eines davon wird überleben. Wir wissen, dass die Bevölkerung die Fähigkeit hat, sich anzupassen. Deshalb unterstützen wir die Menschen dabei zu erkennen, dass sie es tatsächlich selbst schaffen können. Wir helfen auch, die Unterstützung zu bekommen, um das auszuweiten. Wenn etwas nicht von der Regierung unterstützt wird, wenn kein Geld dafür bereitgestellt wird, neigen die Menschen dazu, es als weniger wichtig anzusehen. Aber es geht tatsächlich ums Überleben.




12 November 2025

Gute Nachricht: Trump bleibt der Klimakonferenz in Belem fern.

 

Stattdessen kommt Newsom. Der Gouverneur von Kalifornien ist einer der führenden Köpfe von hochrangigen US-Politikerinnen und Politikern, die sich zur US-Climate-Alliance zusammenschlossen. 

Seine Erklärung: 
„Die Vereinigten Staaten können bei diesem Thema so dumm sein, wie sie wollen, der Staat Kalifornien ist es nicht“. Wir werden uns reinhängen und wir werden den Wettbewerb auf diesen Märkten suchen“. Weiters sagte Newsom bezüglich auf Trumps Klimaleugnung, Trump könne in Sachen Dummheit immer noch einen draufsetzen.

Außer Newsom sind es noch Michelle Lujan Grisham aus New Mexico und Tony Evers aus Wisconsin sowie 35 Bürgermeister aus 26 Bundesstaaten, die die Gegenbewegung der USA vor Ort vertreten.

Und Christiana Figueres, eine der Architektinnen des Pariser Klimaschutzabkommens, nannte Trumps Abwesenheit "eigentlich eine gute Sache".

Ich wollte den Namen Trump in diesem Blog eigentlich nicht erwähnen, der wird sowieso schon rauf und runter gemeldet. Aber wenn er zu einer guten Nachricht führt, ist eine Ausnahme wohl gerechtfertigt.

(Infos aus der SN vom 13.11.2025)


28 Oktober 2025

Die bessere Hälfte

Eine Ministerin, die von Sonderanstalten phantasiert. Betonpolitiker:innen, die die Absicht, mittels Klimaschutzmaßnahmen eine halbwegs erträgliche Zukunft für die nächsten Generationen zu gewährleisten als Ideologie bezeichnen, ihr eigenes zerstörerisches Wirken aber für rational halten. Der Korruption für schuldig Gesprochene, die es als richtig ansehen, weiterhin ihr Unwesen in der Politik treiben zu dürfen. Eine kasperleske, düstere, narzisstisch-tyrannische Gestalt an der Spitze der immer noch mächtigsten Nation der Welt. Massenmörder, die in Gaza und Ukraine unermessliches Leid anrichten. Weltweit Kriminelle und Verrückte, die an die Macht drängen. Und - was die Demokratien betrifft - Menschen, die verblendet genug sind, sie zu wählen und sich damit fröhlich den Ast absägen, auf dem sie sitzen.
Und rechtsradikale, faschistoide politische Parteien, die ihre Energie aus alldem beziehen.
Ist in unserer Welt noch irgendetwas heil?

In dieser Situation erscheint es fast unmöglich, optimistisch zu sein.
Und doch ist es gerade heute dringend nötig. Allerdings muss Optimismus gelernt sein. Echte Optimisten machen sich über die Realitäten kundig und überlegen dann, was sie daraus innerhalb ihres Einflussbereichs machen können. Aber zurück zur Realität. Die wurde eingangs beschrieben. Ist sie das aber wirklich? Oder ist sie nur die halbe Wahrheit? Gibt es eine andere - bessere - Hälfte? Ja, gibt es. Die Stimmung hebt sich deutlich, wenn der Scheinwerfer auf die hellere Seite umschwenkt. Auf Menschen, Institutionen und Organisationen, die ungeachtet des Zurückbleibens der Politik und ungeachtet des giftigen Einflusses bestimmter Konzerne Leistungen für die Menschheit erbringen.

