25 September 2020

Ökotourismus statt Rinderweide

In unserer von schlechten Nachrichten und Hiobsbotschaften überlaufenen Medienwelt tut es gut, einmal etwas lesen zu können, das in der realen Welt öfter vorkommt, als es die Nachrichten vermuten lassen. Etwas Gutes, hervorgebracht von einfachen Menschen, die erkannt haben, dass sie mit der Natur besser leben können als gegen sie.

Zum Beispiel Alfonso Ovalle in Kolumbien. Er kaufte 1995 ein Grundstück im Caquetá, einer Region im Süden Kolumbiens. Wie alle anderen dortigen Grundbesitzer rodete er den Dschungel, um Rinderzucht zu betreiben. Davon wollte er sich und seine Familie ernähren. Zusätzlich hatten die Kleinbauern noch den Coca-Strauch als hochrentables Ergänzungseinkommen entdeckt, das es ihnen ermöglichte, die Kinder in die Schule zu schicken und sich den einen oder anderen Luxus zu leisten.

Um diese Zeit war Krieg in Kolumbien und Caquetá in der Hand der Rebellenorganisation FARC. Die Herrschaft der FARC verhinderte, dass die Armee den illegalen Coca-Handel unterbinden konnte. 

Zwei Jahrzehnte später entdeckte Alfonso Ovalle im Wald das Paradies. Er ließ seinen gerodeten Grund wieder zuwachsen, um Touristen dieses Paradies zur Verfügung zu stellen. Eine neue, ökologische Einnahmequelle war gefunden. Wenn er auch in seiner Umgebung für verrückt gehalten wurde. In Kriegszeiten Tourismus? Ja, denn genau die FARC, die illegalen Coca-Handel unterstützte, schützte jetzt den Wald vor illegalen Jägern und Holzfällern. 

Als das Friedensabkommen zwischen Regierung und FARC unterzeichnet wurde, hat sich die Besucherzahl vervielfacht. Die Mühe und das Durchhalten hatte sich gelohnt. Und andere machten es ihm nach. 

Auch das Naturreservat El Horeb ist Produkt einer Privatinitiative. Etwa 100 Hektar unberührter Urwald, der vor einigen Jahren von den Mitarbeitern der nahe gelegenen Vicaria Sur, einer Missionsstation des Frauenordens Claret aufgekauft wurde. Einer davon ist der diplomierte Tierzüchter Guillermo Vargas. Horeb, das ist der heilige Berg in der Bibel. Der Rundgang für die Touristen beginnt bei einer Quelle, deren Namen "Der Kuss der Pacha Mama" ist. Hier wird Mutter Erde um die Erlaubnis gebeten, den Weg durch sie fortsetzen zu dürfen. 

Auch Rubén Dario Polo nutzt die Natur, ohne sie zu zerstören. Während er Touristen über den Rio Orteguaza schippert, erzählt er ihnen die Geschichte des Caquetá. Eine Geschichte über den Beginn des Gummi-Booms und der Überfall Perus in den frühen 1930ern, das sich die Kautschuk-Plantagen aneignen wollte.

Überall in der Welt wollen Menschen die Natur genießen. Besonders, wenn sie ursprünglich geblieben ist. Auch bei uns. Erhalten wir also die Natur, wo immer es geht. Ursprünglich ist sie bei uns in Europa zwar nicht mehr, aber lebenswichtig allemal. 


Quelle: Salzburger Nachrichten vom 24.9.2020


24 September 2020

Der "One Health-Ansatz"



Weil derzeit wieder so viel die Rede ist von Impfung, Masken, allen möglichen richtigen und falschen Maßnahmen. Ein Karneval an Meinungen. Kein Tag vergeht, ohne dass einem genau erklärt wird, warum welche Statistik irreführend ist und nach welcher man sich richten soll. Warum die Ampel Sinn macht oder warum nicht, abhängig davon, auf welcher Seite man steht. Was mir dabei auffällt ist: Alle reden über Symptombekämpfung.

Es wird Zeit, wieder einmal daran zu erinnern, dass es für diese Pandemie eine Ursache gibt. Es handelt sich hier nämlich um eine Zoonose, d.h. eine Krankheit, die von Wildtieren auf Menschen überspringt. Möglich wird das, wenn Menschen einen besonders engen Kontakt zu Wildtieren haben. Und den haben wir. Allerdings nicht, weil wir Tiere so sehr lieben, sondern weil wir Krieg gegen die Natur führen und Lebensräume anderer Lebewesen permanent vernichten. Das hat uns nicht nur die Klimakrise beschert, sondern auch Covid-19. Zoonosen sind nichts Neues. Ebola, HIV, Anthrax-Sporen und vieles mehr hat es immer schon gegeben. Die Wissenschaft hat etwa 3000 Viren beschrieben. Es soll aber Millionen davon geben. In Wirklichkeit hat man keine Ahnung, was da noch auf uns zukommt.

