07 September 2021

Wege zur Energiewende

Die Energiewende ist in aller Munde. Viele Wege, die dahin führen, wurden schon aufgezeigt und diskutiert. CO2-Bepreisung, Stärkung des öffentlichen Verkehrs, Antriebsarten, Ökologische Steuerreform, u.v.m.
Darüber hinaus gibt es aber auch Möglichkeiten, die mündige Bürgerinnen und Bürger in die Lage versetzen, ganz konkrete Handlungen zu setzen.

Energiegemeinschaften.
  • Erneuerbare Energie nicht nur nutzen, sondern sie auch selbst produzieren und teilen. Aber nicht nur innerhalb der eigenen Grundstücksgrenze, sondern auch darüber hinaus.
  • Sich an der Erzeugung erneuerbarer Energie beteiligen, obwohl man gar keine eigene Anlage besitzt.
  • Geringere Netzgebühren.
  • Geringere Steuern und Abgaben.
  • Weniger überregionaler Stromtransport und damit Schonung der Netze.
  • Wertschöpfung bleibt in der Region.
Klingt interessant? Ist es auch. Möglich macht das die Gründung einer Energiegemeinschaft auf Basis des neuen Erneuerbaren-Ausbau-Gesetzes.
Ob Unternehmen, Gemeinden oder Private. Alle können an einer Energiegemeinschaft teilnehmen, oder selbst eine solche gründen.
Stellt sich die Frage nach der Finanzierung. Diese könnte in Form einer Bürgerbeteiligung geschehen.
Infomieren Sie sich schon mal unter: www.energie-noe.at/energiegemeinschaften, oder https://www.ezn.at/

Bürger*innenbeteiligung.
  • ich habe keine eigene Fotovoltaikanlage am Dach weil die Lage meines Hauses ungünstig ist oder ich mir die Kosten trotz Förderung einfach nicht leisten kann?
  • Ich wohne in einem Wohnhaus, deren Bewohner*innen nicht einheitlich dafür sind, eine solche zu montieren?
Dann kann ich trotzdem einen gewinnbringenden Beitrag zur Energiewende leisten, indem ich mich als Bürger an einer Fotovoltaikanlage beteilige. Als gewinnbringende Geldanlage.
Das funktioniert im Großen und Ganzen so:
  • Bei der Variante Sale-and-Lease-Back verkauft der zukünftige Kraftwerksbetreiber PV-Module. Mit dem dadurch eingenommenen Geld errichtet er das Kraftwerk. Dazu benötigt er wieder die Module, die er deshalb von den Bürgerinnen zurückmietet. Als Gegenleistung bekommen die Käufer Zinsen aus der Vermietung.
  • Will man als Kraftwerksbetreiber nichts, bzw. sehr wenig mit der Abwicklung der Beteiligung zu tun haben, bietet sich die Zwischenschaltung einer Bank an. Hier zahlen die Bürger*innen das Geld auf ein Sparbuch ein. Das eingezahlte Geld wird dann von der Bank dem Kraftwerksbetreiber als Kredit zur Verfügung gestellt. Die Raiffeisenbankengruppe NÖ-Wien bietet diese Variante an. Das Modell besteht aus einem zweckgebundenen Sparbuch mit guten Konditionen für Sparer*innen und Kreditnehmer*innen.
siehe: https://www.umweltgemeinde.at/pv-buergerinnenbeteiligung-modelle 