Da wäre zum Beispiel die Forschung.
Ein riesiges Gebiet mit einer Unzahl an hochinteressanten Zukunftsprojekten. Ich habe mir die TU-Graz herausgegriffen. Sie ist an einem internationalen Forschungsteam beteiligt, das daran arbeitet, lebende Mikroorganismen in Fassadenfarbe für Häuser zu integrieren. Das Projekt "Remedy" soll erreichen, dass in Hausfassaden Lebensgemeinschaften von Mikroorganismen wie Pilzen oder Algen CO2 speichern, Sauerstoff erzeugen und für eine ständige Remediation (biologische Entgiftung) sorgen. Zitat: "REMEDY wird eine neue Dimension bieten, die es für konventionelle Materialien bisher nicht gab - das Leben. Es wird die Art und Weise verändern, wie wir Materialien wahrnehmen, erleben, verstehen, gestalten, verwenden und umwandeln."

Eine weitere helle Seite unseres Lebens stellen oftmals Gerichte dar.
Immer wieder werden vor Gerichten erfolgreich Rechte und Pflichten seitens Politik und Wirtschaft gegenüber Mensch und Natur eingeklagt. Die NGO ClientEarth, die sich dem Thema Klimaklagen verschrieben hat und deren Newsletter ich erhalte, informierte mich über folgende Begebenheit: Ein Pariser Gericht hat Werbung von TotalEnergies für illegal befunden, da der Öl- und Gaskonzern sich in dieser Werbung als „entscheidender Akteur der Energiewende“ präsentiert und damit Verbraucher*innen in die Irre geführt hat. Das Gericht erklärte die Werbung für rechtswidrig, da sie den Eindruck erwecke, TotalEnergies trage zur Lösung der Klimakrise bei, obwohl das Unternehmen weiterhin fossile Brennstoffe bewirbt und verkauft. ClientEarth hat diesen Fall unterstützt, der 2022 von drei französischen NGOs – Amis de la Terre, Greenpeace France, Notre Affaire à Tous – angestoßen wurde.
Ich kann hier übrigens ein Buch von Roda Verheyen empfehlen. Es heißt "Wir alle haben ein Recht auf Zukunft". Roda Verheyen ist eine erfolgreiche Umweltjuristen. Aufgrund ihrer Klage sah sich Deutschland 2021 gezwungen, sein Klimaschutzgesetz zu verschärfen.

Dann hätten wir da noch die Unternehmen,
von denen viele längst der mutlosen, zurückgebliebenen Politik davongezogen sind. Eines davon, mir selbst bekannt, weil sein Produkt begeistert konsumiert: Österreis. In Österreich, Gerasdorf hergestellt, nicht trausende Kilometer weit transportiert, nicht mit Arsen belastet, kein klimaschädlicher Methanausstoß bei der Produktion, junge Landwirtinnen und Landwirte statt Konzerne, jede Bestellung frisch poliert, was man an der Qualität merkt.

Das Wirken von NGOs
ist ebenfalls aus unserem Leben nicht mehr wegzudenken. Aus aktuellem Anlass muss hier Memorial erwähnt werden, die ins Exil gedrängte russische Menschenrechtsorganisation. Der Mut und die Opferbereitschaft ihrer Mitglieder ist unglaublich groß und stellt die Würde des russischen Volkes teils wieder her.
Das positive Wirken von NGOs aus der Zivilgesellschaft heraus äußert sich in zahllosen weiteren NGOs, die all das abdecken, was die Politik verabsäumt und dort heilen, wo Gewissenlosigkeit und Ignoranz verletzen.

Selbstverständlich gibt es noch jede Menge zu schreiben zur besseren Hälfte unseres Lebens. Aber dieser Artikel wir zu lang. Ein anderes Mal mehr.

"Die Welt ist nicht heil, aber heilbar!" 
(Viktor Frankl).







