14 März 2022

Politik des Herzens


Im schlechtesten Fall könnte es sein, dass künftig alle Missstände der Welt erhalten bleiben. Schädigung der Umwelt, Missachtung der Menschenrechte, Ausbeutung, Krankheit, Hunger, Krieg. Nur die Gründe werden andere sein. Nicht mehr Erdöl und Kohle, sondern seltene Erden und andere Rohstoffe, die für die Digitalisierung und die Energiewende notwendig sind, werden der Anlass sein. Ob wir da froh sein werden, die Klimakrise zum Stillstand gebracht zu haben?

Hoffen wir, dass das eintritt, was Scientists4Future gegen Ende dieses Artikels vorschlägt. Rücksicht auf die, denen wir verdanken, jene Ressourcen zur Verfügung zu haben, die eine Energiewende benötigt. Den Arbeiter-innen vor Ort. Diese Rücksicht ist aber nur dann möglich, wenn wir diese Ressourcen so sparsam wie möglich verwenden. Das heißt Energie sparen, aber auch unseren gesamten Lebensstil, unsere Weltanschauung, unsere Wertschätzungen, radikal ändern. Wollen wir das? Wenn ja, dann geht es um mehr als nur rechtzeitig das Licht abzudrehen und mehr mit der Bahn zu fahren. Klar, das auch. Aber:
  • Sind wir Teil der Schöpfung?
  • Wirken wir mit unserer Lebensweise an der Schöpfung mit oder zerstören wir sie und damit uns?
  • Ist unsere Weltsicht vom Menschen als höchstes Wesen, das tun und lassen kann, was es will, noch passend? War sie es je?
  • Ist die Wirklichkeit wirklich die, die wir wahrnehmen, oder nehmen wir die Wirklichkeit wahr, die wir sehen wollen?
  • Sollen wir uns fragen, ob uns die Sucht, trotz allen Wohlstands immer noch mehr zu wollen, nicht ins Unglück führt?
  • Ist unser Lebensplanet Erde ein Selbstbedienungsladen?
  • Glauben wir tatsächlich, dass Wettbewerb uns zufriedener macht als faire Zusammenarbeit und Kooperation?
  • Waren wir vor fünfzig Jahren etwa unglücklich und sind wir heute glücklicher, weil wir fünfzig Jahre lang auf Wachstum gesetzt haben und "fleißig" waren?
  • Sollten wir nicht eine Konsumpause einlegen, damit wir den Kopf frei kriegen für derlei Fragen?
„Die schönste Definition von Schöpfung, die ich kenne, ist jene der Lakota-Sioux, die, wenn sie beten, sich an alle unsere Verwandten richten. Alle unsere Verwandten, das ist die Schöpfung, das sind unsere Familienbande zu allem: zur Erde, zu den Wäldern, zur Luft, zum Wind, zum Regen, zu unserem Körper, dem Essen, unserer 15-Milliarden-Jahre-Geschichte, Zeit und Raum, den Sternen, den Planeten und natürlich den Menschen in unserem Leben und jenen, die noch kommen.“

Sind uns diese Worte des Theologen und Philosophen Dr. Matthew Fox suspekt? Oder wärmen sie uns die Herzen? Trifft Letzteres zu, sind wir am richtigen Weg. Trifft Ersteres zu, wird es Zeit, aufzubrechen und die Richtung zu ändern. Zu spät ist es nie. Denn:

 "Die dunkelste Stunde liegt vor Tagesanbruch". 
(aus: "Der lange Weg zur Freiheit" von Nelson Mandela)


 

27 Februar 2022

Ihr wollt keine zusätzlichen Erneuerbaren?




Ihr wollt keine zusätzlichen Windräder, weil ihr eine Dezimierung des Vogel- und Insektenbestands befürchtet?
Ihr wollt keine zusätzlichen Biomasseanlagen mehr, weil ihr fürchtet, die Wälder werden verheizt?
Ihr wollt keine zusätzlichen Wasserkraftwerke mehr, weil ihr um den Artenschutz fürchtet?
Ihr wollt keine zusätzlichen PV-Anlagen auf Freiflächen mehr, weil ihr fürchtet, dass Ackerland verloren geht? (Dieser Satz steht allerdings nur für die besonders Verbohrten.)