02 September 2021

Kleine Geschichte der Klimaleugnung




ExxonMobils Verbrechen
Es war vor etwa 30 Jahren, als der Ölkonzern ExxonMobil seine eigenen Wissenschaftler zum Schweigen brachte, weil ihre Forschungsergebnisse nicht der Intention der Konzernleitung entsprachen. In Kenntnis der schwerwiegenden Konsequenzen der Nutzung fossiler Brennstoffe, im Bewusstsein dessen, was sie künftigen Generationen antun würden, entschieden sie sich, die Welt in verbrecherischer, gewissenloser Art und Weise zu manipulieren. Es konnte nicht sein, was nicht sein durfte. Mit Milliarden von Dollars und mithilfe reicher Verbündeter wie den Koch-Brüdern und anderen, die an Öl, Gas und Kohle reich geworden waren und es auf Kosten der Zukunft bleiben wollten, der Autoindustrie, der Kohleindustrie, vor allem aber mithilfe aller anderen Ölkonzerne kauften sie die wenigen Wissenschaftler, die sich kaufen ließen, stampften pseudowissenschaftliche Institutionen aus dem Boden, und betrogen die meisten Medien, die glaubten, neutral berichten zu müssen. In Wahrheit fungierten sie als Vehikel zur Beförderung der Lüge vom nicht existenten Klimawandel.

So erreichten die Klimaleugner, dass sie bis heute unerhörten Reichtum aus Rücksichtslosigkeit, Lügen und Betrug schöpfen können.

All das wird nie gesühnt werden. Denn die damaligen Entscheider werden sich längst nackt und besitzlos von dieser Welt gestohlen haben, wenn die Frage gestellt werden wird: "Was habt ihr getan?"

Die vielen Gesichter der Klimaleugner
Mittlerweile hat sich der seriöse, unbestechliche Teil der Wissenschaft (99 Prozent) soweit Gehör verschafft, dass eine Leugnung ihrer Ergebnisse nicht mehr möglich ist. Wir sehen, dass die Voraussagen mit Punkt und Beistrich eintreffen. Längst hat sich der Klimawandel zur Klimakatastrophe ausgewachsen. Die Klimaleugner aber gibt es noch immer. Nur haben sie ihr Gesicht geändert. Heute treten sie an, Hoffnung zu vernichten und Mutlosigkeit zu fördern.

Die neue Masche der Klimaleugner
Das geht so: China tut nichts, Russland tut nichts, es gibt auf der Welt so viel Kohlekraftwerke, Australien tut nichts. Auch die USA sind nur am Rande dabei. Europa hat doch viel zu wenig Einfluss, Österreich schon überhaupt nicht. Also warten wir, bis die anderen was tun. Auch, wenn wir uns noch so bemühen, wir haben keine Chance. Fatalismus ist angesagt. Und auch hierin sind sie wieder erfolgreich, indem sie den Beharrern, den Beschwichtigern, den Veränderungsresistenten, denen mit dem engen Horizont einen Weg zeigen, wie sie ihr gewohntes, stumpfsinniges Konsumleben, fortsetzen können. Wenigstens so lange sie selbst leben.

Lassen wir das wirklich zu? Wie lange wird unsere Komfortzone noch komfortabel sein? Wirklich noch, solange wir selbst leben? Geht sich das aus? Reicht es, einfach den Teil der Wahrheit zu glauben, der unsere Bequemlichkeit bedient?

Wahrheiten sind Mutbringer.
Europa ist eine der größten Wirtschaftsmächte der Welt, wenn nicht die größte. Immer noch. Anderslautende Meldungen sind einfach falsch. China, Sükorea, Japan beispielsweise haben erkannt, dass es sehr wohl Klimaziele geben muss und sich diese auch gesetzt. In China sterben zu viele Menschen an der Luftverpestung, angerichtet von der Kohleindustrie. Das können nicht einmal die dortigen Machthaber ignorieren. Die USA sind ebenfalls wieder im Boot. Sollte es - wie von vielen Politikern und Wissenschaftlern angestrebt, zu einem sogenannten Klimaklub, bestehend aus der EU, der USA und China kommen, wird allen anderen Ländern der Welt gar nichts anderes übrig bleiben, als mitzuziehen. Die einzige Unsicherheit ist: geht sich das aus? Und da kommen wir alle ins Spiel. Wir müssen den Politikerinnen und Politikern klarmachen, dass sie nur dann gewählt werden, wenn sie ihrer wichtigsten Aufgabe nachkommen, nämlich unsere Zukunft zu sichern. Jede/Jeder Einzelne von uns ist hier gefordert. Brechen wir auf in eine neue Zukunft, lassen wir uns nicht mehr von Halbwahrheiten hinters Licht führen, ändern wir unser Kaufverhalten, unsere Erwartungshaltung, nehmen wir die Chancen wahr, die sich uns bieten.

