14 Dezember 2022

Die Helden der Grünen Mauer

 


Eine kleine Erzählung nach einer Geschichte in der Wochenzeitschrift „Die ZEIT“.

Die Grüne Mauer.

Amo hat einen Job. Endlich. In Tall hatte er ihn vergeblich gesucht. Sie brauchen dort nur Soldaten. Er war Bauer, damals. Als es dort, wo er lebte, und wo seine Eltern begraben sind, noch grün war. Als es noch Wasser gab und einen Markt für seinen Hirse. Aber dann hatte der Regen ausgesetzt. Im ersten Jahr ging es, da hatte er noch bescheidene Vorräte und auch das Wasser reichte. Im Jahr darauf regnete es zwar, aber um mehr als die Hälfte weniger als in den Vorjahren und im dritten Jahr blieb der Regen wieder ganz aus. Längst hatte er seine paar Kühe verkauft und sonst hatte er nichts, was er hätte zu Geld machen können. Sein Feld war nur noch eine steinharte Kruste, der Brunnen versandet. Er hatte die Wahl, in ein Lager der UNO zu gehen und sich verpflegen zu lassen, oder sich Arbeit in der Stadt zu suchen. Als jemand, der ungern um Hilfe bettelt, machte er sich also in die Stadt auf. Nach Tall. Leider hatten viele andere die gleiche Idee gehabt. Einen Job konnte er nur beim Militär finden. In einer Mischung aus Wut und Verzweiflung wollte er sich schon dazu entschließen, in die Armee einzutreten, da traf er Mboudou. Mboudou hatte bei ihm als Erntehelfer gearbeitet, als die Welt noch so war, wie sie sein sollte. Als Mboudou ihm erzählte, dass er als Gärtner sein Auskommen fand, hielt Amo das für einen schlechten Witz. Ein Gärtner mitten im Sandmeer? 

Da erzählte ihm Mboudou von der Grünen Mauer. Ein Projekt mehrerer afrikanischer Staaten, das zum Ziel hatte, die Wüstenbildung im Sahel aufzuhalten, indem ein Wall aus Bäumen gepflanzt wurde. Über alle Grenzen hinweg, über alle Staaten, über Krieg und Frieden hinweg. Mboudus Erzählung hörte sich an wie eine Geschichte aus einer anderen Welt. Ein Märchen, ein Traum, geboren aus der Sehnsucht nach einer neuen, freundlichen Zukunft. Unerfüllbar? Nein, er war gerade dabei, in Erfüllung zu gehen. Mboudou erzählte begeistert von dem Projekt, das im Senegal im Westen begann und bis zum Horn von Afrika nach Dschibuti reichen sollte. Bis 2030 sollte es abgeschlossen sein und bis dahin sollten 10 Millionen grüne Jobs entstehen. 250 Millionen Tonnen Kohlendioxid sollten gebunden werden. 

Amo machte mit. Und tatsächlich. Der afrikanische Kontinent schien mit mehreren Staaten einen gemeinsamen Aufbruch zu schaffen, die Grüne Mauer wuchs und schien immer mehr die große gute Nachricht zu werden, auf die die Menschen schon lange gewartet hatten.

Doch das ist lange her. Die Begeisterung ist verflogen und machte verbissenem Bemühen Platz. Islamistische Bewegungen wie Boko Haram, Ölpreisverfall und Korruption ließen einen raschen Erfolg nicht zu. Doch nicht alle gaben auf. Einige wenige halten die Idee am Leben. Aus dem Hitzeglast vor ihm schälen sich die Gestalten von Männern hervor, Pflanzkübel mit sich schleppend. Es sind die letzten 10, die noch standhalten. Die ohne Bezahlung arbeiten, die den Gefahren trotzen, die ihr Leben einsetzen, um die Vision zu halten, um den Traum zu bewahren.

„Wir geben nicht auf“, sagt Mboudou. Wir pflanzen immer noch 100.000 Bäume pro Jahr. Wir halten durch – egal wie“. Es sind die Helden unserer Zeit, was sie tun, ist hilfreich für uns alle. Maßnahmen gegen die Klimakrise nützen allen, an welchem Ende der Welt auch immer sie ergriffen werden. Das ist die Eigenheit dieser Krise. Das Klima ist globalisiert. Schon immer.

