16 Juli 2023

Ins Nirwana - oder die Suche nach dem Paradies.





Neuerdings nehmen die Umweltschützer überhand. Mit Pathos und Sorgenfalten tragen sie ihre Bedenken vor, wenn es um die E-Mobiltät geht. Das viele Lithium, das für die Herstellung der Batterien benötigt wird, schädigt Mitmenschen in Bolivien, nimmt ihnen ihre Lebensgrundlagen, gräbt ihnen das Wasser ab, ja zerstört ihre Existenz.

Und erst die Windräder! Was macht man mit den Rotoren, wenn sie nicht mehr brauchbar sind? Das ist ja Müll! Und die Vögel, die dagegen fliegen! Also auch die Tierschützer erhalten plötzlich regen Zulauf.

Aber auch die Naturschützer erleben einen ungeahnten Aufschwung! Will man heute eine PV-Anlage auf einem Feld bauen, hebt sofort ein großes Geschrei an. Versiegelung! Erst die Dächer, wir müssen unsere Ernährungssicherheit aufrechterhalten. Auch der Ruf „Natur muss Natur bleiben“ ertönt.

Aber sind das wirklich Umweltschützer? Sind das wirklich Tierschützer? Vor allem der plötzliche Eifer ist erstaunlich. Nachdem sie jahrzehntelang zusahen, wie die Öl- und Kohlekonzerne, aber auch viele andere Industriezweige wie beispielsweise die Autoindustrie der Welt und der Menschheit irreparable Schäden zufügten, die heute unsere Zukunft gefährden. 

Ich werfe nicht alle in einen Topf und für die, die ernsthaft interessiert sind, möchte ich jetzt schreiben:

Alles, was der Mensch anfängt, hat Vor- und Nachteile. Das ist im Normalfall schon so. Jetzt aber, nach Jahrzehnten der Klimaleugnung, der Verdrängung, ja des Betruges und der Manipulation, derer sich vor allem die Ölwirtschaft schuldig gemacht hat, sind wir in einer Zwangssituation. Wir haben nicht mehr die Zeit, zu warten, bis die Forschung so weit ist, lithiumfreie Batterien zu erzeugen. Oder auf das märchenhafte Wasserstoffauto zu warten. Oder etwa darauf, dass in der Welt der große Frieden ausbricht und wir unsere Sonnenenergie aus den lieben nordafrikanischen Staaten beziehen können.

Auch das Warten darauf, bis endlich alle Dächer mit PV-Paneelen bedeckt sind, ist eine schöne Illusion. Nur, wenn große Flächen mit PV-Anlagen bebaut werden können (deren „Versiegelung“ übrigens nur 2 Prozent ausmachen) kann die Menge an Energie hergestellt werden, die wir brauchen.

Natur wird Natur bleiben und unsere Ernährungssicherheit wird nur dann gewährleistet sein, wenn die Klimakrise bewältigt wird. Also nur mit erneuerbarer Energie. Und zwar mit genügend erneuerbarer Energie.

Liebe ernsthaft Besorgte! Müssen unsere Handlungen einen Vergleich mit dem Paradies standhalten, werden wir tatenlos bleiben. Die Bibel sagt, wir wurden aus dem Paradies vertrieben. Ob das stimmt oder nicht. Suchen wir danach, landen wir im Nirwana.



28 Juni 2023

Repaircafé Biedermannsdorf

 


Sind wir eine Wegwerfgesellschaft? Werfen wir uns jetzt bald selber weg? 

“Reparieren zahlt sich nicht aus, kauf dir ein Neues”, ist ein viel gebrauchter Satz in unserem täglichen Leben. Wirklich? Nein, es gibt immer mehr Menschen, die da nicht mitmachen wollen. Die EU-Kommission hat einen viel diskutierten Vorschlag zum "Recht auf Reparatur" vorgelegt. Der scheint zwar noch nicht ausgegoren, aber immerhin. In Österreich sind wir schon weiter und haben bereits den Reparaturbonus (www.reparaturbonus.at), der hilft, die Instandsetzung unserer Geräte preisgünstiger zu gestalten.