Gute Idee! Hier der Weg dahin:
  • Ab sofort keine PKWs mehr, egal, welcher Antrieb.
  • Ab sofort keine LKWs mehr.
  • Ab sofort kein Fleisch mehr. Egal, ob das Tier artgerecht gehalten war oder nicht.
  • Ab sofort keinen Urlaubsflüge mehr.
  • Ab sofort keine Kreuzfahrten mehr.
  • Ab sofort alle Häuser wärmedämmen.
  • Ab sofort keine freistehenden Einfamilienhäuser mehr.
  • Ab sofort keine Industrieversiegelungen mehr.
  • Ab sofort keine Klimaanlagen mehr.
  • Ab sofort heizen nur mehr in dem einen Raum, wo der Ofen steht.
  • Ab sofort keine Monokulturen und Bodendegradation mehr.
  • Ab sofort keine Waldrodungen mehr.
  • Ab sofort keine Sauna mehr.
  • Ab sofort keine Skilifte mehr.
  • Ab sofort keine motorisierten Rasenmäher und ähnliche Gartengeräte mehr, egal welcher Antrieb.
  • Ab sofort kein Einweg-Plastik-Leergut mehr.
  • Ab sofort kein Militär mehr. Nirgends auf der Welt.
Das geht nicht? Tja. Dann viel Erfolg beim Ausbau der erneuerbaren Energie.

19 Februar 2022

Für die, die es besonders brauchen.

 

„Sauber Heizen für alle“ ist der Leitspruch für diese neue, im Jänner 2022 angelaufene Privatförderung, speziell für einkommensschwache Haushalte, wo bis zu 100 Prozent Förderquote möglich ist.
Genauso wichtig wie diese Förderung an sich ist aber das Wissen um sie. Es muss gelingen, zu denen vorzudringen, für die sie gemacht wurde. Natürlich sind die Kommunen hier gefordert, aber auch alle, die Kenntnis der Einkommenssituation von Freunden und Bekannten haben und ihnen hilfreiche Hinweise und Tipps geben können.

Hier der Link zum Informationsblatt. Infoblatt_Sauber_Heizen.pdf (umweltfoerderung.at)


Verpflichtende Energieberatung, weil gewährleistet sein muss, dass das ideale Heizsystem gefördert wird. Dann kommt die Förderzusage, erst dann darf der Auftrag gegeben werden. Die Planung darf und muss natürlich vorher stattfinden.


Für jedes Heizsystem gib es eine Höchstgrenze an Kosten, die ersetzt werden.
Bis zu diesen Obergrenzen bekommen die schwächsten zwei Einkommensgruppen (netto 1.454 bei Einpersonenhaushalt) 100 Prozent.

Beispiele: Ein Fernwärmeanschluss kostet 20.000 €. Davon würden den zwei einkommensschwächsten Gruppen 19.750 € ersetzt. Der Selbstkostenanteil würde also 250 € betragen.
Beim Einkommensdezil 3, das entspricht einem Einpersonenhaushalt mit 1.694 €, würde der Betrag um ein Viertel gesenkt sein. Das heißt, drei Viertel des als Obergrenze festgesetzten Betrages würden ersetzt.
Was einkommensschwache Haushalte genau sind, erklärt das Energieinstitut Vorarlberg.

Eine Hürde könnte sein, dass manche nicht über das Equipment oder über das notwendige Know How verfügen. Wie kann ich belegen, einkommensschwach zu sein? Ohne der Online-Registrierung werden die weiteren Schritte NICHT ausgelöst. Es muss sichergestellt werden, dass diese Nachrichten an die richtigen Adressen gelangen.

Nächster Schritt ist zwingend die Energieberatung Tel.: 02742 / 22144.

Warum ist das gerade jetzt wichtig?

Umweltförderungen werden nur für Bereiche gegeben, die nicht geregelt sind. Wenn zum Beispiel in Wien neue Betriebe zwingend eine PV-Anlage installieren müssen, gibt es dafür keine Förderung. Auch im gegenständlichen Fall des Heizungswechsels sind Förderungen nur so lange aufrecht, bis Öl- und Gasheizungen vollkommen verboten sind.