13 September 2025

Wieder einmal über Agri-PV

Wir hatten schon einmal im Biedermannsdorfer Gemeinderat – damals war ich noch Umweltgemeinderat – eine Diskussion über die Widmung von Grünland-PV diskutiert. Zweck war, eine Möglichkeit zu schaffen, Agrarprodukte zu produzieren und gleichzeitig – am gleichen Grund – erneuerbare Energie zu gewinnen. Damals lehnte die ÖVP das ab. Mit ziemlich schwachen Argumenten. Man meinte, Ackerboden sei nicht dazu da, um versiegelt zu werden. Tatsächlich benötigt Agri-PV nur 2 Prozent der Fläche. Weiters befürchtete man, dass die Erträge sinken könnten. Die künftig zu erwartende Witterung aufgrund der Klimakrise lässt allerdings das Vorhandensein schützender PV-Paneele wünschenswert erscheinen. Um genau das – nämlich die Bedrohung der Ernährungssicherheit – zu verhindern oder zumindest zu lindern. Paneele, die sich mit der Sonne mitdrehen und somit genügend Licht, aber auch genügend Schatten spenden, werden in naher Zukunft nicht schaden, sondern helfen. Jetzt bereits die Voraussetzungen für einen späteren PV-Einsatz zu schaffen, wäre vorausschauend und verantwortungsbewusst, weil es eine Klimaanpassungsmaßnahme wäre. Mit der derzeitigen politischen Ausrichtung unserer Gemeinde ist das aber leider nicht durchzusetzen.

Die Welt dreht sich weiter…

…und nimmt keine Rücksicht auf Kleingeister. Es gibt bereits seit längerem internationale Agri-PV-Konferenzen. Die erste startete im Oktober 2020, die letzte im Juli 2025. Laufen wir Gefahr, komplett ins Abseits zu geraten, wie es beispielsweise bezüglich E-Mobilität den Anschein hat? Glücklicherweise nicht ganz. Es gibt Agri-PV-Anlagen in Bruck a.d. Leitha, in Pellendorf, beide in Niederösterreich und in Pischelsdorf und Mining, beide in Oberösterreich

Biodiversität - Landwirtschaft - Energie - win-win-win

Nicht nur landwirtschaftlich, sondern auch in Bezug auf Biodiversität tut sich etwas. Beispielsweise unterhält die Wienenergie auf einem 16,8 Hektar großen Areal ein PV-Sonnenfeld mit dem sie 8700 Haushalte mit Strom versorgt. Das Außergewöhnliche, oder wohl eher das Logische daran: Es tummeln sich dort auch 150 Juraschafe.

Auch hier wird ein Teil der Fläche dem Ackerbau gewidmet. 400 senkrecht stehende, beidseitig verbaute Paneele produzieren Strom bei gleichzeitiger landwirtschaftlicher Nutzung. 


Man sieht, die Entwicklung geht weiter. Ob sie schnell genug ist, wird von Kreativität, Tatkraft und Mut abhängen. Und davon, wie weit diese Eigenschaften unter uns Menschen verbreitet sind.


21 August 2025

Was wirklich zählt

 


Wie manche vielleicht wissen, hat die FPÖ die Regierung gefragt, welche NGO´s (Non-Government-Organisations) mit öffentlichen Geldern unterstützt werden. Die Frage lautet: "Wie viele Steuermillionen verschlingt das NGO-Business in Österreich?" Die Formulierung spricht für sich. Selbstverständlich will eine rechtsradikale Partei kein zivilgesellschaftliches Engagement. NGOs, unabhängige Justiz und unabhängige Presse sind die Stützen einer Demokratie und werden folgerichtig als erstes angegriffen, um den Weg zur Diktatur freizumachen. 

Ich formuliere die Frage mal so um, dass sie auch von zivilisierten und demokratiepolitisch interessierten Menschen akzeptiert werden kann: "Was tut die Regierung, um das für Demokratieerhalt, Umweltschutz und soziale Zusammenleben so wichtige zivilgesellschaftliche Engagement in Österreich zu unterstützen?"

Ich muss der FPÖ dankbar sein. Sie öffnete mir mit ihrer Anfrage im Parlament die Augen darüber, wie vielfältig die Zivilgesellschaft in Österreich ist. Das geht über die bekannten Organisationen wie Amnesty, Global2000 SOS-Mitmensch oder Transparency weit hinaus. Es wird alles abgedeckt, was wirklich zählt in unserem Land. Lernhilfe, psychologische Betreuung, Hilfe für schwerkranke Kinder, Rechtsbeistand für Flüchtlinge, Hilfestellung für Frauen in Not oder Kampf gegen Rassismus. All das bezeichnet die FPÖ als "NGO-Business". All jene, die sich für ein funktionierendes Zusammenleben in unserem Land einsetzen, werden als profitgeile Geschäftemacherinnen und Geschäftemacher hingestellt. In dieser Liste sind nicht nur die üblichen "Feinde" wie Amnesty-International, Global 2000 oder ZARA enthalten, sondern auch die St. Anna-Kinderkrebsforschung, der Sterntalerhof, das Hilfswerk oder die Aidshilfe. 