Klimaszenarien zeigen, dass Wüstenbildung eine der größten Bedrohungen ist, mit denen sich die Menschheit konfrontiert sieht. Auch Europa wird davor nicht gefeit sein. Bei uns und besonders in Österreich haben wir es derzeit noch mit einer anderen Bedrohung zu tun. Statt Sand- sind es Betonwüsten, die fortscheiten. Diese beschleunigen wiederum die Erderhitzung und fördern damit indirekt die Wüstenbildung. Wir tun also alles, um einen Erfolg der Grünen Mauer in Afrika zu verhindern. Ein tödlicher Kreislauf. Wenn es so weiter geht, wird es auch bei uns Heldinnen und Helden brauchen. Nur kann man auf Beton keine Bäume pflanzen, da müsste man erst renaturieren. 

Doch es gibt Hoffnung.

Der Niederösterreichische Bodenbonus – vorgestellt vor wenigen Tagen – zeigt, dass sich in unserer niederösterreichischen Landesregierung ein leises Umdenken bemerkbar macht. Gefördert werden nämlich auch Renaturierungsmaßnahmen. Einzelheiten werden zwar erst im Jänner bekanntgegeben, aber was man heute schon weiß, ist durchaus vielversprechend. 

08 Dezember 2022

Wie hältst du´s mit dem Bodenschutz, liebes Biedermannsdorf?



Am 7.12.2022 wurde das Grundstück 1142 nördlich des Hofer-Marktes (der braune Bereich rechts im Bild) von Grünland auf Betriebsgebiet umgewidmet, weil sich die am Ostrand des Biedermannsdorfer Betriebsgebietes angesiedelten Unternehmen vergrößern wollen. Mit Ausnahme der Grünen stimmten alle Parteien dafür. Ich selbst konnte krankheitshalber nicht dabei sein, habe aber ein Statement dazu geschrieben, das in meinem Blog bei Interesse nachgelesen werden kann.

Biedermannsdorf ist eine Natur-im-Garten-Gemeinde
hat Blühwiesen gesät
hat zusätzliche Bäume und Hecken gepflanzt
hat ein Klimamanifest
ist Klimabündnisgemeinde 
ist e5-Gemeinde und baut als solche stetig seine PV-Bereiche aus
wird 2023 den Radweg über die A2 von/nach Wiener Neudorf fortsetzen
kritisiert zurecht die Raumplanungen anderer Gemeinden wegen fortschreitender Versiegelung
hat 11.000 m² hochwertiges Ackerland zur Versiegelung frei gegeben.

Finde den Fehler.

Unser Ort reiht sich damit in die Versiegelungsfraktion ein, die in NÖ besonders stark vertreten ist und konterkariert damit seine Klimaschutzmaßnahmen. 

Bemerkenswert finde ich, dass auch die SPÖ-Biedermannsdorf dafür war, nachdem sie vehement gegen den Bau einer Biomasse-Anlage aufgetreten ist. Begründung: Verhindern von Versiegelung! Diese Anlage hätte das Potenzial gehabt, 15.000 Haushalte mit erneuerbarer Energie zu versorgen. 
Ich erinnere mich noch an das Geschrei von Profitgier. Dieses fast bigotte Gesäusel von „Natur muss Natur bleiben“. Das alles gilt jetzt nicht mehr, denn es geht leider immer noch darum, dass Grünland nur ein sehr geringer monetärer Wert zugesprochen wird. Aber nur der kurzfristige monetäre Gewinn leitet das Handeln unserer Politik. 

Jetzt zeigt es sich, wer wirklich die Interessen der Umwelt, des Klimaschutzes und damit die Interessen unserer Lebensqualität vertritt und wo sich Umweltbekenntnisse als Scheinheiligkeit und Heuchelei demaskieren.

