19 März 2023

Das Märchen vom Biotreibstoff


Viel ist die Rede davon, dass Umweltschützer Verzicht predigen. Auch den Grünen wird oft vorgeworfen, Verbote und Verzicht zu verlangen. Dabei brauchen wir ja auf gar nichts zu verzichten. Sagt Nehammer, für den Klimaschutz neuerdings ein Untergangsirrsinn ist. Eines vergisst er: würde sich die Umweltpolitik an der Einstellung dieses Herrn orientieren, kämen wir mit 100-Prozentiger Sicherheit genau dahin, wovor er warnt.

Ein schönes Beispiel ist die Biokraftstoff-Legende, wonach wir ja nur den Tankinhalt wechseln müssen und schon ist die Verkehrswelt in Ordnung. Das Deutsche Institut für Energie und Umweltforschung hat in einer Studie verschiedene Auswirkungen auf Boden und CO2-Einsparung untersucht und stellte Biokraftstoff aus Anbaumasse ein vernichtendes Urteil aus.

Zitat aus dem entsprechenden Artikel aus „Die Zeit“: „Die Einsparung an Treibhausgasemissionen durch den Einsatz von Anbau-Biokraftstoffen anstelle von fossilen Kraftstoffen betrug in 2020 nach amtlichen Angaben 9,2 Mio. t CO2-Äq. Würde man auf diese Einsparung verzichten und stattdessen auf den für Biokraftstoffe belegten Flächen natürliche Vegetation aufwachsen lassen, wäre dadurch eine mittlere jährliche Kohlenstoffbindung von über 16 Mio. t CO2 möglich. Diese CO2-Opportunitätskosten der Biokraftstoffproduktion liegen deutlich höher als die Emissionsminderung durch den Ersatz von fossilen Kraftstoffen. Und nicht nur das: der Anbau der für Biokraftstoffe benötigten Pflanzen bindet Fläche, die bei einer Renaturierung auch für Solarstrom für Elektroantriebe zur Verfügung stünde – und eine weitaus größere CO2-Einsparung mit sich brächte.

Der ernüchternde Schluss der ifeu-Studie (ifeu gGmbH: Institut für Energie- und Umweltforschung ): Die Belegung riesiger Flächen weltweit zur Produktion von Anbau-Biokraftstoff für deutsche Autos ist eine gigantische Verschwendung der extrem wertvollen und limitierten Ressource Landfläche.“

Von dieser wären übrigens nur etwa 3 Prozent der Fläche für Biotreibstoff nötig, würde man statt der Pflanzen die Sonne nutzen. Auch das ist in der besagten Studie nachzulesen.


Die Studie steht hier zum Download bereit.

Übrigens bin ich seit kurzem Besitzer eines Klimatickets. Einsteigen, wo man will und fahren, so weit man will ist ein extrem angenehmes Reisen, finde ich. Zugegebenermaßen rentiert sich das österreichweite Jahresklimaticket erst bei einer intensivierten Inanspruchnahme des öffentlichen Verkehrs so richtig. Für mich bedeutet das allerdings – nachdem ich den Preis nun mal bezahlt habe – einen zusätzlichen Anreiz, beispielsweise mit dem Bus nach Mödling zu fahren. Oder mit dem ICE nach St. Pölten. So wie vor einigen Tagen zum dortigen Landhausplatz. Seit ich Bahn und Bus nutze, steht mir mehr Zeit zur Verfügung, längst fällige Beiträge zu schreiben oder Mails zu lesen und zu beantworten. Ganz anders, als ich es erwartet hatte, bedeutet die Öffie-Nutzung einen Zeitgewinn!

Wahrscheinlich werden jetzt wieder einige den Autoverzicht betrauern. Ihnen sei geraten: öffnet euch Neuem, dazu gehört auch, ein Auto – wenn man es schon braucht - zu teilen, statt es 90 Prozent der Zeit nutzlos herumstehen zu lassen. Und freut euch auf eine andere Zukunft. Es stimmt, eine neue, andere Mobilität erfordert neue, andere Lebenseinstellungen. Diese können aber auch – Überraschung – zu mehr Zufriedenheit und Gesundheit führen. Und dadurch zu mehr Frieden. Und womöglich ist damit sogar ein gewisser Wohlstand gesichert. Womit nicht Konsumsucht gemeint ist. Man muss den Pfad nur weiterverfolgen.