Aber auch viele Kommunen haben sich entschlossen, Zeichen gegen Überkonsum und Verschwendung zu setzen. Sie tun das mit der Gründung von Repaircafés. Einige der Gemeinden rund um uns, wie Hennersdorf oder Mödling sind bereits Repair-Café-Gemeinden.

Ein Repaircafé ist nicht nur eine Reparaturwerkstatt, sondern eben auch ein Café, wo man sich trifft, Neuigkeiten austauscht, über den Urlaub erzählt und was es sonst noch so gibt. Und das alles ganz ohne Facebook und Twitter! Nebenbei oder auch hauptsächlich - das weiß man vorher nie so genau - werden auch mitgebrachte defekte Kaffeemaschinen, Staubsauger, Mixer und Co repariert oder zumindest ihr Zustand beurteilt, sollte die Reparatur zu kompliziert sein.

Die natürliche Heimat so eines Projekts ist - wie kann es anders sein - unser Perlashof. 

Wollen Sie mitwirken? Dann rufen Sie an oder schreiben Sie uns per E-Mail. Es sind keine Professionisten erforderlich, sondern lediglich kommunikative Menschen mit mehr oder auch weniger handwerklichem Geschick (wie auch der Verfasser 🌝). 

Im Herbst wird es ein erstes Treffen geben. Der Termin wird noch über eine Gemeindeaussendung bekannt gegeben. Bis dahin hoffen wir auf rege Zustimmung und viele Meldungen. Wir - das sind die Bildungsbeauftragte der Gemeinde, Ingrid Maierhofer und Umweltgemeinderat

Karl Wagner

Mobil: 0699 133 26 421

Mail: karlwagner306@gmail.com


13 Juni 2023

Lasst die Natur leben. Sie ist auch unser Leben.

Regen und Wärme haben dem Wachstum in der Natur einen kräftigen Schub verliehen. Alles - wirklich alles – wächst und wächst. In meinem Garten wächst es mir über den Kopf. Der Hasel, die Berberitzen, die Rosen, der Hartriegel, die Akelei, der Liguster am Zaun. Ich komm mit dem Schneiden und Mähen kaum nach. Gut, dass ich wilde Ecken im Garten habe, die wenig Arbeit verursachen. Das Kleingetier fühlt sich offenbar wohl dort. Der Igel, die Schlange im Biotop, der Frosch, die Kröte, die Molche. Ob sich die vertragen? Man wird sehen. Ich mische mich da erstmal nicht ein. Ach ja, die Wasserflöhe nicht zu vergessen. Ich glaube, die sind was Leckeres für Libellen. Die schauen auch hin und wieder vorbei.

Der Feigenbaum wächst auch wie irre. Schau ma mal, wie das Wetter verläuft in den nächsten Monaten. Es scheint, dass es sich für das Wohl der Feigenbäume entscheiden wird. Die Ernte wird reich sein.

Rund um die Insektenhotels summt es gehörig. Auch Bienen sind unterwegs. Sie stürzen sich auf die Rosen und auf anderes, das jetzt blüht. Mein kleiner Hügel hinter dem Haus schimmert bereits in Blau- und Rottönen. Die Rosen sind nicht gefüllt, so sind sie für die Bestäuberinsekten zugänglich. Die Goldruten und der Lavendel sind grad damit beschäftigt, aufzublühen.

Wenn ich meinen Garten betrachte, kann es sein, dass für mich die Sorgen um die Klimakrise und das Insektensterben in den Hintergrund treten und ich sie für eine kleine Weile vergessen kann. Auch, wenn ich vor das Haustor trete und das Grün in den Betonritzen der Gehstiege sehe. Wie gut, dass wir Natur-im-Garten-Gemeinde sind und auf Roundup verzichten. Langsam begreifen wir, was wichtig ist. Langsam beginnen wir, einen Löwenzahn, der sich zwischen zwei Pflastersteinen hindurchkämpft, als Helden zu sehen und nicht als Unkraut. Wie die Sonnenblume, die letztes Jahr aus meinem Zaunsockel herausstieg wie die Venus von Boticelli.