Karl Wagner
Umweltgemeinderat




Statement zur Umwidmung von Ackerland auf Betriebsgebiet


Bei der Gemeinderatssitzung am 7.12.2022 wurden 11.000 m² Grünland auf Betriebsgebiet umgewandelt und damit zu Versiegelung freigegeben.

Ich konnte krankheitsbedingt nicht an der Sitzung teilnehmen, hatte aber das nachfolgende Statement hierzu beigesteuert.

Statement zum Punkt 9 der Agenda. Umwidmung des Grundstück 1142.

Ich rate strikt von einer Umwidmung ab und begründe dies wie folgt:
Bei dem in Rede stehenden Gebiet handelt es sich um hochwertiges Ackerland.
Das kann aus der NÖ-Bodenkarte entnommen werden.

eBOD2 (bodenkarte.at)

Zum Unterschied von dem als Grünland-PV umzuwidmenden Grundstück, welches nur als mittelwertiges Ackerland ausgewiesen ist. Bekanntlich hat es da viele Gegenstimmen aus allen Fraktionen gegeben, mit der skurilen Begründung, man solle kein Grünland versiegeln. Was im Fall von Grünland-PV ja überhaupt nicht der Fall ist.

Außerdem erinnere ich an den Ausgang der Volksbefragung bezüglich der Biomasse-Anlage. Die Biedermannsdorfer Bevölkerung ist also mit großer Mehrheit gegen weitere Versiegelungen. Dies wäre aber mit dem in Rede stehenden Grundsatzbeschluss eindeutig gegeben.

Bedenken hinsichtlich Ernährungssicherheit, die immer angeführt werden, wenn es sich um den Ausbau von erneuerbaren Energien handelt, müssen also hier, wo es eine Totalversiegelung geben wird, um ein Vielfaches gewichtiger sein.

Doch selbst dann, wenn es sich um weniger wertvolles Ackerland handeln würde, wäre Versiegelung ohne Not immer noch gänzlich inakzeptabel.

Arten-, Klima- und Hochwasserschutz sind in unserer Zeit der Ausbreitung von Betriebsgebieten unbedingt vorzuziehen. Alle falschen Bedenken gegen Windkraft, PV und Biomasse, sind in diesem Fall richtig. Es ist nicht einzusehen, warum sie plötzlich nicht mehr gelten sollen, weil Betriebsgebiet in unserer verzerrten Wahrnehmung immer noch mehr wert ist als Grünland.

14 November 2022

Bebauungsbestimmungen und Raumordnung in Biedermannsdorf


Bekanntlich ist in Biedermannsdorf eine Bausperre aufrecht. Diese bietet die Chance, notwendige, unserer Zeit entsprechende Schritte in Richtung umweltgerechter Bestimmungen wie Beschränkung der Bodenversiegelung, verstärkte Nutzung erneuerbarer Energien, Eindämmung des Autoverkehrs, Verbesserung der Nahversorgung, Förderung von Rad- und Fußmobilität und vieles mehr zu setzen. Klimaschutz und Klimaanpassung sollten immer im Focus sein. Wichtig ist auch die Förderung von Solidarität und Zusammenhalt im Ort, von der alle – jung und alt – profitieren können. 

Das waren für mich die Leitlinien für die folgenden Punkte, die allerdings nicht als der Weisheit letzter Schluss gesehen werden sollen. Vielmehr sollen sie eine Motivation für Kommentare, Hinweise, aber auch für Berichtigungen sein.