10 Februar 2023

Argumente gegen Klimaleugner - die armen Kleinen

Die Verzweiflung unter den Klimaleugnern ist groß, denn sie machen sich zunehmend lächerlich mit der Leugnung der Klimakrise. Jetzt suchen sie nach Argumenten, warum sie selbst nichts tun müssen. Da sagen sie halt einfach - wenn sie Österreicher sind: "Was sollen wir schon ändern, unser Anteil am weltweiten Treibhausgasausstoß beträgt ja nur 0,2 Prozent. Sollen doch die Chinesen etwas tun. Oder die Inder. Oder die USA" 

Da muss man schon sehr verzweifelt sein, wenn einem nichts besseres einfällt. Denn diese Aussage meint schlicht und einfach, das Klima solle sich gefälligst an Staatsgrenzen halten. 

Das unschuldige, kleine Österreich kann ja nichts dafür, nicht wahr? 

Unser Bundespräsident nannte so eine Haltung "Schwarzfahrermentalität". Die Straßenbahn kommt eh, wozu soll ich zahlen.

Einige Bemerkungen meinerseits dazu: Die USA, China und Indien sind für etwa die Hälfte der Emissionen verantwortlich. Daher sind für die andere Hälfte alle anderen, also auch Österreich verantwortlich. Es ist nun mal so, dass es außer Österreich noch weitere 167 kleine Staaten gibt, die selbstverständlich nicht aus der Verantwortung entlassen werden können. Die eine Hälfte kann nicht ohne der anderen. 

Ein noch eindeutigeres Bild ergibt sich bei der Betrachtung pro Kopf. Da ist eine Person in Österreich für drei bis vier Mal mehr Treibhausgase verantwortlich wie zum Beispiel ein Inder. Also zum Inder zu sagen, er müsse im Gegensatz zu mir gefälligst seine sowieso ärmliche Lebensweise ändern, weil es so viele Inder gibt, ist schon sehr - na sagen wir mal - gewagt.

Denken wir die Schwarzfahrermentalität doch weiter: Es gibt doch sicher sehr wenige Kutscher in der Welt oder? Die haben sicher unter 0.002 Prozent Anteil an der Klimakrise. Oder die Mormonen. Das sind auch sehr wenige. Oder die Tibeter, die Tartaren, die Schwaben. Oder wie wär´s mit den Rauchfangkehrern? Die Pfeifenraucher sind sicher auch nicht sehr viele. 

Tja - irgendwann haben wir die Weltbevölkerung zusammen. Alle tragen eigentlich nichts bei. 

Argumente gegen Klimaleugner

Es gibt immer noch einige Unentwegte, die sich nicht genieren, mit ihren Halbwahrheiten hausieren zu gehen. Entweder sie wollen uns absichtlich in die Irre führen, oder sie glauben das, was sie sagen, weil sie ihrer Bubble nachplappern. In beiden Fällen sind sie hier nicht die Zielgruppe.

Vielmehr sollen diese Argumente jenen helfen, die sich ernsthaft mit dem Thema Klimakrise auseinandersetzen, mit offenen Augen und Ohren durch die Welt gehen und die Zeichen längst gesehen haben.

Da gibt es nun die häufig hingeworfene Bemerkung, die Nutzung fossiler Brennstoffe ist vernachlässigbar, weil sie nur 3 Prozent des natürlich entstehenden CO2 beträgt. Das ist ein typisches Klimaleugner-Argument. Es ist im Kern richtig, aber nicht in der Aussage, es sei vernachlässigbar.

Auszug aus der Publikation „Wissenschaftlicher Leitfaden zur Klimaskepsis“:

„Die Argumentation funktioniert folgendermaßen: Jedes Jahr blasen wir über 20 Milliarden Tonnen CO in die Atmosphäre. Natürliche Emissionen stammen von Pflanzen und den Ozeanen, die CO abgeben. Die natürlichen Emissionen summieren sich auf 776 Milliarden Tonnen pro Jahr. Ohne ein vollständiges Verständnis für den Kohlenstoffkreislauf, erscheinen unsere Emissionen im Verhältnis zu den natürlichen Beiträgen winzig.