Nicht auszudenken, wenn es all diese Menschen nicht gäbe. Die "Steuermillionen" würden sich vervielfachen, müsste all das der Staat allein stemmen. Die Not würde groß sein, denn der Staat könnte sich diese Fürsorge wohl bei weitem nicht im gegenwärtigen Ausmaß leisten. 

Was wirklich zählt, soll abgeschafft werden, damit mehr Not entsteht, damit mehr gehetzt werden kann, damit mehr Frust entsteht, damit mehr Hass geschürt werden kann. 

Was wirklich zählt, wissen auch die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Wirtschaftsuniversität. Lesen Sie hier deren Stellungnahme dazu. 

Was wirklich zählt, steht böswilliger Agenda immer im Weg. 




11 August 2025

Die Welt in der wir leben

 

(Günter Bramböck)

„Ich will die Gedanken aus mir heraus exportieren, ich schicke sie aus dem schützenden Hafen auf das große wilde Meer“. Dieser Satz von Valie Export kam mir in den Sinn, als ich durch die Wirklichkeiten, Sehnsüchte und Fiktionen der Biedermannsdorfer Kunstausstellung spazierte.

Die Vielfalt an Kunstrichtungen die sich hier zeigten, beeindrucken, machen nachdenklich und bringen hin und wieder auch ein Lächeln mit sich. 

Kunst kann die Wirklichkeit in verschiedenen Gestalten darstellen, die alle wahr sind. Man verspürt Trauer über das, was der Mensch anrichtet.
(Reinhard Fuchs)

Man sieht aber auch die Schönheit, die es immer noch gibt und die wir schützen müssen. 
(Hans Müksch)

Auch die Schönheit des Menschen und die wunderbare Welt seiner Kreativität.
(Reinhard Fuchs)

(Martina Weickmann)

Ein für mich besonderes Merkmal dieser Ausstellung war, dass auch die Poesie, zusammengestellt von Gerda Trappl, zur Geltung kam. 
(Gerda Trappl)

Trotzdem
scheint die Sonne
ist der Frühling da
geben Gespräche Kraft,
spendet Freundlichkeit Wärme,
verbinden Spiele,
versinken wir in Tagträumen,
lebt Hoffnung,
erklingt Musik von den Balkonen,
führen Bücher in andere Welten,
hält Liebe zusammen,
stärken Beziehungen,
ist Phantasie grenzenlos,
ist Solidarität verpflichtend und
verbindet das Gebet
(Dominik Elmer).

Die Ausstellung darf die von Günter Bramböck eingangs fotografisch dargestellte "in sich ruhende Betrachtung" zu Recht in Anspruch nehmen. 

Auf Wiedersehen im nächsten Jahr, Reinhard Fuchs! Tja...das wird dir bleiben!

Bitte um Verzeihung, wenn nicht alle Werke hier vorkommen, es hätte den Rahmen dieses Beitrags gesprengt. 






10 August 2025

Ein Traum als Wahlversprechen


Ein Bildungscampus für Biedermannsdorf?
Bekanntlich wird die Immobilie gegenüber des Gemeindeamts (Rohrhof) zum Kauf angeboten. Die zweite große Gelegenheit für die Gemeinde nach der vergebenen Chance, das ehem. Kinderheim zu nutzen, Konzepte für ein Ortszentrum zu verwirklichen. Es bieten sich Lösungen für Bildung, Nahversorgung, aber auch lebenswertes und leistbares Wohnen an. Das Wort "Bildungscampus" geisterte und geistert durch die Diskussionen. Wenn ich mich richtig erinnere, hat unser Bürgermeister die Idee geboren (oder war es nur ein Traum?), dort Schule, Kindergarten und Erwachsenenbildung zu vereinen. In einigen Aussendungen der ÖVP und in deren Wahlprogramm wurde der Bildungscampus angekündigt und wohl auch an einem entsprechenden Projekt gearbeitet. Das erschien auch dringend notwendig, denn zumindest die heutige Volksschule platzt aus allen Nähten und eine Vergrößerung ist seit Jahren überfällig.