Es kann also sein, dass man in drei oder vier Jahren gar keine Förderung mehr bekommt. 


22 Januar 2022

20 Jahre Klimabündnis Biedermannsdorf


Rio Negro

Vor 20 Jahren trat Biedermannsdorf dem Klimabündnis Österreich bei.

Mit 135.000 km² Regenwald ist das Gebiet am Rio Negro in Amazonien 1,6 mal so groß wie Österreich.

Der Regenwald ist für indigene Völker seit Jahrtausenden der Lebensmittelpunkt. Sie zeigen uns, was es bedeutet, mit der Natur im Einklang zu leben. Ihre Lebensgrundlage gerät durch wirtschaftliche Interessen und die Klimakrise immer stärker unter Druck. Wir kennen alle die Berichte über die dramatischen Ereignisse in der grünen Lunge der Erde und die Gefahr, in der sich jene Indigenen befinden, die diesen sensiblen und für uns alle so wichtigen Teil der Welt mit ihrer Lebensart erhalten. Das Klimabündnis verbindet zwei Welten. Gemeinden in Österreich und indigene Völker am Rio Negro in Brasilien. Gemeinsam mit dem Klimabündnis Österreich wurde die FOIRN, der Dachverband der indigenen Organisationen am Rio Negro zu einer der stärksten Vertretungen indigener Völker in Amazonien. Mit Hilfe österreichischer Gemeinden ist es gelungen, eines der größten zusammenhängenden Regenwaldschutzgebiete der Welt zu schaffen. Nachhaltige Tourismusprojekte, ein von indigenen Frauen geführtes Kunsthandwerkszentrum oder der Aufbau einer Kommunikationsinfrastruktur mit solarbetriebenen Funkgeräten zeugen von dem positiven Einfluss aus Österreich. Biedermannsdorf ist Teil dieser Organisation und kann stolz darauf sein.

Das Klimabündnis hat außerdem Anteil daran, dass die Wertschätzung fair gehandelter Produkte, sowie die Kenntnis über globale Zusammenhänge gestiegen ist.

Frühere Jahre - umweltbewusste Maßnahmen in Biedermannsdorf.
Aber schon bevor sich Biedermannsdorf der globalen Welt in Sachen Klimaschutz zuwandte, geschah einiges in unserer unmittelbaren Umgebung. Mit der Pflanzung von Windschutzgürteln zum Schutz der Felder gegen Erosion wurde schon damals etwas für den Artenschutz getan. Windschutzgürtel dienen nicht nur Wild, sondern auch Kleintieren als Rückzugsgebiet. Außerdem gedeiht die Vielfalt an Pflanzen und auch Insekten besonders gut in den Übergängen. Auch Vögel, die es heute aufgrund sinkender Insektenpopulationen schwer genug haben, sind dankbar dafür. Dankbar auch für die Anlage von Biotopen, die eine besondere Bereicherung für den Artenschutz darstellen.


Biotope wie dieses neben der verkehrsberuhigten Schönbrunner Allee, wo übrigens 1999 die Neupflanzung der Kastanien erfolgte.

Vorzeigegemeinde Biedermannsdorf
Zur Pflanzung von Bäumen und Windschutzgürtel und zur Anlage von Biotopen gehört aber auch der sorgfältige Umgang mit dem, was allgemein als Abfälle bezeichnet wird. Ein fast immer unpassender Ausdruck, denn unsere sogenannten Abfälle sind sehr oft Wertstoffe, die in die Kreislaufwirtschaft rückgeführt werden müssen. Auch dieses Thema ist heute wichtiger denn je. Recycling ist ein unverzichtbares Mittel geworden, den für unseren Planeten und damit natürlich auch für uns ruinösen Ressourcen-Raubbau zu stoppen.


Unser Bauhof, wie er sich heute darstellt. Ein moderner Betrieb, der den Anforderungen unserer Zeit gerecht wird. 
Biedermannsdorf war mit der Errichtung der Altstoffsammelzentrale  Vorzeigegemeinde.