Das fehlende Teil des Puzzles ist, dass die Natur nicht nur CO abgibt - sie nimmt CO auch auf. Pflanzen atmen CO2 ein und riesige Mengen von CO werden in den Ozeanen gelöst. Die Natur nimmt jedes Jahr 788 Milliarden Tonnen auf. Diese natürliche Absorption hält sich mit den natürlichen Emissionen ziemlich genau die Waage. Wir erzeugen also durch unsere zusätzlichen Emissionen insgesamt ein Ungleichgewicht. Auch wenn ein gewisser Teil unseres CO2 durch die Ozeane und Landpflanzen aufgenommen wird, verbleibt doch ungefähr die Hälfte unserer CO -Emissionen in der Atmosphäre.

Durch die Verbrennung von fossilen Brennstoffen ist der Gehalt von CO in der Atmosphäre auf seinem höchsten Stand seit mindestens 2 Millionen Jahren. Und der Gehalt steigt immer noch weiter an! Das Argument "menschliches CO ist unbedeutend" führt in die Irre, in dem es einem nur das halbe Bild zeigt.“

Ich füge hinzu, dass diese Publikation aus Dezember 2010 stammt. Seither haben die menschengemachten Emissionen zu, und die Aufnahmefähigkeit der Natur abgenommen. Alle Angaben in dieser Publikation zum Zustand des Planeten, sind unter diesem Aspekt zu sehen.

Bei Interesse: https://drive.google.com/file/d/160xluabVWxNljLQZ7NuKcfzXB38BkI7W/view?usp=share_link


25 Januar 2023

Aussagen im NVP-Wahlkampf - BITTE VORSICHT


Mikl-Leitners Aussagen im Wahlkampf sind mit Vorsicht zu genießen. Hier einige Zitate aus diesem Link: Mikl-Leitner will keine neuen Windräder und verdreht dafür die Fakten:
  • Auch die Aussage, wonach NÖ die einzige Region in Europa sei, die es schafft, 100 Prozent des Strombedarfs aus erneuerbarer Energie zu produzieren, stimmt so nicht.
  • Niederösterreich war im Gegensatz zu allen anderen Bundesländern (mit Ausnahme der Steiermark) mit Stand 2018 noch nicht frei von Kohle: Das Kraftwerk in Dürnrohr wurde erst im Jahr 2019 abgeschaltet.
  • Ein Blick auf die Bundesländerdaten der Statistik Austria zeigt: Im Jahr 2020 erfolgte die Stromerzeugung noch zu 12 Prozent aus fossilen Quellen (davon sieben Prozent Erdgas, fünf Prozent Öl).
  • Auch andere österreichische Bundesländer schneiden ähnlich ab wie Niederösterreich, mitunter sogar viel besser. So konnten 2018 auch das Burgenland, Kärnten, Salzburg und Tirol ihren gesamten Stromverbrauch mittels erneuerbarer Energie produzieren. Und so sogar mehr als 100 Prozent erzeugen (siehe Grafik) – egal, welche Berechnungsmethode herangezogen wird. Niederösterreich ist somit nicht einmal die einzige Region Österreichs, auf die Mikl-Leitners Behauptung zutrifft.
Und schon gar nicht stimmen diese Aussagen, bezieht man sie auf Europa. Was Mikl-Leitner unter einer Region versteht, verrät sie nicht. 

Was sie unter "Wahrheit" versteht, wäre auch interessant.

21 Januar 2023

Wie sehr sind wir auf Schiene in Richtung Klimaneutralität und was hat das mit Biedermannsdorf zu tun?

Kürzlich wurde in einer Gemeinderatssitzung beschlossen, ein Gebiet von 11.000 m² von Grünland zu Betriebsland umzuwidmen. Zweifelsohne wird es von der Landesregierung keinerlei Einsprüche geben. Die Gemeindeführung hat praktisch die Oberhoheit über die Flächenwidmung in ihrem Gemeindegebiet. Das ist vielleicht etwas vereinfacht ausgedrückt, aber grundsätzlich kann man von dieser Sachlage ausgehen. Ausnahmen sind die Zonierung für Wind- und Sonnenenergie, die vom Land Niederösterreich vorgenommen wird.

