25 Juli 2020

Über unseren öffentlichen Grünraum

Letztens war ich in unserem Ort unterwegs, um die Pflanzen in unseren Blumenbeeten, Baumscheiben und sonstigen Grünflächen soweit ich konnte, zu bestimmen. Was ich sah, möchte ich hier wiedergeben.

Da ist das Indische Blumenrohr. Es blüht im Sommer und Herbst. Es ist pflegeleicht und resistent gegen fast alle Schädlinge.


Reitgräser. Sehr sonnenverträglich.

Die majestätische Königskerze.

Die bienenfreundliche Prachtscharte. Auch der Sonnenhut ist hier dabei. Pflegeleicht und bienenfreundlich.

Der Fingerstrauch. Er blüht sogar im rauen Tibet.

Die Waldhortensie. Sehr pflegeleicht und schädlingsresistent.

Der Blutweiderich. Manche sehen ihn als Unkraut. Was ist das überhaupt: Unkraut. Darüber kann man nachdenken.

Die Perilla, auch Schwarznessel genannt. 

Auch gesehen: den Fächerahorn. Ein hauch von Japan. 

Der Straucheibisch, eine Unterart der Malvengewächse. Auch Hibiscus genannt.

Weißer Beifuß. Auch Cudweed genannt.

Die gute alte Schafgarbe

Man kann die Natur getrost auch mal sich selbst überlassen. 

Das hier ist wohl der Regulierung etwas zuviel. 

Auch Entwicklungsgebiete haben wir noch.

Das hier ist schon sehr gut entwickelt.

Der Kreisverkehr bei Billa/Hofer. 

Soweit ich feststellen konnte, sind die Pflanzen - mit Ausnahme der "Entwicklungsgebiete", die wohl noch am Programm stehen - sonnenfest und nicht übermäßig wasserbedürftig. Allen genügt wöchentliches Gießen. Wichtig in unseren Zeiten. Und schön sind sie allemal. Auch, wenn sie keine kleinen, bunten Blümchen sind.


19 Juli 2020

Womit wir konfrontiert sind - Was getan wird.


Womit wir konfrontiert sind

Was getan wird
Im Pazifik treibt eine Plastikinsel in der Größe Frankreichs. Die Tierwelt leidet darunter. Vögel und Fische verhungern, weil sie ihre Mägen mit Plastikabfällen vollgestopft haben. Plastiknahrung landet schlussendlich auf unseren Tellern.
Besonders besorgniserregend ist die Gruppe der hormonell wirksamen Substanzen, zu denen auch viele Weichmacher gehören. Diese Stoffe ähneln den körpereigenen Hormonen und bringen das Hormonsystem des Körpers aus dem Gleichgewicht. Eine Vielzahl von Erkrankungen und Störungen wird damit in Verbindung gebracht. Dazu gehören Brustkrebs, Unfruchtbarkeit, verfrühte Pubertät, Fettleibigkeit, Allergien und Diabetes.
Waschmittel, die die Wäsche in den herrlichsten Farben schimmern lassen, Spülmittel, die das Geschirr funkeln und glänzen lassen wie Diamanten. Autos, die als Inseln der Seligkeit über Gebirge mit blitzend weißen Gletschern und durch unberührte Wälder gleiten. Die Werbung erzählt von einer Welt, die es längst nicht mehr gibt. Menschen sitzen vor ihren Bildschirmen und starren fasziniert und manipuliert auf diese Märchen wie Kinder. Und sie wollen das alles gleich jetzt, weil es so schön glänzt, weil es so schön sauber ist, weil es so wunderbar harmonisch scheint.





Es ist absehbar, wann es keine Seltenen Erden für unsere Computer und kein Silizium für unsere Batterien mehr geben wird. Keinen Sand für unsere Betonbauten, kein Klima mehr, in dem Menschen leben können. Es ist absehbar, wann die Ozeane statt Kohlenstoffspeicher zu Kohlenstoffemittenten werden. Möglicherweise sind Kipppunkte zur unkontrollierten Erderhitzung bereits überschritten. Möglicherweise ist die Menschendämmerung bereits angebrochen.