Beitritt zum Klimabündnis
All das lässt den Beitritt zum Klimabündnis als eine logische Folge erscheinen. Logisch auch deshalb, weil die Klimakrise im Lauf der Jahre immer deutlicher in das Bewusstsein der Menschen gerückt ist. Unterschiedlich zu Wirtschaft und Politik hat sich das Klima nicht erst in den letzten hundert Jahren globalisiert. Achthundert Euro jährlich. Mit diesem Mitgliedsbeitrag, dessen Höhe sich nach der Einwohnerzahl einer Gemeinde richtet, ist Biedermannsdorf nun seit zwanzig Jahren dabei. Inzwischen ist es aber mit der Entrichtung eines Mitgliedsbeitrags nicht mehr getan. Es ist notwendig geworden, die Botschaft des Klimabündnisses mit Herz und Hirn zu verbreiten.

Sie lautet: Wir sind alle gefordert. Was bisher geschah, ist wichtig, aber vergangen. Wir haben nicht das Recht, uns auf Lorbeeren auszuruhen. Das Thema Klimaschutz wird niemals abgeschlossen sein. Unsere Anstrengungen müssen bis in unsere Lebensart, bis in unsere Haushalte reichen. Das zu vermitteln, soll auch weiterhin unsere Aufgabe sein. 

Sehen Sie hier einige Impressionen bewusstseinsbildender Veranstaltungen der vergangenen Jahre.

2015
Kinder statt Autos auf der Straße. Wir alle genießen es immer, wenn bei Straßenfesten Stille herrscht, nur unterbrochen von Musik und die Menschen mitten auf der Straße flanieren und sich treffen können. Der motorisierte Individualverkehr ist einer der größten CO2-Emittenten in Österreich.

Die Künstlerinnen und Künstler (ausgenommen die letzte Reihe).

In der Jubiläumshalle war eine Woche lang die Ausstellung "Klimagerechtigkeit" zu sehen. Eine hochinformative Information in Bild und Text über die Klimaproblematik in aller Welt.

2017

Klimameilen sammeln. Jeder Weg zur Schule zu Fuß oder per Rad ist eine Klimameile und damit ein Gewinn für´s Klima.

Eine ganz besondere Art, für das Radfahren zu werben. Verrückte Räder vom Radlsalon Mowetz beim Mobilitätstag.

E-Carsharing in Biedermannsdorf

2018

Die Gewinnerinnen und Gewinner der Radverlosung beim Mobilitätstag. 

Ein Radclown trieb sich auch herum…

2018

Eine Delegation der indigenen Umweltorganisation FOIR tourte durch Österreich, um auf ihren Kampf für einen intakten Regenwald und damit für eine intakte Umwelt auch bei uns aufmerksam zu machen. Auch Biedermannsdorf durfte sie willkommen heißen.

2019

Fridays for Future in Biedermannsdorf. 


Bei der Vorbereitung

2020

Die Themen werden ernster und konkreter. Die Auswirkungen der Klimakrise spüren und sehen wir bereits vor unserer Haustüre. Verheerende Stürme, Hitzewellen und Missernten sind keine Seltenheit mehr. Jedes Jahr erfahren wir von neuen Schädlingen, die die Klimaveränderung zu uns bringt und das Sterben der Fichtenwälder setzt sich fort. Dem müssen auch die Gemeinden Rechnung tragen. Ist das, was wir bisher getan haben, genug?


Biedermannsdorf wird zu e-5-Gemeinde. e-5 ist ein europäisches Projekt, das es den Gemeinden erleichtern und sie dazu motivieren soll, ihre Energieeffizienz zu steigern.

2021

 

Großes Interesse der Bevölkerung zum Thema „raus aus Öl und Gas“. Ein Vortrag der Energieagentur Niederösterreich.


Die Gemeinde Biedermannsdorf organisierte zwei Workshops mit Schülerinnen und Schülern der HLW, sowie Erwachsenen aus Biedermannsdorf. Durchgeführt wurden die Workshops von der NGO Südwind. Es ging um Klimagerechtigkeit und verschiedener Sichtweisen auf die Welt. Das ernsthafte Interesse der Schülerinnen und Schüler, wie auch der begleitenden Lehrerinnen, sowie die ausgezeichneten Referenten und Referentinnen von Südwind waren ein echter Gewinn.