Um auf die Ursache zurückzukommen:
"Wir müssen uns bewusst sein, dass wir Teil des Problems sind, weil wir es waren, die diese Situation geschaffen haben. Der Mensch misshandelt die Erde, raubt den Tieren wichtige Freiräume, verkauft Wildtiere auf Märkten in Großstädten, die wegen mangelnder Hygiene, Armut und sozialer Ungleichheit ein einziges Pulverfass sind."
Ilaria Capua, Virologin. Sie leitet das Zentrum "One Health" der Universität von Florida.

Es ist die gleiche Eigenschaft, die uns schon die Klimakrise beschert hat. Die gierige Ausbeutung der Erde. Die Unempfindlichkeit gegenüber dem Leiden von Mensch, Tier und Natur.

Denn nicht nur in Urwäldern können Krankheiten ausbrechen. Nicht nur auf Tiermärkten wie jenem im chinesischen Wuhan. Sondern auch in vollgestopften Schweineställen bei uns.

Der Ohne-Health-Ansatz der WHO: Die Gesundheit von Tieren, Menschen und der Umwelt gehört zusammen. Wenn man Probleme wie verunreinigte Lebensmittel, multiresistente Keime oder eben Zoonosen wirklich lösen will, geht das nur, wenn man die Systeme in ihrer gesamten Komplexität erfasst.

Das heißt nichts anderes, als dass wir unser Leben ändern müssen. Unsere Konsumgewohnheiten, unsere Ernährung, unsere Gier nach immer mehr von allem. Das heißt aber auch, dass wir die Politiker wählen müssen, die die Rahmenbedingungen dafür schaffen, damit wir das auch können.


Karl Wagner


06 September 2020

Blackout - ein Thema für die Gemeinde

 

Wie ein Verrückter riss Piero Manzano das Lenkrad herum, während die Kühlerhaube seines Alfa unbeirrt auf den blassgrünen Wagen vor ihm zu glitt. Er stemmte beide Arme gegen das Lenkrad, glaubte das hässliche Geräusch schon zu hören, mit dem sich zwei Karosserien ineinander verkeilen. Bremse, schlitternde Reifen, im Rückspiegel die Lichter des Autos hinter ihm, gleich der Aufprall. Die Straße war stockfinster, Ampeln, eben noch grün, waren verschwunden, hinterließen nur ein schemenhaftes Nachleuchten auf Manzanos Netzhaut. 

Soweit der Beginn von Marc Elsbergs Roman „Blackout“. Die folgenden 800 Seiten geben einen spannenden Anschauungsunterricht, was alles passiert, wenn der Strom ausfällt:

  • Elektronische Bezahlung funktioniert nicht. Abheben vom Bankomat –Fehlanzeige. Möglicherweise auch nicht das Auszahlen von Geld am Bankschalter. Was macht man ohne Geld?

  • Licht, Wasser, sanitäre Anlagen, Herde, Kühlschränke, Heizung, Buchungs- und Zahlungssysteme – nichts davon funktioniert. 

  • Hochhäuser sind ohne Wasserversorgung und müssen wegen Seuchengefahr evakuiert werden.  Plötzlich Flüchtling im eigenen Land.

  • Viele Krankenhäuser haben Notstromsysteme für vierundzwanzig Stunden. Und danach?

  • Die Lebensmittelversorgung bricht zusammen, da die Produktion und die Lieferketten still stehen.

  • Die industrielle Tierhaltung stößt an ihre Grenzen, da elektrisches Melken nicht mehr möglich ist. Händisch auch nicht, da für tausende Kühe das Personal fehlt. Um die Tiere nicht qualvoll verenden zu lassen, müssen Massenschlachtungen durchgeführt werden. Die entstehenden Massen an Fleisch, die weder transportiert noch gekühlt werden können, sind ein weiteres Problem.

  • Haben die Menschen zu Beginn der Krise noch gegenseitige Hilfe geleistet, wandelt sich nach etwa eineinhalb Wochen die Hilfsbereitschaft in Banditentum.

Zugegeben, in Elsbergs Roman fällt der Strom in ganz Europa aus und gleich für drei Wochen. So etwas passiert natürlich nur in Geschichten, die man mit wohligem Schaudern liest. In der wirklichen Welt ist so etwas nicht vorstellbar. Wirklich nicht? 


Warnung vor Blackout.

In einem Schreiben der Gesellschaft für Krisenvorsorge (GfKV) an die Bürgermeisterinnen und Bürgermeister während der Corona Krise ist folgendes zu lesen:

„Mit Fortdauer der Ausnahmesituation und der absehbaren wirtschaftlichen Folgen steigt auch die Gefahr für einen europaweiten Strom- und Infrastrukturausfall („Blackout“). Das wäre der Supergau und würde unsere Gesellschaft, die auf ein derartiges Szenario nur unzureichend vorbereitet ist, binnen weniger Tage an die Grenzen der Belastbarkeit bringen.“


Aufforderung zur Eigenvorsorge.