  • Verbot von Baulandhortung bei Neuwidmungen.
  • Wo gibt es Möglichkeiten zur Renaturierung?
  • Verpflichtende Maßnahmen für Hochwasserschutz im Falle von in der Nähe befindlichen Hochwassergebieten.
  • Überprüfung einer “Grünen Infrastruktur”. Das heißt, bestimmte für die Umwelt wertvolle Gebiete sollen miteinander durch Straßenbegleitgrün oder andere Naturkorridore verbunden sein.
  • Überprüfung der Bestimmungen für die Bebauungsdichte im Hinblick auf Bodenerhalt.
  • Eruieren PV-geeigneter Freiflächen. Auch der Frage, ob Windkraft in Biedermannsdorf möglich ist, ist nachzugehen.
  • Hitzeresorbierende Materialien verwenden (kann die beheizte Fläche begrenzt werden? In großen Häusern sollte das möglich sein).Wärmedämmwirkung verschiedener Baumaterialien (sanier.de)Wärmeabsorbierende Baumaterialien statt Klimaanlagen (bauenimbestand24.de)
  • Rückhalt von Regenwasser.
  • Eine Baumverordnung sollte diskutiert werden.
  • Bei Neubauten ist der PV-Eignung erste Priorität zuzuordnen.
  • Heizung: grundsätzlich kein Erdgas. Fernwärme aus Biomasse ist gegenüber Wärmepumpen der Vorzug zu geben, wenn die Leitung am Bau vorbei führt. Erdwärme ist als nachhaltigste Heizungstechnik aber jedenfalls zuzulassen.
  • Ausreichende Installationsleitungen zwecks Installation von Wärmepumpen in erhöhter Lage (bei Flachdächern).
  • Bindende Regeln für Fahrradabstellplätze Wobei der Begriff “Fahrradabstellplatz” noch zu definieren ist.
  • Beispiel Vösendorf, Punkt 4.5 der Bebauungsbestimmungen: Bei der Neuerrichtung von Wohngebäuden sind bis zu einer Anzahl von vier Wohneinheiten zwei Fahrradstellplätze pro Wohneinheit verpflichtend herzustellen. Ab einer Anzahl von fünf Wohneinheiten ist für die gesamte errichtete Wohnnutzfläche pro 30 m2 Wohnnutzfläche je ein Fahrradabstellplatz herzustellen.
  • Ergänzend dazu: es muss auch öffentliche Fahrradabstellplätze für Besucher-innen geben.
  • Alle Parkplätze sind versickerungsfähig zu gestalten und müssen auf die Möglichkeit von PV-Überdachungen geprüft werden. Wo das nicht möglich ist, müssen Ölabscheider installiert werden. 
  • Von der Regel „zwei Parkplätze“ pro Wohneinheit ist abzugehen. Ab einer bestimmten Anzahl sollen die Stellplätze auf 1,5 bis 1 Stellplatz pro Einheit reduziert werden.
  • Beispiel Brunn: Dort gibt es in Brunn ab der 41. Wohneinheit nur mehr 1,5 Stellplätze. Bei gutem Car-Sharing-Angebot und dem ohnehin bereits guten öffentlichen Verkehrsverbindungen und der Mitgliedschaft bei AST sollte das auch in Biedermannsdorf zu rechtfertigen sein.
Über die Mitwirkung der Leserinnen und Leser freue ich mich.

Links:

06 Oktober 2022

Gemeinsam für die Umwelt. Unsere Schulen und wir.

Unsere zwei Schulen sind Klimabündnis-Schulen geworden. Alle Institutionen, ob Gemeinden, Schulen oder Betriebe, die sich so nennen, haben sich verpflichtet, in ihre Abläufe - im Falle der Schulen in ihre Unterrichtspläne - Kilmaschutz-Themen einzubauen. So, wie die Gemeinde ein Klimaschutzmanifest (siehe Protokoll der Gemeinderatssitzung vom 4.12.2019 Top 12) verfasst hat und ihrerseits bestrebt ist, danach zu verfahren. Seit 2021 konnte ich nun mit Unterstützung der Schulen, aber auch von Biedermannsdorferinnen und Biedermannsdorfern den Gedanken der gemeinsamen Ziele verbreiten.
 
Hier nun einige Resultate dieser gemeinsamen Bewusstseinsbildungmaßnahmen:

Am 5.10. 2022 sahen wir gemeinsam mit zwei Klassen der HLW den Film Generation Change. Ein Film der NGO Südwind, welcher uns bewusst machen soll, dass es mit unserer Welt nicht zum Besten steht, dass wir aber immer noch die Chance haben, vieles abzuwenden, sofern wir aktiv am Klimaschutz arbeiten und das auch von der Politik mit aller Deutlichkeit verlangen. Herzlichen Dank an die Direktorin der Volksschule, die uns ihre Aula zur Verfügung stellte und auch selbst bei der Filmvorführung dabei war. 