Die Folgen der letzten katastrophalen Unfälle mit Öltankern oder der Untergang der Bohrinsel Deepwater Horizon sind noch nicht überwunden. Und noch immer bevölkern Öltanker die Meere. Im Gestern verhaftete Manager der Autoindustrie wollen Abwrackprämien alter Benzinautos. Nicht aus Umweltschutzgründen, sondern um den Autoumsatz noch mehr zu steigern. Um noch mehr Boni zu kassieren, zum Lohn für ihren Beitrag, unsere Welt gegen die Wand zu fahren. 
In wenigen Jahrzehnten ist es der motorisierten Gesellschaft gelungen, mehr Land zu versiegeln als in der gesamten Geschichte menschlicher Zivilisation und doch ist das nicht genug für viele Politiker und Konzernmanager, weil das Wirtschaftswachstum ungebrochen gewährleistet werden muss. Die SUVs müssen Platz haben, die Kreuzfahrtschiffe und Flugzeuge müssen ihre Touristenherden transportieren.
Es hat nie den blauen Himmel gesehen, hat nie den kühlenden Regen nach einem sonnigen Tag auf seiner Haut gespürt, hat nie zwischen Blumen und Gräsern den Wind flüstern gehört. Sein kurzes Leben verbringt es in einem engen, dunklen Verschlag, am Ende wird es in einen Container gepfercht, den es sich mit vielen anderen seiner Leidensgenossen teilt und ohne Wasser und Nahrung zur Schlachtung transportiert. Es wird sich wünschen, zu sterben. Am Ziel angekommen, hört das Leiden nicht auf, sondern fängt erst an. Wenn es Pech hat wird es noch nicht getötet, sondern – aufgehängt an Ketten - durch die Luft gehievt und landet im Container eines Frachtschiffes. Die Qual beginnt aufs Neue. Das Endziel ist die Schlachtung. Wenn es Glück hat, funktioniert die Betäubung. Zuvor hört es noch die Todesschreie der anderen, die noch halb am Leben sind und ihren schrecklichen Tod miterleben. Es weiß, was ihm bevorsteht. Es empfindet Schmerz und Leid wie wir Menschen. Es weiß nicht, warum ihm das alles angetan wird.







Der Metzger hält ein rosiges, saftiges Steak in der Hand und preist es an. Zartes, vorzügliches Fleisch und spottbillig. Da muss man doch zugreifen oder nicht?
Gib uns unser täglich Fleisch.

Australien brennt. Jahrelange Trockenheit – ausgelöst durch die Klimakrise – haben den Wald zu einem einzigen großen Brandherd werden lassen. Tausende Tiere kommen in den Flammen qualvoll um. Herzergreifende Bilder angesengter, verängstigter Koalas und Kängurus gehen um die Welt. Auch viele Menschen sterben. Es gibt tausende Flüchtlinge innerhalb Australiens.
Während das hier geschrieben wird (Juli 2020), trifft die Nachricht ein, dass im Amazonasgebiet bereits jetzt mehr Fläche verbrannt ist als im Brandjahr 2019. Infolge Corona kümmert sich niemand darum. Die Indigenen sterben.

Der Regierungschef Australiens eröffnet eines der größten Kohlebergwerke der Welt.