Die Klimakrise, wie sie derzeit ist, können wir nicht rückgängig machen, es lohnt sich aber, sie zu stoppen. Im Sinne eines gerechteren, gesünderen und friedlicheren Lebens. Im Sinne einer neuen, anderen Art von Reichtum.




01 September 2021

Klimaschutz ist nichts für Narzissten




Das EU-Asylsystem ist gescheitert.“
So tönt es im Brustton der Selbstgerechtigkeit am lautesten von jenen, die es regelmäßig verhindern. Solange es das Einstimmigkeitsprinzip in der EU gibt, wird sich das auch nicht ändern. Und wenn es nur das kleine Österreich ist, das seine Verhinderungspolitik fortsetzt.Die restriktive Haltung eines großen Teils der österreichischen Bevölkerung zur Flüchtlingsaufnahme ist verständlich, wenn man bedenkt, dass fast nur junge Männer gekommen sind. Mittlerweile ist die afghanische Community in Österreich stark angewachsen. Vergehen, verübt von Männern, die ihre überkommenen, archaischen und gewalttätigen Traditionen, vor denen sie angeblich geflohen sind, zu uns mitbrachten, bewirkten, dass wir misstrauischer und feindseliger gegenüber jenen geworden sind, die unsere Gastfreundschaft und unseren Schutz in Anspruch nehmen. Dass viele, wenn nicht die meisten der Gekommenen rechtschaffen sind, wird übersehen, weil es langweilig ist, darüber zu berichten. Permanente Hetze aus bestimmten politischen Ecken verstärken diese Haltung. Dass es angesichts dieser Grundstimmung eines gewissen Mutes bedarf, Flüchtlinge aufzunehmen, ist auch klar. Andererseits ist die derzeitige Situation über viele Jahre gewachsen, weil man jegliche Möglichkeit, legal nach Europa zu kommen, unterbunden hatte. Hätten die jeweiligen Regierungen in den letzten Jahrzehnten Resettlement betrieben, das heißt, diejenigen auf legalem Weg zu uns geholt, die es aus eigener Kraft nicht schafften, nämlich Frauen, Kinder und Arme, wäre nicht nur die Akzeptanz in der Bevölkerung größer gewesen, sondern wir hätten auch Einfluss darauf gehabt, wer kommt und wer nicht. Aber dafür fehlte Mitgefühl und Solidarität.

Die Zuverdienstmöglichkeiten Arbeitsloser sollen gekürzt oder überhaupt gestrichen werden. 
Man nennt das Anreiz. Also jemandem etwas wegnehmen, ist ein Anreiz. Früher nannte man so eine Vorgangsweise „Druckmittel“. Damit sollen Arbeitslose dazu bewegt werden, Jobs mit schlechter Bezahlung und schlechten Arbeitsbedingungen anzunehmen. Auf die Idee, die Bedingungen dieser Jobs zu verbessern, was dann tatsächlich die Bezeichnung „Anreiz“ verdienen würde, kommt der türkise Teil unserer Regierung nicht.

Zurück in die Steinzeit?
Als Klimaministerin Gewessler ihren Entschluss, große Straßenbauprojekte zu evaluieren publizierte, gab es den Kommentar, dies sei ein Rückfall in die Steinzeit. Die so argumentieren, stellen sich ein ziemliches Armutszeugnis aus, denn wie mittlerweile wirklich schon der aller letzte Uninteressierte weiß, ist in Österreich der Individualverkehr einer der größten Treibhausgasemittenten. Und dass Straßen Autos züchten, ist ebenfalls längst bewiesen. Den Begriff „Steinzeit“ kann man auch mit „Veraltetem“ in Verbindung bringen. Veraltete Antriebsarten, veraltete Kaufgewohnheiten, veraltete Geschäftsideen, veraltete Lebenseinstellungen. Auch „fossil“ ist ein Begriff, den man in die Nähe von „Steinzeit“ rücken kann. Sind womöglich gar gewisse Politiker fossil? Könnte man so sehen, denn in der Steinzeit wusste man noch nichts von Klimakrise.