Trauer, Mut und Optimismus.
Man sieht viele lachende Gesichter auf diesen Bildern. Aber vielleicht fällt auf, dass die Art der Veranstaltungen mit den Jahren ernsthafter geworden ist. Wie auch die Situation unserer Erde immer ernster wird. Das Artensterben wird bereits als das sechste große erdgeschichtliche Massensterben bezeichnet. Bis zur heutigen Vielfalt hat es Jahrmillionen gebraucht. Die Erholung vom großen Sterben wird ebenfalls Jahrmillionen benötigen.

Der Unterschied zu allen vorangegangenen Katastrophen: Wir Menschen haben sie herbeigeführt. Warum das Artensterben hier erwähnt wird? Weil es mit der Klimakrise zusammenhängt. Wird die Klimakrise zum Stillstand gebracht, kann auch das Artensterben beendet werden.

Aber die Trauer um das, was inzwischen unwiederbringlich verloren ist, muss zugelassen werden. Zugleich aber darf der Optimismus und der Mut nicht fehlen, unseren Beitrag zu leisten, um das zu retten, was wir noch haben. 

Dazu gehört unser eigenes Handeln ebenso wie das Handeln der Regierung, der Länder und der Gemeinden.













09 Januar 2022

Klimabilanz von strombasierten Antrieben und Kraftstoffen

 

Nach Reduzierung des Individualverkehrs zu Gunsten eines komfortabler, dichter vernetzten und preisgünstiger werdenden Öffentlichen Verkehrs ist die E-Mobilität das derzeit für den Pkw-Antrieb einzig brauchbare Mittel, um die CO2-Emissionen drastisch zu reduzieren. In Anbetracht sich hartnäckig haltender Gerüchte, wonach eigentlich Wasserstoff der Zukunftsretter ist und die Batterie immer wieder als der „Gott sei bei uns“ des Verkehrs denunziert wird, erscheint die Studie des Instituts für Umwelt und Energieforschung in Heidelberg gerade rechtzeitig. Mir ist schon klar, dass „Denk-Pest“ Infizierte, für die es weit und breit nur noch Lüge und Verschwörung gibt, auch in diesem Bereich wahrheitsresistent bleiben werden, aber die sind ja auch nicht mein Zielpublikum.

Vorweg muss festgestellt werden, dass die Wasserstoffforschung noch bei weitem nicht den Stand der E-Mobilität erreicht hat. Gut möglich, dass Wasserstoffmobilität in Jahrzehnten einen anderen Stellenwert haben wird, aber so viel Zeit steht nicht mehr zur Verfügung. Wir brauchen die Verkehrswende jetzt. Die Rede, man solle doch auf neue Antriebsmethoden warten, kann nur als gefährliche Drohung interpretiert werden. Was nicht heißt, dass die Forschung bezüglich Wasserstoff und anderen Antriebsgebieten intensiv fortgesetzt werden soll und muss.

Ein wichtiger Punkt bei den Forschungsarbeiten des Instituts war auch die Energiebereitstellung. Gelegentlich werden batterieelektrische Fahrzeuge auf Basis des jeweiligen Strommix verglichen mit Brennstoffzellen-betriebenen Fahrzeugen, bei denen die Energieträger ausschließlich aus EE-Strom bestehen. Solche hinkenden Vergleiche tragen (absichtlich?) zu Verwirrung bei.

Um die beiden wichtigsten Ergebnisse gleich einmal kurz und bündig darzustellen:

In der Klimabilanz eines Brennstoffzellenfahrzeugs liegen die Treibhausgasemissionen zwischen 56 und 75 Prozent über denen eines Batteriefahrzeugs.

In der Klimabilanz eines Fahrzeugs mit Verbrennungsmotor, das mit strombasierten Flüssigkraftstoffen aus deutschem Strommix betrieben wird, sind die Treibhausgasemissionen rund drei Mal so hoch wie die eines Batteriefahrzeugs.

Die Produktion von Wasserstoff oder synthetischen Kraftstoffen kann nur sinnvoll sein, wenn diese vollständig klimaneutral hergestellt werden. Dies erfordert allerdings einen enormen Bedarf an zusätzlichen EE-Kapazitäten. Woher die kommen sollen? Keine Ahnung. Vielleicht aus der Atomenergie? Keine schöne neue Welt!