Was ist der Grund für diese Umwidmung? Die angrenzenden Firmen benötigen mehr Platz. Es handelt sich um Kommunalsteuer zahlende, gesunde Unternehmen, die sich schon sehr lange an unserem Standort befinden und die man nicht verärgern oder gar verlieren will. Also hat der Gemeinderat mehrheitlich dafür gestimmt. Damit wird mit allergrößter Wahrscheinlichkeit dieses Gebiet über kurz oder lang komplett versiegelt werden.

Der nächste Versiegelungsfall, der unlängst den Gemeinderat beschäftig hat, ist der Wunsch der im Osten angrenzenden Gemeinde Achau, ihren Ortskern mit einer Umfahrung vom Verkehr zu entlasten, wobei diese Umfahrung eine weitere Versiegelung von 10.000 m² derzeitigen Grünlands bedeuten würde. Biedermannsdorf tritt dagegen auf, weil der Straßenverlauf Lärm und Luftverschmutzung in unseren Ort bringen würde. Nicht etwa, weil es sich um eine klimaschädliche Maßnahme handeln würde.

Viele ähnliche Entscheidungen werden täglich in Gemeinden getroffen. Einspruch gibt es kaum. Gründe für Versiegelungen gibt es immer. 

Und nun lesen Sie bitte diese Aussage des Experten für Klimaschutz an der Universität für Bodenkultur in Wien, Reinhard Steurer: "Die Klimakonferenz COP27 in Ägypten ist in Bezug auf Emissionssenkungen komplett gescheitert. Die COP28 in den Vereinigten Arabischen Emiraten dieses Jahr wird vom Ex-Chef einer Ölfirma geleitet. Das drückt ziemlich gut den Wahnsinn aus, in dem wir uns bewegen."

Sicher gibt es auch positive Ergebnisse in Österreich wie das Klimaticket oder die CO2-Bepreisung. Alles in allem aber hängt viel oder gar das meiste nach wie vor an den Gemeinden. In den Gemeinden und in den Bundesländern findet die Energiewende statt. Wenn sie stattfindet. Das sollten wir bedenken, wenn wir weltweite oder österreichweite Klimanachrichten hören oder lesen. 

Weitere Informationen finden Sie hier: Wie sehr wir auf Schiene Richtung Klimaziele sind (futurezone.at)

16 Januar 2023

Die Wahrheit ist eine Tochter der Perspektive



Hätten manche wohl nicht gedacht, dass ein Zitat des VP-Politikers Andreas Kohl - wenn auch abgewandelt - seinen Weg in diesen Blog finden würde. Er wird mir sicher Recht geben, denn er gehört zu einer Partei, die es sehr gut versteht, die jeweils für sie günstigste Sichtweise herauszufinden. Mit einer rasch wechselnden Perspektive ist man weit besser dran, als wenn man ständig auf die Zeit Rücksicht nehmen muss. "Situationselastisch" den Standpunkt wechseln. Das ist auch so eine VP-Masche.

Niederösterreich ist Österreichischer Versiegelungsvizemeister. Meister ist das Burgenland. Richtig? Natürlich. Niederösterreich belegt mit 409 m² pro Einwohner/in den zweitschlechtesten Platz gleich hinter dem Burgenland, das sich mit 510 m² versiegelter Fläche pro Person für den Spitzenplatz schämen darf. Sparmeister im Bodenverbrauch sind die Wiener mit nur 58m² pro Person.

Warum nur behauptet die VPNÖ das Gegenteil? Nämlich, dass sie am zweitBESTEN ist? Ganz einfach: Sie wechselt die Perspektive. In Niederösterreich und Burgenland ist der Dauersiedlungsraum am größten von allen Bundesländern. In bergigen Ländern, sowie in der Großstadt Wien ist er naturgemäß am kleinsten. Vergleicht man nun die versiegelte Fläche mit dem Dauersiedlungsraum, ist der Prozentsatz deutlich niedriger als beispielsweise in Wien oder in Tirol. Ein fairer Vergleich? Das nicht, aber er schönt die Versiegelungsbilanz der VPNÖ. Wer wird denn da so ungeschickt sein und den Bodenverbrauch pro Person ansehen?