Solidarität 
gegenüber anderen Ländern und Völkern, die in Not sind, Empathie gegenüber hilflosen Frauen, die in Lebensgefahr sind, die vergewaltigt, entführt, entmündigt werden. Fürsorge gegenüber den Armen in unserem eigenen Land, die es nicht so gut getroffen haben, die entmutigt und frustriert sind. Solidarität für unsere Jungen, für unsere Kinder und Enkel, deren Zukunft ungewiss ist. Empfinden wir das alles nicht mehr? Sind wir zu abgestumpft, zu gierig, zu narzisstisch?

Jedenfalls scheint es, dass Politiker, die fremdenfeindlich bis rassistisch eingestellt sind, die kein Herz haben für jene, die nicht gut vorankommen im Leben, auch nicht dazu zu bewegen sind, Klimaschutz zu betreiben.
Kein Herz für Menschen – kein Herz für Klimaschutz.

24 August 2021

Florianimentalität + Energieverschwendung = Klimakatastrophe

Um die Klimakrise noch zum Stillstand bringen zu können, muss jetzt sofort etwas geschehen. Untätig darauf warten, bis jemand die große, wunderbare technische Lösung gefunden hat, die uns von allen Pflichten unseren Mitmenschen und der Natur gegenüber befreit, ist eine gefährliche Denkweise. Wir müssen vielmehr mit unseren Bemühungen fortfahren, die derzeit am Programm stehen. Nämlich die Energiewende UND die Wende in unserer Gesellschaft zu erreichen. Anders geht es nicht. 

Aus lauter Liebe zur Natur Maßnahmen verhindern, die genau diese Natur schützen sollen, zeugt entweder von Florianimentalität oder von Unbedarftheit. 

Gerade jetzt, wo die Warnungen des Weltklimarates ernst wie noch nie sind und die Einschläge immer näher kommen, kann es nicht sein, dass in ganz Österreich immer wieder Klimaschutzmaßnahmen verhindert werden. Es gibt zwei gleichwertige Strategien für den Umweltschutz. Das ist Boden- und Artenschutz einerseits und die Energiewende andererseits. Werden Windräder, Biomasseanlagen, Geothermie, Fotovoltaikanlagen, etc. gebaut, wird etwas für die Energiewende getan. Achten die Gemeinden darauf, dass Aulandschaften, Windschutzgürtel und andere Grünflächen schonend gepflegt, Wälder genutzt und geschützt werden und der Zersiedelung entgegengewirkt wird, tut sie etwas für den Artenschutz. So kann beiden Strategien die Aufmerksamkeit zuteil werden, die sie verdienen und brauchen.

Energie, die benötigt wird, muss hergestellt werden. 

Wir können nicht unseren Energiebedarf stetig erhöhen und gleichzeitig gegen die Energieherstellung protestieren. 

Es ist daher dringend vonnöten, uns Gedanken darüber zu machen, was wir tun können, um unsere Lebensart so zu ändern, dass ein gutes Leben innerhalb der Kapazitäten unserer Erde möglich ist.

Fossil wird es nicht mehr gehen. Erdgas besteht zu 90 Prozent aus Methan, dessen Konzentration in der Atmosphäre seit einigen Jahren permanent ansteigt. Dazu muss man wissen, dass Methan in der Atmosphäre deutlich stärker wirkt als CO2.

Daher: Raus aus Öl und Gas!




15 August 2021

Wo bist du Adam?