Leider gibt es diesbezüglich noch Nachzügler:innen. Manche begreifen noch immer nicht, dass unsere Böden schon lange gegen eine immer noch wachsende Übermacht an Gift ankämpfen. Dass die unverwüstlich scheinende Kraft des Bodens und der verzweifelte Überlebenskampf der Insekten erlahmen. Manche sehen eine kahle, graue Betonlandschaft noch immer lieber als das Gelb des Löwenzahns, das strahlende Weiß der Gänseblümchen oder einfach das frische Grün von Wiesengras. Haben sie in ihren Herzen das gleiche Grau? Die gleiche Eintönigkeit wie die, die sie gerne in ihrer Umgebung sehen? Ich weiß es nicht. Wir können nur hoffen, dass rechtzeitig vor Erreichen der Kipppunkte der Klimakrise und des Artensterbens der positive gesellschaftliche, soziale Kipppunkt kommt, an dem die Menschen das Ruder herumreißen, weil sie erkennen, dass alles, was uns in den letzten 40 Jahren vorausgesagt wurde, auf Punkt und Strich zutrifft. Hoffen wir, dass es dann nicht zu spät ist.

18 April 2023

Tier-Rassismus






Nach wie vor werden Tiere unter zum Teil erbarmungswürdigen Bedingungen kreuz und quer in Europa und darüber hinaus herumgekarrt. Teilweise verletzt, aneinandergepfercht, durstend, werden sie ihrer Schlachtung zugeführt, die oft eher einer Foltertortur als einem würdigen Sterben gleichkommt. Da nützen auch EU-Vorschriften nichts, welche die Qualen mindern sollen. Da nützt es auch nichts, wenn Österreich angeblich zu jenen EU-Ländern gehört, die diesbezüglich die strengsten Vorschriften haben. Die strengsten Vorschriften? Verglichen mit wen?

Es ist ein Paradoxon, dessen wir uns als Menschen schämen müssen, wenn Hunde-, Katzen, Sittich- oder Meerschweinchenliebhaber:innen ihr tägliches Fleisch genießen ohne den geringsten Gedanken daran zu verschwenden, welche Qual, welche Angst und wieviel Tod sie sich da schmecken lassen.

Der Hund – der Freund des Menschen. Ein Satz, der Bitterkeit hervorruft angesichts des himmelschreienden Unrechts, das wir anderen Tieren antun.

Das ist Tier-Rassismus.

Alle Bemühungen für das Tierwohl werden scheitern, solange der Fleischkonsum in der derzeitigen Form anhält. Denn niemand kann mit artgerechter Tierhaltung und würdigem Sterben der Tiere diese Gier nach Fleisch befriedigen.

Dieser Gier wird noch dazu die eigene Gesundheit inklusive Verschärfung der Klimakrise untergeordnet.


15 April 2023

Kipppunkte der positiven Art


Dieses Bild zeigt den Ausschnitt einer Präsentation der Klimawissenschaftlerin Helga Kromp-Kolb. Hier wird ein Kipppunkt erklärt. Wird er erreicht, kann die fortschreitende Erderhitzung bis zum Untergang der Menschheit durch keine noch so wirksamen Maßnahmen mehr aufgehalten werden. 
Taut beispielsweise der Permafrostboden infolge der Erderhitzung auf, werden große Mengen an Methangas freigesetzt. Das wiederum ist ein Treibhausgas, welches die Erderhitzung weiter beschleunigt, was noch mehr Permafrost zum Tauen bringt, usw. Dadurch schmilzt auch vermehrt arktisches Meereis. Der dann hervortretende Ozean absorbiert Wärme und beschleunigt nochmal die Erhitzung. Schaukeln sich diese verschiedenen Einflüsse gegenseitig auf, wird es zu einem sich selbst verstärkenden Vorgang, der nicht mehr gestoppt werden kann.