Genaueres hier: https://www.profil.at/faktiv/nein-oevp-niederoesterreich-hat-nicht-den-geringsten-bodenverbrauch/402065644

Bei der Gelegenheit: Beim Klima gibt es denselben Vergleich. Was wird nicht gejammert, wie gering doch die Menge an Emissionen sind, die Österreich im Vergleich zu China oder Indien ausstößt? Klar - vergleicht man die absoluten Zahlen, stimmt das auch. Aber nimmt man den Emissionsausstoß pro Person her, wird schnell klar, dass wir in Österreich zu den absoluten Weltmeistern im Emissionsspiel gehören.

In Österreich ist eine Person durchschnittlich für drei- bis fünfmal so viel Treibhausgas-Emissionen verantwortlich als beispielsweise eine Person in Indien. Insofern ist es ziemlich unfair, von den Indern zu verlangen, ihre Emissionen zu reduzieren, wir selbst aber diese Absicht keinesfalls haben. Staatsgrenzen haben damit gar nichts zu tun.

Solche Zahlenspiele sind es, die über Jahrzehnte Klimaschutzmaßnahmen verhindert haben. Ein Erfolg der Klimaleugnerfraktion, die solche Scheinargumente erfolgreich in Umlauf bringt und brachte.

Das Klima kennt keine Staatsgrenzen und wenn wir heute sagen, dass China, die USA und Indien für die Hälfte der Emissionen verantwortlich sind, dann ist es die andere Hälfte für alle anderen. Eine Hälfte ohne der anderen funktioniert nicht. Tja, da werden sich auch die etwa 170 Klein- und Kleinststaaten anstrengen müssen. Also bitte auch hier: Die Perspektive wechseln kann eingebildete und herbeifabulierte Pseudoleistungen sehr schnell heilen!

20 Dezember 2022

Das Tor zur Zeitenwende




Der Krieg in der Ukraine brachte es mit sich, dass nun viele – vor allem Politiker – von einer Zeitenwende sprechen. Ich glaube, ausgerechnet Herr Scholz, der Bewahrer vom Dienst, hat dieses Wort als einer der ersten in den Mund genommen. Nur, um dann langmächtig herumzudrucksen, was die Verteidigung unserer Welt angeht. Sei´s drum. Eine Zeitenwende gibt es, aber die kommt nicht plötzlich mit einem Krieg zum Tor herein. Nein das Tor öffnet sich langsam. Erst einen Spalt breit, dann weiter und weiter. Geöffnet wurde es nicht von Putin, sondern von der Natur, die in Gestalt der Klimakrise daherkommt. Seit längerem. Insofern passiert eine Zeitenwende nicht plötzlich, sondern allmählich, obwohl für unser menschliches Begriffsvermögen doch wieder sehr schnell. Bis wir realisiert haben, dass wir da durchgehen müssen, beginnen die Kipppunkte das Tor zu unserer Zukunft auch schon wieder zu schließen. Für immer.

Machen wir uns also auf und gehen wir hindurch. Durch dieses Tor, um unsere Veränderungsangst, unsere Starrsinnigkeit, und unsere Unbelehrbarkeit hinter uns zu lassen. Gehen wir hinein in eine neue Offenheit und transformieren wir unsere Einstellungen zu dieser Welt, für die wir als intelligente, vernunftbegabte, aber auch liebesfähige Wesen, verantwortlich sind.

Was heißt das nun für das tägliche Leben? Wie können wir diese – zugegebenermaßen – etwas theoretischen Bekenntnisse in unseren Tagesablauf umsetzen?

Ich glaube, am wichtigsten wird es sein, alle im Laufe der Jahre liebgewordenen Gewohnheiten strikt zu hinterfragen. Ist das, was ich bin und tue, noch zeitgemäß? Oder bin ich durch meine Ernährung, durch meine Art der Mobilität, durch meine Ansichten, vielleicht auch durch meine berufliche Tätigkeit bereits zum Problem geworden? Und wenn ja, wie schaffe ich es, wieder Teil der Lösung zu werden?

Ab hier wird es individuell. Wir alle werden unsere eigenen Wege finden müssen, um unseren Teil an einer gelingenden Zukunft beizutragen. Zumal wir viele verschiedene Identitäten in diesem Leben haben. Wir sind Eltern, Schüler-innen, Konsument-innen, Politiker-innen, Lehrer-innen, u.v.m.