Wiedergabe eines Artikels in der Furche vom 12. August 2021 von Oliver Tanzer:


Die Kleine Zeitung vom 8. August hatte eine sehr beziehungsreiche Titelseite. Oben rechts wurden die beliebtesten Vornamen des Geburtsjahrgangs 2020 präsentiert, Marie und Jakob. Im Zentrum der Titelseite stand der Bericht des UN-Weltklimarates mit der Prognose, die Welt werde im Jahr 2100 zu einem katastrophalen Lebensraum werden, viele dazu beitragende Entwicklungen seien bereits unumkehrbar eingeleitet.

Die vielen Maries und Jakobs werden im Jahr 2100 achtzig Jahre alt sein, und für sie werden Waldbrände, Überschwemmungen, Dürren, Hungersnöte und Flüchtlingswellen auf der Tagesordnung stehen: Urlaubsparadiese in Flammen, Flutwellen, Unwetter, Tornados. Die Ausnahmen von heute werden 2100 Regel geworden sein.

Wie werden diese Menschen dann über ihre Eltern- und Großelterngeneration denken? Es wird wohl auf eine biblische Frage hinauslaufen - auf die erste Frage, die Gott an den Menschen Adam stellte: "Wo bist du?" beziehungsweise "Wo warst du?" gleichbedeutend mit: "Was hast du getan?". Und so wie Adam in der Bibel antwortet, "ich habe mich versteckt, denn ich hatte Angst", werden auch wir antworten müssen, wir haben uns versteckt, weil wir Angst hatten.

Angst davor, unseren Reichtum und unseren Luxus aufs Spiel zu setzen, Angst davor, weniger zu konsumieren, uns weniger zu leisten. Angstdavor, unsere Mode und unsere Art des Wachstums aufs Spiel zu setzen, unser System der Ablenkungen und Illusionen (Arbeit inklusive) zu gefährden, das System des Wettbewerbs zu hinterfragen und im übertragenen Sinn - gleich Adam - unsere Nacktheit zu erkennen.

Ungleich Adam erkennen wir aber schon das Ende - die Selbstvertreibung aus dem Paradies. Und wir, die heute regierenden, regierten, mitlaufenden und steuernden Menschen, sind dafür selbst und in vollem Ausmaß verantwortlich.

Weil wir technologisch brillante Energieeinsparungen mit immer noch nutzloseren neuen Energieverschwendungen zunichtemachen.
Weil wir Politikern erlauben, noch schnell die angeblich letzte Autobahn, die letzte Flughafenstartbahn in die Landschaft zu pflastern.
Weil wir erlauben, dass Grünland für immer neue Einkaufszentren und Einfamilienhaussiedlungen preisgegeben wird.
Weil Parteien gewählt werden, die explizit keine Klimastrategie entwickeln, die irgendwelche entscheidenden Effekte hätte.
Weil wir Menschen glauben schenken, die orakeln, der rettende Fortschritt werde schon noch kommen, also könnten wir weitermachen wie gehabt.
Weil wir, die alle Mittel für eine mögliche Trendumkehr seit Jahren kannten, diese Mittel nicht nutzten, sondern Veraltetes bewahrten, Schädliches förderten und sich Millionen Konsumenten über Werbung verführen ließen.
Weil wir ganz konkret Handelsabkommen tolerieren, die Ökosysteme in Südamerika für Autoexporte und billiges Fleisch vernichteten. (Und wie zynisch wird sich dagegen die "grüne" Initiative von VW ausnehmen, in der Werkskantine auf Currywurst zu verzichten?)

Wie also werden die Maries und die Jakobs über uns denken? Vielleicht werden einige von ihnen den Kopf schütteln, andere weinen und wieder andere auf unsere Gräber spucken. Und sie alle hätten damit recht. Das können wir uns vor Augen halten, während wir nun weiterhin nichts, zu wenig oder das Falsche tun.