Die Klimameilen Aktion der Volksschule dauerte einige Wochen und war am 4.10. beendet. Die Kinder hatten mit Hilfe ihrer Familien stolze 1.833 Klimameilen gesammelt. So oft kamen sie ohne Auto in die Schule. 

Am 22.9. kaperten die Kinder der Volksschule mit tatkräftiger Unterstützung des Kindergartens für einen Nachmittag den Schulweg für sich. Autos und Motorräder hatten Fahrverbot. Es war ein toller, kunterbunter Nachmittag. Die Kinder waren mit Eifer dabei, aus dem Schulweg ein kleines Paradies aus Blumen und Fabelwesen zu machen. Auch Stoppschilder für Autos fehlten nicht. Ein Junge fragte, ob der Schulweg nicht für immer gesperrt bleiben kann. Tja...Kinder haben eben noch Sensoren für das, was wichtig ist.

Am 16.9. beging die Volksschule gemeinsam mit dem Elternverein den sog. Park(ing)day. Platz statt Parkplatz hieß an diesem Tag die Devise. Diesmal wurden die Autos vom Vorplaltz der Jubiläumshalle vertrieben. Mit Radau und guter Laune eroberten die Kinder einmal mehr öffentlichen Platz zurück. die Chance, hier einen nachhaltigen Sieg über die Autos errungen zu haben, ist groß! 

Bei den Südwind-Workshops im Oktober 2021 mit zwei Klassen der HLW ging es um Menschenrechte in Verbindung mit Klimaschutz. Oder mit anderen Worten um Klimagerechtigkeit. Meist sind es die ärmeren Schichten der Bevölkerung, beziehungsweise die armen Länder im Süden, die wenig bis nichts zur Klimakrise beitragen, aber deren größte Last tragen müssen.

Aber auch die Erwachsenen aus Biedermannsdorf bleiben nicht untätig. Mit großem Interesse wurde die Infoveranstaltung der Privatinitiative Energiezukunft Biedermannsdorf besucht. Viele an einem Heizungstausch hin zu erneuerbarer Energie Interessierte fanden versierte Fachleute vor, die nicht nur beraten, sondern auch anpacken können. 
Im Rahmen des e5-Projekts ist diese Initiative hoch willkommen. Erfreulich auch, dass es Biedermannsdorfer sind, ihr Wissen hier unentgeltlich und selbstlos zur Verfügung stellen.

Ich darf alle diese Veranstaltungen namens der Gemeinde unterstützen, koordinieren und auch teilweise moderieren. Eine wichtige Aufgabe der Politik ist es, eine Atmosphäre zu schaffen, in der Menschen initiativ werden wollen, weil sie wissen, dass man dafür offen ist. Daran sollten wir alle weiterhin arbeiten. Denn die Devise "Miteinander" hat nur Bestand, wenn sie nicht als 

"Miteinander gegen die Anderen", 
sondern als 
"Miteinander füreinander" 
verstanden wird. 















24 September 2022

Eine Ehrung für Biedermannsdorf - Ein lachendes und ein weinendes Auge für Niederösterreich

 

"Die Gemeinde Biedermannsdorf wurde beim Gemeindetag 2022 in Grafenegg feierlich für ihre vielfältigen Projekte im e5-Programm mit zwei „e“ prämiert und von LH Johanna Mikl-Leitner und LH-Stellvertreter Stephan Pernkopf ausgezeichnet.

BEZIRK MÖDLING. „Das Land Niederösterreich hat eine lange Tradition bei der Energiewende und beim Klimaschutz“, betonte Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner und ergänzt: „Das e5-Programm ist in Niederösterreich ein Erfolgsmodell. 2010 waren ‚nur‘ zehn Gemeinden dabei, heute sind es bereits 65 niederösterreichische Gemeinden, die in der Gemeinde-Energie-Champions-League mitspielen.“"

Soweit der Auszug aus "Mein Bezirk.at" . Bestimmend für die Auszeichnung waren hauptsächlich die ehrenamtlich betriebene Initiative "Energiezukunft Biedermannsdorf", sowie zahlreiche energetische Maßnahmen in Gemeindegebäuden wie PV und Fernwärme. Eine Rolle spielte auch die Mitgliedschaft an der Anrufsammeltaxi-Gemeinschaft des Bezirks. Dass wir darüber hinaus eine Klimabündnis- und Natur-im-Garten-Gemeinde sind war sicher auch ein Positivum.