Es gibt aber auch Kipppunkte der positiven Art. Sie sind unsere Hoffnung.

Eine Videoaufnahme des Musikfestivals Sasquatch im Mai 2009. Es zeigt einen jungen Mann, der, nur mit einer kurzen Hose bekleidet, selbstversunken vor sich hin tanzt. Alle anderen sitzen oder liegen im Gras und schauen müde in die Landschaft. Es scheint sich gerade um eine ruhige Phase zu handeln. Nach einiger Zeit gesellt sich ein zweiter Mann hinzu, der noch unkonventioneller tanzt. Als schließlich noch ein Mann dazu kommt, wirkt das Ganze wie eine dieser Festivalszenen, bei denen man sich fragt, ob man auch schon so viel Sonne abbekommen hat wie die Leute dort. Doch dann passiert Erstaunliches. Innerhalb weniger Sekunden schließen sich den Tanzenden immer mehr Menschen an. Zuerst fünf, dann zehn, dann kann man sie nicht mehr zählen. Sie rennen, als könnten sie etwas verpassen, und gehen jubelnd in der Menge auf, die bald das ganze Kamerabild ausfüllt. Alle scheinen dabei sein zu wollen, bevor das Lied zu Ende ist. Wie magisch werden die Leute zu der Stelle gezogen, auf der nur kurz zuvor ein Mann vor sich hin tanzte. In weniger als einer Minute hat sich die Situation komplett gewandelt. Eben noch müder Haufen, plötzlich tanzende, springende, jubelnde Menge.

So beschreibt Maja Göpel, Politökonomin und Nachhaltigkeitswissenschaftlerin in ihrem Buch „Wir können auch anders – Aufbruch in die Welt von morgen“ einen Kipppunkt.

Im Jahr 1900 gab es in den Vereinigten Staaten von Amerika 8000 Fahrzeuge mit Benzin- oder Dieselantrieb, 20 Jahre später waren es schon mehr als acht Millionen (heute sind es fast 300 Millionen). Was das Beispiel zeigt: Bei der Einführung neuer Technologien geht es selten linear zu. 

Erst passiert sehr lange sehr wenig, dann ganz schnell ganz viel. Die Gesetze eines Lawinenabgangs.

Ein Kipppunkt, wie ihn „Die Zeit“ beschreibt.

Kann es sein, dass sich diese Geschichte gerade mit den E-Autos wiederholt? Deren Zahl hat sich weltweit in den vergangenen fünf Jahren mehr als verdreifacht. In China fährt mittlerweile jedes dritte Auto mit E-Anbtrieb. Möglicherweise hat auch hier ein Kipppunkt bereits begonnen.

Wie kam es dazu? Sicher nicht, indem man dem freien Markt das Handeln überließ. Hätte der Staat nicht mit Straßenbau und Subventionen aktiv und führend mitgemischt, wäre wohl manches anders gekommen. Genauso ist es heute mit der E-Mobilität. Förderungen, Begünstigungen und Werbung seitens des Staates sind auch hier starke Antriebe. Gut möglich, dass sie bald ähnliches bewirken wie damals bei den Verbrennern.

Kipppunkte könnte es auch im Ernährungsbereich geben. 

Vegane und Vegetarische Ernährung steigen an. Allerdings in einem Tempo, das mit freiem Auge nicht wahrnehmbar ist. Warum? Vielleicht deshalb, weil Maßnahmen fehlen. Fleisch kommt immer noch zu größten Teil aus Tierfabriken und sticht preislich jede Alternative aus artegerechter Tierhaltung locker aus. Die meisten Konsumenten lässt das kalt. 
Unerklärlich, dass so viele wie Hunde-, Katzen-, Sittich- Meerschweinchen- und Hasenhalter:innen so wenig Mitgefühl mit Kühen, Schweinen und Hühnern aufbringen.
 
Kann man eigentlich auch Tieren gegenüber von Rassismus sprechen? 