Der Regierungschef Brasiliens unternimmt nichts. Weder gegen die Corona Krise, noch gegen das Abfackeln des Regenwaldes. Denn Corona rafft die Indigenen hin, womit ein lang gehegter Wunsch von ihm in Erfüllung geht. Und den Regenwald will er zugunsten der Agrar- und Bergbauindustrie ohnehin los erden.
Man könnte diese Liste noch fortsetzen. Kriege, Waffenhandel, Steuersümpfe, Korruption, Steigen des Meeresspiegels, Ausbreitung der Wüsten und vieles mehr.
Es gibt keine Alternative
Warum sind wir nicht in der Lage, die Zeichen zu erkennen und umzukehren? Gewisse Wirtschaftsexperten beantworten diese Fragen ohne zu zögern: Weil die Wirtschaft wachsen muss, und zwar um jeden Preis, auch um den der Menschlichkeit. Sonst verarmen wir alle. Befreit die Wirtschaft noch mehr vom Diktat der Steuern und Zölle und alles wird gut. Der Markt regelt alles zu unserem Besten. „Es gibt keine Alternative.“ Seit Margret Thatcher das Killerargument der Gläubigen einer „entfesselten“ Marktwirtschaft. Andrea Merkel sagte, die Demokratie müsse marktkonform werden. Nein, kein Versprecher. Sie meinte nicht, der Markt müsse demokratiekonform werden.
Hat eine solche Welt überhaupt noch Überlebenschancen?
Ja, wenn ein Teil der Weltbevölkerung die Zeichen erkennt, der Wissenschaft Glauben schenkt, die unglückseligen Konsumzwänge auflöst und eigene Gedanken zur Rettung der Welt entwirft. Dieser Teil muss nicht groß sein. Es reichen zehn Prozent. Wenn diese zehn Prozent, zumal wenn sie aus Wohlhabenden bestehen, ihr Konsumverhalten ändern würden, könnte die Wende eingeleitet werden. Diese Konsumenten könnten jene Kräfte stärken, die das Gefasel vom unendlichen Wachstum, die Lügenmärchen über eine Erde, die auf wundersame Weise permanent ihre Ressourcen erneuert und sie uns wie im Schlaraffenland zur Verfügung stellt als das entlarven, was sie sind: Lug und Trug.
Die Erfahrungen aus der Pandemie als Basis für einen Neuanfang.
Tim Jackson, ein britischer Professor für Nachhaltige Entwicklung an der Universität von Surrey ist davon überzeugt, dass die derzeitige Krise die einmalige Gelegenheit bietet, die alten Wirtschaftsmodelle zu überarbeiten. Ein Großteil dessen, was als Reaktion auf die Pandemie in rasender Geschwindigkeit auf die Beine gestellt wurde kann als Fundament für eine weiter reichende und grundlegende Erneuerung dienen.
Widerstandsfähigkeit stärken statt Wachstum fördern.
Und Dennis Meadows, der die Welt bereits 1972 mit der Studie über die „Grenzen des Wachstums“ aufrüttelte, sagt, dass der wahre Wohlstand des Durchschnittsbürgers schon seit Jahren zurück geht. Das sei nur noch nicht allgemein anerkannt, weil das Anhäufen gewaltiger Schuldenberge darüber hinwegtäuscht. Er ist davon überzeugt, dass Menschen sich künftig für politische Schritte entscheiden werden, die eher die Widerstandfähigkeit stärken als das Wachstum fördern.
Kreislaufwirtschaft und Konsumbewusstsein.
Interessante Aspekte bringt die Ökonomin Claudia Kemfert ins Spiel. Sie ist eine führende Energieexpertin in Deutschland. Es geht nicht an, weiterhin das fossile Wirtschaftssystem als Primat aufrechtzuerhalten. Auf Kosten sozial Schwacher, der Umwelt und des Klimas stellt es den heutigen Gewinn zukünftigen Generationen in Rechnung. Ihre drei Strategien sind: Effizienz, also möglichst wenig Ressourcenverbrauch, Genügsamkeit, also Konsumbewusstsein und Kreislaufwirtschaft, wie sie die Natur uns so wunderbar vormacht. Eine Welt ohne Abfälle, in der alles wiederverwertet wird.
(aus „Die Zeit“ vom 9.7.2020)

Es wird Mut brauchen. Mutige Politiker, aber auch mutige, engagierte Bürgerinnen und Bürger. Es wird auch nicht einfach werden, die Macheliten, die es sich seit Jahrzehnten bequem gemacht haben, zu einer Richtungsänderung zu bewegen. Aber es geht, wenn wir daran glauben. Treten wir aus der Gemeinschaft des Wachstumsfundamentalismus aus und konvertieren wir zur Gemeinschaft des guten Lebens in Harmonie mit der Erde.


07 Juni 2020

Die fünfte Generation - Die Diskussion wird lauter.