Meine Identität, die hier von Interesse ist, ist mein Wirken als Umweltgemeinderat in der Gemeindepolitik.

Was muss ich tun, um Teil der Lösung zu sein? Da fallen mir zwei Dinge ein. Energiewende und Versiegelung. 
Beide Schlagworte haben einen starken Bezug zur Gemeindepolitik. Und es bedarf gewisser Einsichten hierzu.

Erste Einsicht: Der Gebrauch fossiler Energien hat uns an den Rand des Untergangs gebracht. Das ist erwiesen. Erwiesen ist aber auch, dass wir so viel Energie wie noch nie benötigen, um unseren Planeten grün und lebenswert zu erhalten. Wollen wir Industrie, Forschung, Lebensart, Mobilität, Ernährung, etc. auf den heutigen Level erhalten, ist Sonnenergie, Windenergie, Wasserkraft und Biomasse (in dieser Reihenfolge) in großen Mengen unerlässlich. Biedermannsdorf ist auf einem guten Weg, was Photovoltaik auf Dächern anbelangt. Bezirksweit haben wir hier den größten Zuwachs. Das wurde auch von der Landesregierung anerkannt. Aber ist es genug? Keineswegs. Der Vergleich mit anderen Gemeinden sagt nur aus, dass wir besser sind als die anderen. Das muss aber noch lange nicht gut genug sein. Und es ist auch nicht gut genug. Denn um ausreichend Sonnenstrom produzieren zu können, müssen zusätzlich Parkplätze, Deponien, aber auch die große Zukunftshoffnung Agri-PV, die Symbiose von Sonnenenergie und Ernährungssicherheit, in Angriff genommen werden. Denn nur, wenn wir von fossilen Energien wegkommen, werden wir genug Wasser haben, um unsere Felder bewässern zu können.

Zweite Einsicht: Der Boden ist – abgesehen von den Ozeanen - der größte und wichtigste CO2-Speicher, den wir haben. 
Verschließen wir ihn mit Beton, weil wir glauben, kurzfristige Vorteile lukrieren zu müssen, geht diese Fähigkeit verloren und die Emissionen steigen. Versiegeln wir unseren Boden, sägen wir den Ast ab, auf den wir sitzen. Daraus ergibt sich zwingend, dass wir unser Grünland grün erhalten müssen. Aus eigenem Überlebenstrieb. Daraus ergab sich weiters, dass ich mich vehement gegen die Umwidmung von 11.000m² Grünland in Betriebsgebiet ausgesprochen habe. Leider ohne Erfolg. Weil die Mehrheit unserer Gemeinderätinnen und -räte ihre Einstellung zu ihrer eigenen Zukunft und die ihrer Kinder noch nicht transformieren konnte. 

Wenn ich also akzeptiere, dass ein weiterer Gebrauch fossiler Brennstoffe uns die Lebensgrundlage nimmt, dann muss die erste Priorität sein, die rasche Ausbreitung neuer Energien zu unterstützen.

Wenn ich akzeptiere, dass ein gesunder Boden ein unersetzlicher CO2-Speicher und damit die zweite Säule unseres Überlebens ist, dann muss ich diesen Boden schützen, wo ich kann. Denn das, was wir noch an Grünland haben, gehört längst schon unseren Nachfahren.

Und schließlich die dritte Einsicht: Auf einem kaputten Planeten kann es kein gesundes Leben und keine gesunde Wirtschaft geben. 
Alle Nachteile wie Arbeitslosigkeit, Armut und Unruhen, die Klimaleugner immer an die Wand malen, wenn sie nach Argumenten suchen, um keine Klimaschutzmaßnahmen ergreifen zu müssen, führen wir in katastrophalem Ausmaß herbei, wenn wir weiterhin untätig bleiben. 

Das alles wissen auch die, die es bestreiten. Sie stellen nur andere Interessen über unser aller Überleben.

Aber sie werden einmal nicht sagen können: „Das haben wir nicht gewusst.“

Meine alte Liebe

Utrecht, meine Lieblingsstadt der Vielfalt. Vor vielen Jahren arbeitete ich dort mit einer Softwarefirma zusammen als Mitglied eines Entwick...