09 August 2021

Rund um den Weltklimarat - erzählt von einem Insider

 


Am 9. August erschien der erste Teil des 6. Sachstandsberichts des IPCC (Intergouvernemental Panel on Climate Change, auch als Weltklimarat bezeichnet). Und er hielt schlechte Nachrichten parat. Wenn nicht eine tiefgreifende Reduzierung des Treibhausgasausstoßes erfolgt, wird sich die Erderhitzung bereits in den frühen 2030er Jahren über 2 Grad erhöhen. Die Begleiterscheinungen werden gewaltige Naturkatastrophen in allen Regionen der Welt sein. Zieht man in Betracht, dass alle Vorhersagen des Weltklimarats bisher eingetroffen sind, müssen diese Warnungen sehr ernst genommen werden.

Wahrscheinlich wird es trotzdem genügend „Genies“ geben, die die Klimakrise als „Zeitgeist“ oder als Übertreibung abtun. Auch, wenn sich das Drama bereits vor unseren Haustüren abspielt.

Da traf es sich gut, dass ich die Gelegenheit hatte, einen der sieben wissenschaftlichen Hauptberater der EU-Kommission, Professor Nebosja Nakicenovic, zu einem Gespräch rund um den IPCC zu treffen.

Nebosja Nakicenovic war stellvertretender Generaldirektor der IIASA und Professor für Energiewirtschaft an der Technischen Universität Wien.
Weiters war er maßgeblich am 5. Sachstandsbericht des IPCC beteiligt und zusammen mit der bekannten Klimaforscherin und mehrfachen Buchautorin Frau Prof. Helga Kromp-Kolb und Prof. Karl Steininger vom Wegener Center an der Uni Graz koordinierender Leitautor des „Österreichischen Sachstandsberichts 2014“.

Ich freue mich, Inhalte dieses Gesprächs den Biedermannsdorfern und Biedermannsdorferinnen nun zur Verfügung stellen zu können.

Die Geschichte
1985 gab es in Villach ein Treffen von 88 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern. Unter anderem wirkte dabei auch Dr. Jill Jäger mit, damals Senior Researcher am Sustainable Europe Research Institute. Sie lebt heute in Wien. Die Teilnehmer an diesem Treffen erkannten damals die Gefahr, die vom menschenverursachten Klimawandel ausging. Im Bewusstsein der Wichtigkeit dieses Themas hoben sie es auf die internationale politische Agenda. Die Politik muss sich mit der Wissenschaft zusammenschließen, um dieser Gefahr wirksam begegnen zu können. Damals wurde genau das vorhergesagt, was heute passiert. Die Erwärmung um einen Grad, mit allen dazugehörigen negativen Begleiterscheinungen. (Anmerkung des Verfassers: Wobei in den Alpen und in Österreich die Erwärmung bereits sehr viel weiter, bis zu zwei Grad, fortgeschritten ist).
Natürlich schätzten viele Menschen die Gefahr schon viel früher als hoch ein, wie zum Beispiel der finnische Chemiker Arhenius (1859 – 1927) oder Alexander von Humboldt (1769 – 1859), der Forschungsreisende, der schon damals das Verschwinden von Wäldern für künftige Naturkatastrophen verantwortlich machte. Doch dieses Mal kam die Nachricht von einer ganzen Gruppe namhaften Wissenschaftlern, was dann auch zur Gründung des IPCC im Jahr 1988 unter Führung der IIASA führte.

Die Prozedur
Auf meine Bedenken hin, dass – wenn die Politik mit im Boot ist – immer auch von gewissen Lobbys beeinflusste Beschwichtiger und Leugner mitmischen, die den Bericht verwässern wollen, beschreibt mein Gesprächspartner die Prozeduren, die nötig sind, bis ein IPCC-Bericht in die Öffentlichkeit entlassen werden kann. Sie ist kompliziert, langwierig und durchläuft viele Stadien bis zur Veröffentlichung.