Unsere Zukunft ist verknüpft mit dem Austausch von Daten. Selbstfahrende Autos, künstliche Intelligenz, datenbasierte Medizin, Smart Grids in der Energiewirtschaft oder das Internet der Dinge. Es gibt wohl keine ernst zu nehmende, positive Zukunftserzählung, die ohne Datenverarbeitung - ohne schnelle Datenverarbeitung - auskommt.

Österreich hat es sich zum Ziel gesetzt, bis Ende 2023 5G-Dienste auf den Hauptverkehrsverbindungen möglich zu machen und bis Ende 2025 eine flächendeckende Verfügbarkeit von 5G zu erreichen.

Angesichts dieser weltweiten Unumkehrbarkeit einer Entwicklung, die ja schon vor Jahrzehnten begonnen hat, erscheint es besonders unangenehm, wenn immer klarer wird, dass die gesundheitlichen Konsequenzen von Mobilfunkstrahlung seit langem unklar sind.

Das österreichische Parlament hat diesbezüglich beim Institut für Technikfolgen-Abschätzung (ITA) der Österreichischen Akademie der Wissenschaften eine Studie in Auftrag gegeben, die nun vorliegt.

Daraus geht hervor, dass das Thema in der Wissenschaft nach wie vor kontrovers diskutiert wird.  Übereinstimmung herrscht lediglich darüber, dass es zur gesundheitlichen Relevanz hochfrequenter elektromagnetischer Felder des etablierten Mobilfunks noch Wissenslücken und Unklarheiten gibt.  Die Uneinigkeit in der Wissenschaft wird sich auch so schnell nicht ändern.

So ist zu hoffen, dass geeignete Schutzmaßnahmen gefunden und diese auch mit der Bevölkerung glaubwürdig und transparent kommuniziert werden.


Karl Wagner


03 Juni 2020

Plastik-Gipfel - Jede Lobby hat ihre Ziele

Umweltministerin Leonore Gewessler lud zum Plastik-Gipfel. Bekanntermaßen haben wir ein Problem mit Müll in der Natur. Laut der Umweltministerin sind ein großer Teil davon Getränkeverpackungen. Das haben offenbar auch alle EU-Staaten erkannt, sodass sie eine EU-Einwegplastik-Richtlinie ins Leben riefen, die besagt, dass bis 2029 die Sammelquote bei Plastikflaschen auf 90 Prozent erhöht sind muss. In einem Zwischenschritt müssen bis 2025 insgesamt 77 Prozent getrennt gesammelt werden. Die aktuelle Quote in Österreich liegt bei 70 Prozent.

Vierzig Experten berieten darüber am Runden Tisch. Strittig ist dabei vor allem ein Thema: Braucht es ein Geränkepfand für die 1,6 Milliarden Plastikflaschen, die in Österreich pro Jahr in Umlauf kommen?

Ein Pfandsystem ist die beste Variante.
In einer vom Umweltministerium in Auftrag gegebenen Studie des Technischen Büros Hauer, der Universität für Bodenkultur und der Montanuniversität Leoben schnitt die Variante mit Pfandsystem am besten ab. In Auftrag gegeben wurde sie noch unter Vorgängerin Elisabeth Köstinger (ÖVP), veröffentlicht im Jänner von der neuen Chefin. Mit Varianten, die auf besseres Sammeln und Aussortieren von Plastik aus Restmüll setzen, könne man die vorgeschriebenen Quoten nicht erreichen, lautete das Fazit.

Befürworter und Gegner.
Dafür sind NGOs wie Global 2000, Greenpeace, Alpenverein oder Naturfreunde. Auch die Arbeiterkammer hat sich dafür ausgesprochen. Klar dagegen positionieren sich Wirtschaftskammer, Recycling-Marktführer ARA, Handel und Getränkeindustrie. Sie wehren sich mit eigenen Zahlen. Ein Pfandsystem bedrohe laut Berechnungen der Wirtschaftskammer viele kleine Händler und bringe für einen kleinen Standort Mehrkosten von 10.000 Euro im Jahr. Insgesamt verursache ein Pfandsystem hohe Kosten bei wenig Nutzen. Sinnvoller seien bessere Sammelsysteme. Außerdem, so die Conclusio der Gegner, seien die Kosten für die Anschaffung von Pfandautomaten, zu niedrig angesetzt (wirklich? Bei einer Ausweitung des Pfandsystems können die Preise der Installierung durchaus sinken. Die Nachfrage macht´s. It´s the economy, stupid!)