Aber zurück zum eigentlichen Thema, warum der Kipppunkt hier auf sich warten lässt. Im Unterschied zur E-Mobilität fehlen hier wirksame Maßnahmen, um die Alternativen konkurrenzfähiger zu machen. Solange frisches Biogemüse und regionale Fleischprodukte aus artgerechter Tierhaltung teuer und konventionelles Gemüse und Fleisch aus industrieller Tierhaltung billig sind, wird sich die Ernährungsweise vieler Menschen nicht ändern. Einige, weil ihre Geldbörse es nicht erlaubt, andere, weil sie ihr Geld lieber anderweitig ausgeben.

Bleiben noch die sozialen Kipppunkte. Umfragen ergeben regelmäßig, dass die weitaus meisten Menschen mit Klimaschutzmaßnahmen einverstanden sind. Etwas dafür tun, zum Beispiel weniger fliegen, weniger Autofahren, weniger Fleisch essen, wollen aber die wenigsten. Auch der Bau erneuerbarer Stromerzeugung wird fast immer von Bürgerinitiativen bekämpft, wenn er in ihrer Nähe stattfinden soll. Auch bei Wahlen werden keinesfalls jene Politiker:innen gewählt, die Klimaschutz zu ihrer Aufgabe gemacht haben. 

Das Bewusstsein, selbst etwas tun zu müssen, fehlt. Noch

Die Hoffnung besteht jedoch, dass die Aufklärungsarbeit vieler NGO´s, aber auch Teile von Regierungen (in Österreich ist es das Klimaministerium) Wirkung zeigen und einen Kipppunkt in der Gesellschaft herbeiführen.

Viel Zeit bleibt nicht mehr, denn die technologischen, sozialen und gesellschaftlichen Kipppunkte müssen noch vor den ökologischen stattfinden.

Denn: 
Ein Kipppunkt ist ein sich selbst verstärkender Mechanismus. Hat er begonnen, gibt es kein Zurück mehr. Wann in der Natur solche Kipppunkte erreicht werden oder ob ein Kippelement bereits erreicht ist, ist schwer zu sagen. Kann sein, dass wir bereits in einem solchen leben.


14 April 2023

Das Märchen von den e-fuels oder "Warten auf den Kipppunkt".



Sie sind die große Hoffnung jener Unentwegten, die an die ewige Herrschaft ihrer blechernen CO2- und Feinstaub-Spender über den öffentlichen Raum glauben: e-fuels. Die Grüne Alternative, wegen der die EU auf Initiative des deutschen FDP-Chefs Lindner und mit tatkräftiger Unterstützung anderer Tiefgläubiger das Verbot von Verbrennermotoren verschoben hat.

Was sind eigentlich e-fuels? Hier eine Erklärung des deutschen Fraunhofer-Instituts für System- und Innovationsforschung in Karlsruhe:

Hierbei wird der Strom erst in Wasserstoff und dann unter CO2- Zugabe in synthetische Produkte umgewandelt. Diese können direkt stofflich genutzt werden, z.B. in der chemischen Industrie, oder energetisch. Bei einer energetischen Nutzung werden sie auch als E-Fuels (=Elektrisch-gewonnene synthetische Brenn- und Kraftstoffe) bezeichnet.

Das ist also das Zaubermittel, mittels dem die Autoindustrie weiterhin ihre Verbrenner verkaufen will, von dem die Politik so schwärmt und wegen dem sie die Verkehrswende zur E-Mobilität verzögert.

Was sagt das Faunhofer-Institut weiter dazu? Lesen sie das Fazit dieser Studie:

Nach heutiger Studienlage sollte sich der Einsatz von Syntheseprodukten auf Basis von strombasiertem Wasserstoff in Deutschland auf bestimmten einzelnen Industriezweigen wie der chemischen Industrie sowie im internationalen Flug- und Schiffsverkehr fokussieren. Hier gibt es außer der Nutzung von Wasserstoff und Syntheseprodukten kaum Alternativen. Die nachgefragte Menge nach Syntheseprodukten wird dort zur Erreichung der klimapolitischen Ziele nach heutigem Kenntnisstand hoch sein. Hierfür müssen entsprechende Produktionskapazitäten sehr schnell hochgefahren werden, was eine enorme Herausforderung darstellt. Diese Syntheseprodukte werden deshalb im Vergleich zum Bedarf knapp und damit auch teuer sein. Somit ist deren Einsatz in anderen Bereichen wie bspw. dem Straßenverkehr, in denen E-Fuels auf Strombasis sehr ineffizient genutzt werden, eher kritisch zu reflektieren, weil
  • diese bis Ende der 2030er kaum in relevanten Mengen dafür verfügbar sind,
  • diese deutlich teurer als die heute schon existierenden Alternativen der direkten Stromnutzung sind und nach heutigem Kenntnisstand dies auch künftig sein werden, was E-Fuels für einkommensschwächere Schichten in Zukunft wenig attraktiv macht,
  • eine deutlich stärkere erneuerbare Stromproduktion allein für E-Fuels erfordern würde, was auch einen immensen Ausbau der dafür notwendigen Infrastruktur nach sich zieht,
  • diese zu beachtlichen ökologischen Herausforderungen führen und ihre Herstellung in Deutschland derzeit aus Klimaschutzaspekten keinen Sinn ergeben,
  • bei einer größeren staatlichen Förderung diese den Fokus auf einen Bereich lenken, in dem Klimaschutzmaßnahmen sehr teuer sind und somit Geld in anderen sinnvolleren Bereichen fehlt,
  • diese die Transformation der Automobilindustrie verzögern können und
  • bei Bürgerinnen und Bürger falsche Vorstellungen bzgl. der Mobilität der Zukunft wecken können, was aus Innovationsperspektive die Transformation des Verkehrssektors Richtung Klimaneutralität weiter verzögern kann.
Auf e-fuels für den Straßenverkehr zu warten heißt also, „warten auf Godot“…Oder anders ausgedrückt: Warten auf die Verkehrswende bis zum Kipppunkt. Aber das sagen ja nur die, die wissen wovon sie reden.

Ach ja, noch einer, der weiß, wovon er spricht: Holger Heinfellner vom Umweltbundesamt. Er hält fest, dass der Wirkungsgrad von e-fuels 14 % beträgt. Zum Unterschied zur E-Mobilität. Sie weist 81 % auf. (SN 14.4.2023)

11 April 2023

Greenwashing - alle wollen Grün sein!


Wie schön wäre es, könnten wir unbeschwert shoppen, weil es ja die Labels gibt, die uns genau sagen, was gut für die Umwelt ist oder was klimaneutral hergestellt wurde.
 
Umfragen zeigen ein wachsendes Umweltbewusstsein beim Einkaufen.
So einfach ist es leider nicht. Das VKI hat eine Gallup-Umfrage zitiert, wonach das Umweltbewusstsein der Konsumenten beim Einkauf ständig steigt. 25 % der Konsument:innen achten beim Einkauf stark auf Nachhaltigkeit, während eine Studie des Handelsverbandes ergab, dass 27 % der Unternehmen Nachhaltigkeit bereits vollkommen in ihre Strategie integriert haben.
Jedoch 88 % der Unternehmen sehen ein Engagement im Nachhaltigkeitsbereich als geschäftlich profitabel an. Diese Tatsache stellt eine Versuchung dar, sich schnell mal ein grünes Mäntelchen anzuziehen.