Nach Schwärmerei eine kühle Absage

Im Gemeindeinfoblatt 2/2025 allerdings gab es erstmal eine Absage. Die Kosten des als "sehr guten Deal" des Bürgermeisters bezeichneten Projektes erwiesen sich mit 21 Millionen Euro als unfinanzierbar. Ob alle Umnutzungsvarianten in Betracht gezogen wurden, ob nach Projektpartnern gesucht wurde, ob  spätere Gewinnmöglichkeiten in Form von Mieten und Mischnutzung geprüft wurden weiß ich nicht. 

Die Kinder als Leidetragende?

Und nun? Nun wird man sich mit dem Um- Aus- oder Neubau der bestehenden Volksschule am bestehenden Areal auseinandersetzen müssen. Mit dem Risiko, Grünraum und damit Lebensqualität für die Kinder zu verlieren. Von einem umfassenden Bildungscampus und einem Ortszentrum, das diese Bezeichnung verdient, kann dann mit ziemlicher Sicherheit nicht mehr gesprochen werden.

Ein Traum als Wahlversprechen? 
Hoffen wir, dass der angekündigte Architektenwettbewerb wenigstens für die Kinder eine bauchbare Lösung bringen wird.



07 August 2025

Stelle dein Licht nicht unter den Scheffel


Ein richtiger Bibelspruch, besonders, wenn er gute Nachrichten bewerben soll. Die verschieben Medien ja meist - wenn überhaupt - eher in die Rubrik "Nebenschauplätze". Greenpeace führt sie im Jahresbericht 2024 berechtigterweise an. Die über allen Berichten stehende gute Nachricht ist natürlich, dass es Umwelt-NGO´s wie Greenpeace überhaupt gibt. Angesichts des Versagens großer Teile der Politik in Bezug auf Umweltschutz und Menschenrechte brauchen wir finanzkräftige, personell gut aufgestellte Organisationen, um dieses Versagen wenigstens teilweise auszugleichen. 

Aufatmen am Amazonas

Im September 2024 erkannte das brasilianische Justizministerium das Gebiet Sawré Muybu am Tapajós-Fluss im Norden des Landes offiziell als Lebensraum der indigenen Gemeinschaft der Munduruku an. Nach mehr als 15 Jahren Greenpeace-Protest ist dies ein historischer Schritt für die Menschenrechte und den Schutz von 178.000 Hektar intaktem Regenwald. Die rechtliche Anerkennung des Gebietes ebnet den Weg für die offizielle Ausweisung als indigenes Schutzgebiet – ein entscheidender Hebel gegen industrielle Großprojekte.

Zum Vergleich: Das Klimabündnis Österreich hat maßgeblich dazu beigetragen, dass im Bereich des Rio Negro im Norden Brasiliens ein Gebiet von 135.000 km² dauerhaft unter Schutz gestellt wurde. Auch das Klimabündnis gehört zu den oben erwähnten wichtigen NGO´s. 

Etappensieg in Zentralafrika

 Im Oktober 2024 hat die Regierung der Demokratischen Republik Kongo die Ausschreibungen für 27 Öl- und drei Gasfelder gestrichen – teils waren diese mitten im arten reichen Regenwald des Kongobeckens geplant. Greenpeace hat bereits seit 2022 auf gravierende Unstimmigkeiten im Ausschreibungsverfahren und die Risiken für Artenvielfalt, Klima und lokale Gemeinschaften hingewiesen. Die Entscheidung ist ein großer Erfolg für Umwelt- und Klimagerechtigkeit auf dem afrikanischen Kontinent.

EU-Renaturierungsgesetz

für den Umweltschutz besonders wichtig ist das Renaturierungsgesetz. Konkret soll das Gesetz die Artenvielfalt auf Agrarflä chen verbessern, Bestäuber schützen, Städte begrünen, Flüsse durchlässiger machen, Moore wiedervernässen und naturnahe Wälder fördern. Das ist dringend nötig: In Österreich sind achtzig Prozent der geschützten Flächen in schlechtem Zustand, zahlreiche Tierarten sind bedroht. Und: Die Klima- und Artenkrise verschärfen sich gegenseitig – nur eine intakte Natur kann beide Krisen bewältigen.  Dieses Gesetz ist ein Meilen stein für Umwelt, Klima und eine lebenswerte Zukunft.