Vertreten waren mehrere Hundert Gemeinden mit über 1000 Teilnehmerinnen und Teilnehmern. Natürlich freue ich mich über die Anerkennung. Es ist ein gutes Gefühl, wenn das, was man tut, gewürdigt wird, keine Frage. Es gibt ja für alles eine Zeit, nicht wahr? An diesem Tag war es Zeit, zu feiern. Aber es muss auch eine Zeit der Kritik geben. Und die ist mit Ablauf dieses Tages angebrochen. 
 

In Niederösterreich sind 65 Gemeinden e5-Gemeinden. Insgesamt gibt es in unserem Bundesland aber weit über 500. Man kann sich aussuchen, ob man diesen Anteil positiv oder negativ sehen will. Jedenfalls ist noch sehr viel Luft nach oben, wie ich finde. 

Auch sonst ist es in Niederösterreich nicht überall zum Besten bestellt. Zum Beispiel müssen wir uns von der Leitha verabschieden. Der Fluss ist nahezu verschwunden. Nicht nur Gletscher sterben, auch Flüsse. Wobei hier nicht nur die Erderhitzung die Schuld trägt, sondern auch Menschen, die zuviel Wasser entnehmen. 7,5 Kubikmeter pro Sekunde bei Neunkirchen aus der Schwarza (die am Zusammenfluss mit der Pitten zur Leitha wird) und in Katzelsdorf 3,5 Kubikmeter pro Sekunde. Bürgermeister Harald Hahn aus Zillingdorf fordert dringend, dass das Problem endlich erkannt wird. Das Problem wurde noch nicht erkannt? Kann das sein? 

Es gibt noch andere Beispiele, die Fragen aufwerfen. Ist die PV-Zonierung für Freiflächen ausreichend? Ist die Windkraft gut ausgewogen zwischen Vogel- und Insektenschutz einerseits und Energiewendeziele andererseits platziert? 
Wird die Versiegelung und Straßenbau endlich bald wirksam reduziert?
Wird die Bevölkerung ausreichend eingebunden und informiert? Jubelmeldungen allein werden da nicht reichen.

Auch eine Aktivistin von Fridays for Future fand, dass nicht alles eitel Wonne ist und erzwang für sich außer Programm eine kurze kritische Ansprache, worin sie ihren Protest gegen Fracking (die OMV war oder ist ja bestrebt, das im Weinviertel zu betreiben) zum Ausdruck brachte und Landeshauptfrau Mikl-Leitner vorwarf, damit einverstanden zu sein. Diese bestritt das entschieden und im Moment auch glaubwürdig. Irritierend ist allerdings, dass die ÖVP im Landtag gegen den Antrag der Grünen stimmte, kein Fracking in NÖ zuzulassen. Wie auch immer. Ich bewundere den Mut und die Tatkraft der jungen Leute, die sich für ihre Zukunft einsetzen. Wie sie das tun, darüber kann es verschiedene Meinungen geben. Aber dass sie es tun, ist wichtig und sinnvoll. Die beiden Jungs vor der Festhalle habe ich mit einem Foto verewigt. Sie sorgten für einen kleinen, aber feinen Kontrapunkt.


Und nun sollte und wird wohl wieder die Zeit der Arbeit anbrechen. Denn auf  Lorbeeren ausruhen heißt Abstieg. Ich bin zuversichtlich, dass wir mit vereinten Kräften viele weitere Erfolge auf dem Weg zur Energiewende erzielen werden.