Rodungen verhindern - eine beliebte, weil einfache Methode der "Kompensation".
Man sucht sich zum Beispiel einen Wald, gewinnt den Besitzer als Partner, bezahlt ihn gut und behauptet, man habe die Rodung des Waldes verhindert. Schon ist man „klimaneutral“ und darf bei der Produktion seiner Waren so viel Emissionen ausstoßen, wie sie der besagte Wald speichert. Dass der Waldbesitzer nie im Leben daran dachte, seine Bäume zu fällen, muss ja niemand wissen. Natürlich gibt es auch seriöse Kompensationen, beispielsweise wenn in Afrika Brunnen errichtet werden oder tatsächlich Aufforstung betrieben wird. Aber wer beurteilt die das und wie soll das alles kontrolliert werden?
Die Handtuch-Masche.
„Handtücher am Boden – wir wechseln sie aus. Handtücher am Hacken – wir lassen sie hängen. Für unsere Umwelt!“
Wer hat diesen Spruch in Hotels noch nie gesehen? Gut und schön, aber wenn das alles ist, handelt es sich allenfalls um Kosteneinsparung. Um so ein Hotel als umweltfreundlich einzustufen, müsste man schon mehr wissen. Zum Beispiel, welche Reinigungsmittel verwendet werden. Oder wie es der makellose Rasen im Hotelpark schafft, keinen einzigen Löwenzahn zuzulassen, etc.

Wo kann man Labels auf ihre Qualität prüfen?
Für uns Konsumenten heißt das, es gibt beim Shopping keine heile Welt. Wollen wir nachhaltig einkaufen, müssen wir kritisch sein. Es gibt einige Institutionen, die uns dabei helfen, indem sie die Spreu vom Weizen trennen.
www.vki.at/greenwashing liefert Erklärungen, wie man Greenwashing erkennen und wo man Greenwashing-Verdacht melden kann. 
www.bewusstkaufen.at (BMK)
www.greenpeace.at/ratgeber/guetezeichen-ergebnisse/

Besonders steiles Greenwashing.
Einige besonders steile Informationen des VKI bezüglich Greenwashing möchte ich Ihnen nicht vorenthalten:
Amazon
Das Label „Amazon Climate Pledge Friendly“, auf dem ein kleiner grüner graphischer Engel abgebildet ist, betrifft die Verpackung, weil z.B. eine Shampooflasche ein gutes Volumen-Gewichtsverhältnis aufweist. Inhaltsstoffe sind völlig irrelevant.
Die Firma Energie Direct 
verkauft „klimaneutrales Heizöl“!? Sie bewirbt das mit dem Pflanzen von Bäumen. Die Menge an Bäumen wird es nie geben, die im Stande ist, den Schaden wettzumachen, den fossile Brennstoffe anrichten.

Zum Abschluss noch zwei positive Beispiele des VKI:
Bellaflora
Deren Nachhaltigkeitsbericht kommuniziert Erfolge, aber auch nicht erreichte, gesetzte Ziele inklusive Begründungen. Maßnahmen werden im gesamten Kerngeschäft gesetzt, also keine Ablenkungsmaßnahmen wie der Amazon-Label von vorhin. Bellaflora hat klare Ziele und Maßnahmen gesetzt, um zu einem nachhaltigen Unternehmen zu werden und ist im Branchenvergleich sehr ambitioniert.
Die Österreichische Post.
Der Nachhaltigkeitsbericht kommuniziert Erfolge und setzt klare Ziele wie zum Beispiel die größte E-Flotte Österreichs. Es wird viel Forschung und Entwicklungsarbeit betrieben. Auch hier wird im gesamten Kerngeschäft angesetzt. Beispielsweise gibt es in Graz nur mehr E-Fahrzeuge, Innsbruck und Salzburg folgen heuer.

Eine Zeit der Klimakrise, des Artenschwunds, der Plastikverschmutzung und der Endlichkeit von Ressourcen verlangt eine Anpassung unseres Einkaufsverhaltens. Soviel ich weiß, wird es in ein bis zwei Jahren (hoffentlich) EU-weite Gesetze geben, die Greenwashing eindämmen sollen. Ganz verschwinden wird es wohl erst, wenn wir in einer nachhaltigen Welt leben. Wir führen sie eher herbei, wenn wir jene Politiker:innen wählen, die sich nachweislich dafür einsetzen. Auch und vor allem in der EU.


Meine alte Liebe

Utrecht, meine Lieblingsstadt der Vielfalt. Vor vielen Jahren arbeitete ich dort mit einer Softwarefirma zusammen als Mitglied eines Entwick...