Weitere Themen des Berichts befassen sich mit EU- und lokalen Themen wie Waldschutz, dem Mülldeponie-Skandal in St. Pölten, Plastikmüll und vieles mehr. Es lohnt sich, ihn zu lesen, um eine Sichtweise abseits herkömmlicher Medien kennenzulernen.


02 August 2025

Franz-Josef Czernin: Nach einer Wahl

Franz-Josef Czernin

Dieser Text von Franz Josef Czernin ist hier kommentarlos veröffentlicht. 

Die Wahl ist vorbei, und die sogenannten Wahlverlierer haben den Medien und mit diesen uns, den Wählern und Wählerinnen, Rede und Antwort zu stehen.

Und sogleich wird den Parteiverantwortlichen (und manchmal ziemlich aufdringlich) nahegelegt, dass sie an ihrer Niederlage mitschuld sind; dass sie, wenn sie verloren haben, etwas falsch gemacht haben müssen: Denn wer von uns, Österreichern und Österreicherinnen, nicht gewählt wird, der verliert, und wer verliert, muss Unrecht und also versagt haben. Denn nur Erfolg gibt Recht, Niederlagen aber Unrecht. So und nicht anders will es die herrschende Logik einer – wie ich wenigstens hoffe und glaube – missverstandenen Demokratie.

Und es hat dann etwas beinahe Rührendes, wie die armen Verlierer sich auch noch bedanken, wie sie nach Erklärungen suchen und ihre Fehler, ja ihre angebliche Schuld, wie gewunden auch immer, eingestehen. Und wie sie schließlich zugeben, dass ihr Versagen auch darin liegt, nicht genug getan zu haben, um uns, wie es so schön heißt, dort abzuholen, wo wir sind.

Wo aber sind wir oder mindestens viele von uns tatsächlich?

Bedeutet jenes Eingeständnis nicht vor allem (man verzeihe mir meine Wortwahl), uns nicht tief genug in den Hintern, also dorthin gekrochen zu sein, wo vor allem unsere Ignoranz, unsere Bequemlichkeit oder unsere Ungeduld und unser Zorn herrschen?

Ihr, die Politiker und die Politikerinnen, scheint nicht zu verstehen, dass ihr dort, wo ihr uns (und zunächst oft auch gegen eure eigenen Überzeugungen) abholen wollt, dazu verurteilt seid, euch nach und nach in uns zu verwandeln, also in unsere Ignoranz, in unsere Bequemlichkeit, oder eben auch in unsere Ungeduld und in unseren Zorn. Und dass eben deshalb fundamentale Probleme nicht mehr ernsthaft angesprochen, geschweige denn gelöst werden können.

Einmal nur möchte ich einen sogenannten Wahlverlierer sagen hören: Leider bist du, Wähler, seid ihr Wählerinnen, unserer Politik nicht gerecht geworden, leider hast du und haben viele von euch sehr viel falsch gemacht; und wenn ihr schon von Verlierern sprecht, so seid ihr die wirklichen Verlierer: Weil ihr nicht bereit seid, auch unbequeme Wahrheiten zu akzeptieren, ihre Folgen zu bedenken und ihnen gemäß zu handeln. Weil ihr eure Emotionen leichtfertig für das Wahre oder Richtige hält, haben uns so wenige von euch gewählt, habt ihr also vor unserer Politik versagt. Gerade weil unser Programm vergleichsweise moralisch verantwortlich ist, weil es ernsthafte Maßnahmen, etwa für den Klimaschutz, vorsieht, weil wir die Wissenschaften und die Menschenrechte ernstnehmen, weil wir wissen und zu erklären versuchen, dass es in einer komplexen Welt keine einfachen Lösungen gibt, haben so wenige von euch uns gewählt. – Das ist, ob ihr das nun glaubt oder nicht, zu eurem, ja zu unser aller Schaden.

Ich weiß: Eine Antwort dieser Art auf eine Wahlniederlage ist Utopie, und ich weiß daher auch, dass jemand, der so antwortet, wahrscheinlich zu keiner Wahl mehr stehen wird. Dass dies aber so ist, zeigt das nicht ein fundamentales Dilemma in unserer Demokratie?


75 Jahre Genfer Flüchtlingskonvention

75 Jahre ist es her, als die Staaten beschlossen, den Kreislauf aus Gewalt und Hass zu durchbrechen. Die Genfer Flüchtlingskonvention ist ...