Wobei selbstverständlich auch Batterie-Antriebe so grün sind, wie die dafür vorgesehene Energie.

Übrigens: SUV bleibt SUV. Größer, schwerer, schneller sind auch hier negative Eigenschaften, die viel Fortschritt wieder zunichtemachen. Das stellt - zu Recht - der VCÖ fest.

Abgesehen davon geht die Energiewende über den PKW-Verkehr weit hinaus. In Industrie, Flug- und Schiffsverkehr beispielsweise sind Antriebsformen wie Wasserstoff sehr wohl gefragt und wohl auch notwendig. Nur gilt auch dort die Regel, nur mit EE (erneuerbarer Energie) als Grundlage ist das sinnvoll. Und zwar mit viel, sehr viel Erneuerbarer Energie. Energie, die nicht verfügbar sein wird, wenn wir weiterhin so sorglos wie derzeit damit umgehen. Und noch dazu immer wieder die Errichtung von Wind-, PV- oder Biomasseanlagen verhindern.

 

 

02 Januar 2022

Global 2000 entlarvt österreichische Energieversorger als Klimatrickser


Eine Untersuchung von Global 2000 weist die österreichischen Energieversorger als Meister des Greenwashings aus. Ihre Masche ist, Erdgas als klimafreundlich anzupreisen. Sie subventionieren neue Gasheizungen, bieten Gasmix mit nur ein paar Prozent Biogas als klimafreundlich an und behaupten, ohne Erdgas sei die Energiewende gar nicht zu schaffen.

Beispielsweise zahlen Energie AG, Energie Burgenland, Energie Graz, EVN und TIWAG für den Umstieg auf eine Gasheizung zwischen 400 und 1.000 Euro. Wobei sie alle im öffentlichen Eigentum stehen, die TIWAG sogar zu 100 Prozent.

Die EVN zum Beispiel bewirbt ihren „ökologischen Gastarif“ mit lächerlichen fünf Prozent Biogas-Anteil, was eindeutig als Greenwashing zu bezeichnen ist. So werden die längst nötigen und wichtigen Bestrebungen der Bundesregierung konterkariert. Und die Landesregierungen schauen dem Treiben zu.

Ein weiteres Negativbeispiel ist die OMV. Auf der Website und in einer Gas-Infobroschüre der OMV wird fossiles Erdgas als „sauberer“, „umweltschonender“ bzw. „umweltfreundlicher“ Energieträger bezeichnet, bei dessen Verbrennung „hauptsächlich Wasserdampf und in sehr geringen Mengen Kohlendioxid (CO2)“ entsteht. Ein diesbezüglicher Vergleich wird vor allem mit der Kohle gezogen, also dem fossilen Energieträger, der nicht im Produkt-Portfolio der OMV aufscheint.

Dazu muss man wissen, dass 24,9 Prozentanteile der OMV dem Emirat Abu Dhabi gehören. Weiters hält die OMV 65 Prozent an der Erdgas-Handelsplattform „Central European Gas Hub, eine Drehscheibe für russisches Gas in Mitteleuropa und tätigt Investition in das Projekt „Nord Stream 2“.

Fairerweise muss bemerkt werden, dass die Wien Energie als einzige Ausnahme die Klimaschädlichkeit von Erdgas zugibt und an einem Ausstiegsszenario für ganz Wien arbeitet. So sollen Solarwärme, Geothermie oder Wärmepumpen in Zukunft Wärme, bzw. Kühle spenden. Das ist auch für die Kund-innen billiger als die Umstellung auf erneuerbares Gas.

Zu erneuerbarem Gas ist zu lesen: „Erneuerbares Gas aus landwirtschaftlichen Abfällen ist ein knappes Gut und kann den derzeit hohen Erdgasverbrauch nicht ersetzen. Die knappen Potenziale sollten deshalb für Spezialanwendungen, wie z.B. die Eisen- und Stahlproduktion, reserviert werden. Die Initiative „Zukunft Grünes Gas“ nimmt diese Fakten jedoch nicht zur Kenntnis und trägt somit zu einem falschen Bild in der Öffentlichkeit bei.“

Erdgas, das überwiegend aus Methan (CH4) aus fossilen Quellen besteht, verursacht bei der Verbrennung CO2-Emissionen von rund 200 g CO2 / kWh. Zum Vergleich verursacht Heizöl etwa 266 g CO2 / kWh. Wechselt man von Heizöl zu Erdgas, bleiben somit noch etwa 75 % der klimaschädlichen Emissionen bestehen, und das auf lange Zeit.