Zunächst werden Leit-Autoren, die gewillt sind, mitzuarbeiten, von den Regierungen der Mitgliedsländer nominiert. Diese Autoren arbeiten unentgeltlich, es gibt lediglich einen Forschungsfonds für Entwicklungsländer. Eine finanzielle Abhängigkeit ist somit nicht gegeben. Anschließend werden drei Arbeitsgruppen gebildet, von denen jede etwa 10 bis 20 MitarbeiterInnen hat, die ebenfalls aus den Wissenschaften kommen, also auch Experten sind. Der in Rede stehende 6. Sachstandsbericht betrifft die Arbeitsgruppe I. Sie befasst sich mit den physikalischen, naturwissenschaftlichen Grundlagen des Klimawandels.

Die Themen der der Arbeitsgruppe II sind die Auswirkungen der Klimakrise und Anpassungmaßnahmen., die Arbeitsgruppe III setzt sich mit Möglichkeiten und Maßnahmen zur Eindämmung der Klimakrise auseinander. Aktuell erscheinen die Berichte dieser beiden Arbeitsgruppen 2022.

Aber was passiert vorher?
Nachdem die Autoren feststehen, gibt es gemeinsam mit den Regierungsvertretern das sog. Scoping-Meeting, wo ein allgemeiner Rahmen für die Inhalte erstellt wird. Ebenso erfolgt die Zuordnung der Autorinnen und Autoren zu den verschiedenen Kapiteln. Zwei koordinierende Hauptautoren, im Regelfall einen aus Süden, einen aus Norden, werden ernannt. Dann gibt es noch die Contributing-Authors, die Beiträge schreiben. Sie werden nicht von den Regierungen ernannt.

Nun findet eine Folge von einigen Plenarsitzungen mit Regierungsvertretungen und Wissenschaftlichen Autoren statt, dessen Ergebnisse jeweils im erweiterten Kreis mit Politik und Wissenschaft kommuniziert werden. Es gibt jedes Mal eine Unzahl von Kommentaren dazu, zumal neuerdings auch Stakeholder zugelassen sind, die die Interessen von NGOs, vornehmlich aber Konzerninteressen vertreten. Letztere gehen sehr oft in Richtung Klimaleugnung. Alle diese Kommentare müssen dokumentiert und – unabhängig von ihrer Sinnhaftigkeit - beantwortet werden. Beantwortet in dem Sinne, dass sie entweder akzeptiert und eingearbeitet oder wegen mangelnder wissenschaftlicher Begründung, beziehungsweise wegen Irrelevanz abgelehnt werden.

Diese Prozedur wiederholt sich einige Male. Man kann sich vorstellen, dass hierbei Jahre vergehen. Eine Plenarsitzung besteht aus mehreren hundert Teilnehmerinnen und Teilnehmern, bestehend aus Abordnungen der Mitgliedsländer. Diese Abordnungen sind aus Politik und Wissenschaft zusammengesetzt.

Abschließend werden die einzelnen Kapitel in einem Synthese-Bericht Satz für Satz verhandelt. Es ist oft ein Ringen um die Deutung und Aussage einzelner Wörter. 2014 standen die Verhandlungen knapp vor dem Abbruch, weil die Kernenergie als klimaschutzrelevante Alternative dargestellt wurde. Österreich war dagegen und es konnte erst eine Einigung erzielt werden, als die Gegnerschaft Österreichs zur Kernenergie in einer Fußnote festgehalten wurde. Für die Kernenergie hatten besonders die USA und die EU – mit Ausnahme Österreichs – plädiert.

'Das Prinzip der Wissenschaft - Zweifeln.
Wir sehen: Einfach machen es sich die Beteiligten nicht. Es treffen, besonders seit Vertretungen der Stakeholder zugelassen sind, sich stark widersprechende Interessen aufeinander, die dort und da eine mildere Darstellung von Problemen nach sich ziehen werden. Man kann sich also denken, dass, wenn eine Gefahr als ernst dargestellt wird, sie in Wirklichkeit ganz besonders ernst ist. Jedenfalls steht eines fest: Ernst müssen die Ergebnisse des Berichts auf jeden Fall genommen werden, denn er kommt nach Art der Wissenschaft zustande. Nämlich alles erst streng in großem Kreis zu hinterfragen zu prüfen, bevor es als Tatsache veröffentlicht wird.