Wir sollen verwirrt sein?
Handelsverband-Geschäftsführer Rainer Will erklärte, ein Einwegpfandsystem verwirre die Konsumenten, die gelernt haben, Müll zu Hause zu sortieren. Was für ein interessantes Menschenbild dieser Mann von uns hat. Wir sollen uns von einem Pfandsystem verwirren lassen? Sind wir debil? Wohl nicht. Sehr wohl aber etwas schlampig beim Trennen und Entsorgen, sonst würde nicht so viel Müll in der Natur landen.

Jede Lobby verfolgt ihre Interessen.
Aber was kümmert das die Lobbys der Industrie und der ARA? Die ARA will entsorgen, denn davon lebt sie. Handel und Getränkeindustrie wollen Profit mit möglichst wenig Kosten. Die Plastikindustrie wird wohlwollend zustimmen. So verfolgen eben alle ihre Interessen und sind weiterhin dabei, die Welt kostengünstig gegen die Wand zu fahren.

Das Interesse der ÖVP hält sich in Grenzen.
Übrigens: Der Umweltsprecher der ÖVP, Johannes Schmuckenschlager, erschien am Runden Tisch gar nicht erst, "weil das Ergebnis ohnehin schon feststeht". Im Regierungsprogramm wurde das Thema Pfand ausgespart.

Europa geht in Richtung Pfand.
Innerhalb Europas jedenfalls geht es in Richtung Pfand. Zehn Länder haben es, neun haben die Einführung beschlossen. Die Rücklaufquote in diesen Ländern liegt bei 80 Prozent, in Deutschland sind es gar 98 Prozent. Offenbar ist die dortige Bevölkerung nicht so leicht zu verwirren wie wir.

Karl Wagner

Quelle: Salzburger Nachrichten vom 3.6.2020




23 Mai 2020

Die Wissenschaft. Gegnerin oder Verbündete? Je nachdem...



Dieser Beitrag enthält keine Antworten.

Die Erderhitzung ist eines der am besten erforschten Phänomene. Nach einigen Jahrzehnten steht der menschliche Anteil daran fest. Neunundneuzig Prozent der weltweiten Forschung – vertreten durch das International paneel on climate change (IPCC) sagen uns, dass wir bis 2050 keine Treibhausgase mehr produzieren dürfen. Dazu müssen wir von fossilen Brennstoffen Abstand nehmen. Eine Energiewende hin zu erneuerbaren Energiequellen ist die einzige und letzte Chance, um unser Überleben auf der Erde zu sichern.

Es ist schon erstaunlich, dass wir uns – nachdem wir der Wissenschaft und Forschung nachweislich so viel verdanken – Gesundheit, Hygiene, Medizin, Weltraumerforschung, Waschmaschine, Computer, Handy, Automobil, Energie, Glühlampen, Telefon und was weiß ich, was noch alles – so schwer tun, ihr die Klimakrise abzunehmen. Nun ja, jetzt nicht mehr so wie früher, immerhin merkt man das auch in Österreich am letzten Wahlergebnis, das uns Grüne aus dem Outback direkt in die Regierung katapultierte. Aber trotzdem.

Erstaunlich ist es auch, betrachtet man die Gläubigkeit hinsichtlich der Homöopathie. Klar, die hat mit der Klimakrise nichts zu tun, wohl aber mit Vertrauen zur Wissenschaft an sich. Menschen, die an die Wirksamkeit der Homöopathie glauben, verachten den größten Teil der Wissenschaft. Denn die ist diesbezüglich mehr als skeptisch. Gleichzeitig glauben viele der Homöopathiegläubigen an das Vorhandensein der Klimakrise und verdammen alle, die ihnen da nicht folgen als Klimaleugner, als Fakenewsverbreiter, ja als verbrecherische Opportunisten, die unsere Welt gegen die Wand fahren werden. Und mit Recht, wie ich meine. Heutzutage noch immer den menschenverursachten Klimawandel nicht zu sehen, zeugt entweder von extremer Uninformiertheit und Ignoranz oder von verbrecherischer Leugnung wider besseres Wissen.