Mehr darüber gibt es zu lesen im Greenwashing Report.

08 Dezember 2021

Welche Welt wartet auf sie?



Dieses Plakat kann man manchmal in den Biedermannsdorfer Schaukästen der Grünen sehen. Es gefällt mir sehr gut, weil es bunt und optimistisch rüberkommt. Die lachenden Kinder vermitteln Unbeschwertheit. Einen Teil davon werden sie im Laufe ihres Lebens verlieren, die einen mehr, die anderen weniger. Es gibt viele Gründe dafür. Einer davon, den ihre Vorfahren nicht hatten, ist die Klimakrise. Bezüglich ihrer Zukunft werde ich oft sehr nachdenklich. Seit dem Wiederaufbau nach dem Zweiten Weltkrieg ist es erstmals nicht mehr sicher, ob es den Kindern besser gehen wird als den Eltern.

Was werden sie in 20, 30 Jahren von uns denken, was werden unsere Enkel in 40, 50 Jahren von uns denken, wenn der letzte Sturm ihnen wieder einmal die Dächer von den Häusern gerissen hat, oder Überflutungen ihnen ihr Hab und Gut genommen haben und trotzdem Wassermangel besteht. Was werden sie sagen, wenn sie an die märchenhaften Zeiten zurückdenken, in denen die Energie unerschöpflich, das Wasser reichlich und frisch war, und die Supermarktregale wohl gefüllt waren mit Spezialitäten aus aller Welt. Was werden sie sagen über die, die das alles aufs Spiel gesetzt und verloren haben?

Wie werden sie über uns denken, wenn sie lesen und hören, wir hätten Angst gehabt um unsere Versorgungssicherheit und waren dumm genug, weiterhin Ackerland für Einkaufstempel Industrie zu opfern, aber Sonnenstrom auf Freiflächen abzulehnen.

Oder wir hätten Angst um unsere Wälder gehabt und waren dumm genug, sie trotzdem für den internationalen Handel zu missbrauchen und Naturschutzgebiete dem Straßenbau unterzuordnen, aber den Bau von Biomasse-Anlagen zu verhindern.

Oder wir hätten Angst um unsere Vögel gehabt und waren dumm genug, ihnen durch Abholzung und Pestizidverwendung ihre Nahrung und ihren Lebensraum zu nehmen, wollten aber keine Windräder.

Was werden sie sagen in ihrer Zeit, wo die letzten Wälder verschwinden werden, wo Missernte auf Missernte folgt, wo die Gletscher ihnen längst den letzten Tropfen Wasser geschenkt haben werden und der Frühling längst verstummt sein wird.

Für Jene, die jetzt denken, ich erzähle Schauergeschichten oder schüre Angst, sei Helga Kromp-Kolb, die bekannte Klimawissenschaftlerin, Autorin und unermüdliche Kämpferin für den Klimaschutz zitiert. Sie sagt uns, was passiert, wenn wir die Klimaziele nicht erreichen:

“Sie werden in der Hitze hungern, von der Sonne versengt, in einer kollabierten Wirtschaft, und vor steigendem Meeresspiegel und Kriegen fliehen oder versuchen vor Klimaflüchtlingen zu beschützen, was Ihnen noch geblieben ist, ohne Aussicht auf Verbesserung, im Gegenteil.
Und sie werden sich fragen: Warum hat uns niemand gewarnt?
Oder, wenn Sie ehrlicher sind: Was haben wir uns nur dabei gedacht, als wir die Warnungen missachtet haben?”

Wir befinden uns an der wohl wichtigsten Wegscheide der Menschheitsgeschichte. Welchen Weg wollen wir gehen? Viel Zeit zur Entscheidungsfindung bleibt uns nicht mehr.

75 Jahre Genfer Flüchtlingskonvention

75 Jahre ist es her, als die Staaten beschlossen, den Kreislauf aus Gewalt und Hass zu durchbrechen. Die Genfer Flüchtlingskonvention ist ...