Professor Nakicenovic kann sich übrigens nicht vorstellen, dass die Kernenergie bei der Bekämpfung der Klimakrise eine Rolle spielen wird. Auch deshalb, weil es keine Weiterentwicklung gegeben hat. Jetzt ist die Zeit dafür nicht mehr vorhanden. So, wie überhaupt für die Entwicklung technologischer Lösungen die Zeit zu knapp ist.
Auch er bestätigt die Aussage der Wissenschaft: Wir haben keine Zeit mehr.
Die Lösung muss in der Nutzung aller vorhandener erneuerbarer Energieträger liegen. Seiner Meinung nach – und auch da befindet er sich wohl im Einklang mit allen, die mit offenen Augen durchs Leben gehen – muss es rasch eine Systemänderung geben. Vor allem erwähnt er da die Kreislaufwirtschaft. Denn auch die Energiewende kann uns nicht von der Verpflichtung befreien, den Raubbau an den Ressourcen der Erde zu beenden.
















25 Juli 2021

Ja zur Umwelt heißt verändern, nicht verhindern.

Wir sind schon komische Vögel (Die Vögel mögen mir den Vergleich verzeihen).

Einerseits stopfen wir in Österreich pro Jahr durchschnittlich 63 Kilo Fleisch in uns hinein, verbrennen dafür Wälder, weil wir die Fläche für Schweinefutter brauchen und führen uns auch sonst auf, als gäbe es einen Preis dafür, alles, was uns die Erde bietet, möglichst rasch zu verbrauchen und zu verzehren.
Andererseits be- und verhindern wir mit Begeisterung Maßnahmen, die uns – abseits des Gebrauchs fossiler Brennstoffe - die Energie für unser imperiales Luxusleben zur Verfügung stellen sollen.

Einerseits ist uns für Windkraft und Biomasse das Grünland zu schade.
Andererseits sind wir Europameister im Straßenbau und setzen den Bau von Parkplätzen und Industriebauten frischfröhlich fort.

Einerseits sind wir in Umfragen mehrheitlich für Klimaschutz.
Andererseits gehen wir lustig auf Kreuzfahrtreise und freuen uns darüber, dass fliegen immer noch billiger als bahnfahren ist. Vom Autofetischismus ganz zu schweigen.

Wir beklagen den Rückgang der Agrarflächen und sehen nicht, dass unsere eigenen Ernährungsgewohnheiten diesen beschleunigen. Die Hälfe unserer Ackerfläche wird für den Anbau von Tierfutter verwendet.

Wobei uns die eigenen Flächen bei weitem zu wenig sind. Das ist der Grund, warum weltweit Wälder gerodet werden. Unsere Schweine grasen indirekt den Regenwald ab, damit wir so viel Fleisch essen können, dass es uns krank macht (Greenpeace).

Krank macht uns übrigens auch Covid 19. Warum ich darauf komme? Weil auch das direkt mit unserer Lebensart zu tun hat. Covid 19 ist – wie auch HIV oder Hepatitis B oder das Zika-Virus – eine Zoonose, das heißt, die Krankheit springt von Tieren, denen wir aufgrund brutaler Ausbeutung der Natur zu nahekommen, auf Menschen über.

Und was machen wir? Wir betreiben Symptombekämpfung, indem wir uns darüber streiten, ob wir uns impfen lassen sollen oder nicht. Wie wäre es mit einer Änderung unserer Lebensart? Wie sieht es mit der Transformation unserer Gesellschaft aus? Wann machen wir uns auf die faszinierende Suche nach neuen Ufern?

Denn schon Gandhi sagte: „Wer einen Fluss überqueren will, muss die eine Seite verlassen.“

Meine alte Liebe

Utrecht, meine Lieblingsstadt der Vielfalt. Vor vielen Jahren arbeitete ich dort mit einer Softwarefirma zusammen als Mitglied eines Entwick...