Ein weiteres interessantes Thema ist das Impfen. In unseren Breiten gibt es keine Kinderlähmung und fast keine Masern mehr. Auch die Diphterie hat sich schon länger bei uns nicht mehr gemeldet. Verdanken dürften wir das wohl der Impfung. Dank der medizinischen Forschung ist eine ganze Liste gefährlicher Krankheiten bei uns ausgerottet. Und doch gibt es eine Impfgegnerschaft. Eine Minderheit, die es sich zur Aufgabe gemacht hat, fast missionarisch auf die Verderblichkeit von Impfungen hinzuweisen.

Fassen wir also zusammen:

Alle Klimaforscher, Physiker, Chemiker, Meteorologen und andere Naturwissenschaftler, die sich mit der Erderhitzung befassen, sind ehrlich, integer und unbestechlich. Bis auf das eine Prozent, das den Klimawandel leugnet.

Alle Mediziner, Pharmakologen, Virologen, Epidemiologen, etc… sind von der Pharmaindustrie bestochen oder skrupellose Geschäftemacher. Bis auf die Minderheit der Homöopathiebefürworter oder die Minderheit der Impfgegner unter ihnen.

Kann man sich mit diesem Rückschluss wohl fühlen? Eher nicht. Aber wie schon eingangs erwähnt: Antworten gibt es hier nicht.

08 Mai 2020

Gott spielen



Im Jahr 2031 rast ein Zug um die Welt. An Bord sind die einzigen Überlebenden. Sie würden sterben, wenn der Zug anhielte. Denn Wissenschaftler hatten ein Jahrzehnt zuvor versucht, mit Chemikalien in der Erdatmosphäre den Klimawandel zu stoppen. Der Ausgang des Experiments war fatal. Die Forscher leiteten eine globale Eiszeit ein. Das ist der Plot der Hollywood-Distopie „Snowpiercer“.
Tatsächlich versuchen sich Forscher heute als Weltingenieure, die in globale Naturprozesse eingreifen. Geoengineering wird auch in vernünftigen Wissenschaftskreisen durchaus ernst genommen.
Die Möglichkeiten technischer Klimamanipulationen sind vielfältig, wobei das Anpflanzen von Biomasse noch zu den bodenständigeren Varianten gehört. Dazu wären riesige Flächen nötig, die dann für die Ernährung verloren wären. Denn diese Pflanzen würden nach der Ernte verbrannt und das dabei entstehende Kohlendioxid aufgefangen und unterirdisch deponiert werden. Zu den radioaktiven Abfällen aus unseren Atomkraftwerken kämen dann noch als kleine Draufgabe Massen von CO2 dazu.
Selbst das massenhafte Anpflanzen von Wäldern als CO2-Speicher findet nicht nur Fürsprecher, weil dadurch helle Flächen dunkler werden und die Erde somit mehr Wärme aufnehmen würde.
Gravierender sind Gedankenspiele über Mauern am Meeresboden. Bis zu 100 Meter hohe Mauern im Meer vor Gletschern sollen das warme Wasser am Meeresboden davon abhalten, in das Eis einzudringen und es zum Schmelzen zu bringen. Manche Gletscher sind 100 Kilometer breit, das Baumaterial würde alles in den Schatten stellen, was auf der Erde je erbaut wurde.
Es gibt noch weitere phantastisch anmutende Ideen wie das Ausbringen von Schwefelpartikeln in der Atmosphäre, um Sonnenlicht fernzuhalten oder das Aufhellen von Wolken durch Aufwirbeln von Aerosolen über den Ozeanen.
„Hybris“ oder auch „Playing God“ nennen Kritiker diese Eingriffe in die Natur, also in die Klima- Wasser- und Lebenskreisläufe des Planeten, wobei die Wissenschaft derzeit noch weit davon entfernt ist, diese Kreisläufe wirklich zu verstehen. Wenn es beispielsweise in China kühler wird, gehen dann in Indien die Reisfelder kaputt? Wer entscheidet, was wie wo und wie lange gemacht wird?