10 September 2022

Wärme aus der Erde für Biedermannsdorf

 



Wärme aus der Erde für Biedermannsdorf

Die im Dezember 2021 gegründete private Initiative "Energiezukunft Biedermannsdorf" ist zu einer gefragten und gern konsultierten Plattform in unserer Gemeinde geworden. Einer der Höhepunkte bisher war die Infoveranstaltung für konkret an Wärmepumpen interessierte Bürgerinnen und Bürger am 9.9. in der Aula unserer Volksschule.

Mit dem starken Preisanstieg bei fossilen und biogenen Brennstoffen nahm die Nachfrage nach Alternativen sehr stark zu. Damit wird es für den Einzelnen immer schwieriger, relativ kurzfristig einen kompetenten Anbieter zu finden. Die Initiatoren der „Energiezukunft Biedermannsdorf“ fassten deshalb den Entschluss, durch das Zusammenführen mehrerer Interessierter diesen mehr Präsenz auf dem Markt zu verschaffen. Letztlich haben 63 Haushalte ihre Daten und Planunterlagen abgegeben, was die Erwartung der Initiatoren weit übertraf.

Nach einem ausführlichen Vorgespräch waren es die Firmen Lemp-Energietechnik und ihre Partnerfirma Fuchs GmbH, welche diese Chance erkannten und wahrnehmen wollen. Die Interessentinnen und Interessenten wurden sodann persönlich zu der Informationsveranstaltung eingeladen. Die Vorträge der beiden Unternehmer und die ausführliche Beantwortung der vielen Fragen schafften Vertrauen in deren starke Kompetenz und Erfahrung.

Die außerordentlich gut besuchte Veranstaltung (erwartet wurden 60, gekommen waren etwa 80 Besucher-innen), war der Start für die konkrete Umsetzung. Als nächsten Schritt sind möglichst analog den Dringlichkeitsangaben Besuchstermine der beiden Firmen zu organisieren. Damit schließt die Initiative diese Aktion ab. Die Erstellung der Angebote und eine Auftragserteilung werden direkt zwischen Anbieter und Auftraggebern vereinbart. Ergänzend soll noch Unterstützung bei der Erlangung der Förderungen gegeben werden.

Solche Initiativen sind nur möglich durch das Engagement und der Sachkenntnis engagierter Bürger. An allererster Stelle steht dabei die Nutzung elektronischer Kommunikationswege. Heinz Melion hat sich dieser Herausforderung nicht nur angenommen, sondern in unzähligen Stunden eine umfangreiche und informative Webseite Website der EZB (energiezukunft.biedermannsdorf.info) gestaltet, viele Informationen beschafft, die Datensammlung sichergestellt, die Interessenten ständig mit aktuellen Informationen versorgt und viele Gespräche koordiniert.

Günter Bramböck ist seine jahrzehntelange berufliche Erfahrung in der Energiebranche nützlich gewesen. Dies besonders bei den Überlegungen, wie eine finanzierbare und möglichst umweltschonende Beschaffung von Energie auf lange Sicht möglich ist. Es ist ihm ein großes Anliegen, dass fossile Energie schrittweise und dennoch zügig durch Umweltenergie ersetzt wird.

Die beiden Herren stellen ihr Wissen und ihre Zeit selbstlos und unentgeltlich der Allgemeinheit zur Verfügung.

Persönlich sehe ich meine Funktion in der Koordination dieser Initiative mit der Gemeinde. Die Gemeinde hat sich zum Klimaschutz bekannt und sie ist Mitglied im europaweiten Programm e5 (www.e5-gemeinden.at) für energieeffiziente Gemeinden. Die Energiezukunft Biedermannsdorf unterstützt die Bestrebungen zur Gestaltung einer umweltfreundlichen Gemeinde, weshalb ich diese Initiative begrüße und nach Kräften unterstütze. Ich hoffe, dass diesem Beginn, welcher auf den weitgehenden Ersatz von etwa 1,5 Millionen Kilowattstunden Erdgas durch Umweltenergie zum Ziel hat, weitere Schritte folgen werden.

Umweltgemeinderat Karl Wagner

Meine alte Liebe

Utrecht, meine Lieblingsstadt der Vielfalt. Vor vielen Jahren arbeitete ich dort mit einer Softwarefirma zusammen als Mitglied eines Entwick...