Wir müssten dazu eine Weltregierung haben, die gegen jegliche Form von politischer Einflussnahme das Geoengineering regulieren würde. dazu kommt, dass das nie testbar sein wird. es gibt keinen Testfall, es gibt nur den Anwendungsfall (Lilli Fur von der Heinrich-Böll-Stiftung).

Schwerwiegend ist auch, dass die Menschen versuchen könnten, mit Geoengineering ihre Maßlosigkeit und Brutalität, mit der sie die Ressourcen der Erde verbrauchen, zu rechtfertigen .

 Jemand schrieb einmal, dass unsere technischen Errungenschaften unserer geistigen Entwicklung weit voraus seien. Erich Kästner verdanken wir die Erkenntnis, wir seien immer noch die alten Affen, nur dass wir nicht mehr auf den Bäumen hocken und Wasserklosetts haben. 
Zugegeben, wir sind dabei, die Differenz zu verringern. Es müsste nur schneller gehen.



02 Mai 2020

Aus dem Parlament - Für die Umwelt

Blick Richtung SitzungsteilnehmerInnen mit erweitertem Sitzabstand im Plenum und auf der Besuchergalerie



Der Nationalrat beschloss parteiübergreifend, die Klimaschutzmaßnahmen der Regierung zu unterstützen. Ein gutes Zeichen und ein Schritt, der Hoffnung macht. Die Zivilgesellschaft muss das weitere diesbezügliche Vorgehen im Auge behalten und keinen Zweifel daran lassen, dass Klimaschutz nach wie vor ein wichtiges Anliegen ist. Damit unterstützen wir unsere Gesundheitsministerin und alle in der Regierung und in den Ämtern, denen an einer menschengerechten Umwelt gelegen ist. Hier der Originaltext aus der Parlamentskorrespondenz.

Umwelt
So hat sich der Nationalrat für ambitionierte Klimaschutzmaßnahmen zum Erreichen der Klimaziele ausgesprochen. Das Vorhaben der Regierung, verschiedene Sektoren wie das Energiesystem und den Infrastrukturbereich klimagerecht umzubauen, CO2-Emissionen weiter zu reduzieren und systematische Klimachecks durchzuführen, soll unterstützt werden. Nicht nur Gesetze und Verordnungen, auch Förderrichtlinien und Investitionen des Bundes sollen demnach auf ihre Klimaverträglichkeit abgeklopft werden. Auch im Unterricht sollen Klima- und Umweltschutz eine gewichtigere Rolle spielen.
Grundlage waren dafür zwei Anträge der SPÖ, die selbst jedoch keine Mehrheit fanden. Zum einen hat die SPÖ die Diskussion rund um einen geplanten Busparkplatz am Innsbrucker Hofgarten aufgegriffen, um Klimachecks vor der beabsichtigten Versiegelung von Flächen, die dem Staat gehören oder vom Bund verwaltet werden, einzumahnen. Zum anderen ging es der SPÖ um die Einhaltung der gesetzlichen Vorgaben des Klimaschutzgesetzes und des Finanzausgleichsgesetzes.
Auch das im Regierungsprogramm verankerte Bekenntnis zu gesunden Böden und zu einer zukunftsfähigen Raumordnung wird von Seiten der Abgeordneten breit unterstützt. Konkret spricht sich der Nationalrat für die Erarbeitung einer österreichweiten Bodenschutzstrategie, ein bundesweites Monitoring zum Bodenverbrauch, eine Stärkung der überregionalen Raumplanung und die Förderung von Brachflächenrecycling aus. Ausgangspunkt für diesen Vorstoß bildete ein NEOS-Entschließungsantrag für eine Bundesstrategie für Raumordnung und Flächenmanagement sowie ein entsprechendes Bundesrahmengesetz, der im Plenum in der Minderheit blieb.

Meine alte Liebe

Utrecht, meine Lieblingsstadt der Vielfalt. Vor vielen Jahren arbeitete ich dort mit einer Softwarefirma zusammen als Mitglied eines Entwick...