Und Herbert Saurugg, MSc, Experte für die Vorbereitung auf den Ausfall lebenswichtiger Infrastruktur  schreibt im „Kommunal“:


Die Bürgerinnen und Bürger werden sehr viele kritische Fragen an die Bürgermeister stellen, wenn es wie erwartet zu einem derart weitreichenden Ereignis kommen sollte und die Gemeinde nicht ausreichend auf die Bewältigung vorbereitet war. Zwar liegt die Hauptlast der Bewältigung bei der Bevölkerung selbst. Jedoch fehlt es bislang an einer breiten und offenen Risikokommunikation und klaren Aufforderung zur Eigenvorsorge.


Andere wiederum wollen die Gefährlichkeit des Risikos herunterspielen. Peter Püspök, der Präsident des Lobbyvereins Erneuerbare Energie Österreich vertraute noch 2018 in einem Interview auf die Kapazität künftiger Stromspeicher und empfahl, beim Netzausbau äußerst vorsichtig vorzugehen. 

Die APG (Austrian Power Grid) widersprach prompt und führte aus, dass die Schwankungen desto extremer würden, je mehr Wind- und Solarkraftwerke in Österreich stünden. Nun ist die Energiewende in Zeiten der fortschreitenden Klimakrise nicht mehr wegzudenken. Sie muss kommen und zwar schnell, denn viel Zeit haben wir nicht mehr. 

Dass sie ohne Komplikationen über die Bühne gehen wird, erscheint tatsächlich immer zweifelhafter. 

Dass diese Komplikationen noch nicht eingetreten sind, ist keine Selbstverständlichkeit, im Gegenteil. 

Man muss sich wundern,  dass bei dem derzeit erreichten Anteil an elektrischer Energie aus regenerativen Quellen die Stromversorgung immer noch funktioniert.

Wenn auch die Stabilität schon etliche Male nur im allerletzten Moment noch gefunden werden konnte, wie von Experten zu erfahren war. 


"Alles wird gut" vs. "Das Risiko steigt".

Grundsätzlich gibt es immer Diskussionen, wenn die Politik Handlungen setzen muss. So auch hier. Die Netzbetreiber befürchten den Zusammenbruch der Netze, die Ökostrombetreiber wiederum, die Konkurrenz der Gas- und Kohlekraftwerke sehend, stufen das Risiko teilweise als vernachlässigbar ein. Die Wirklichkeit gibt ihnen derzeit Recht, denn passiert ist bisher noch nichts. Aber können wir uns darauf verlassen, dass das so bleibt? Wie lange kann das Netz noch alles ausbalancieren? Ist es verantwortungsbewusst, zu hoffen, dass schon alles gut gehen wird? Oder ist es vielmehr an der Zeit, die Frage nach dem Handlungsbedarf der Gemeinde zu stellen?. 


Anfänge eines neuen Bewusstseins.

Und es gibt Gemeinden, die haben schon etwas getan. Zum Beispiel die Gemeinde Ollersdorf im Burgenland.

Dort werden das Gemeindeamt, das Feuerwehrhaus und die Arztordination ganzjährig mit Sonnenstrom versorgt. Der gewonnene Sonnenstrom wird mittels Salzwasserspeicher gesammelt und gespeichert. Seine Kapazität reicht für mindestens vier Stunden, bei sparsamem Verbrauch auch bis zu 16 Stunden. Im Falle eines Blackouts ein Tropfen auf den heißen Stein, aber auch ein Zeichen des Aufbruchs in ein neues Bewusstsein, dass die Verfügbarkeit von Energie rasch einmal vorbei sein kann. 


Stadt der Zukunft.

Ein sehr viel größeres Projekt ist das im Südburgenland beheimatete Innovationslabor act4energy, welches sich mit der Lösung des Problems der stark fluktuierenden Verfügbarkeit von Erneuerbaren Energien mit Schwerpunkt auf Photovoltaik-Strom-Eigenoptimierung in einer Region beschäftigt und zehn burgenländische Gemeinden zu seinen Partnern zählt. 

Das Innovationslabor soll als Open Innovation Community positioniert werden, welche ein ideales Bindeglied zwischen der Bevölkerung, der Wirtschaft und der Forschung, zu den Themen Erneuerbare Energie, Energieeffizienz und Energie-Verfügbarkeit bilden soll.


Energiewende auf kommunaler Ebene.

Seit 2017 ist es in Österreich möglich, mittels einer “Gemeinschaftlichen Erzeugungsanlage” den Strom, der auf einem Gebäude erzeugt wird allen Bewohnern/Mietern bis zur Grundstücksgrenze bzw. zum Netzanschlusspunkt zur Verfügung zu stellen. Mit der neuen europäischen Richtlinie (“Erneuerbare Energie Richtlinie”) wird es auch über Grundstücksgrenzen hinaus möglich sein, in Gemeinschaft Strom zu produzieren, zu speichern, zu verbrauchen und damit zu handeln.

Die innerstaatliche, rechtliche Grundlage für diese Richtlinie soll bis 31.12.2020 umgesetzt sein. Ziele sind eine Erhöhung des Eigenversorgungsanteils und Stärkung des dezentralen Erzeugungsanteils. 

Aus gutem Grund werden die Gemeinden in den Richtlinien ausdrücklich als Teilnehmer an Erneuerbare-Energie-Gemeinschaften und Bürgerenergiegemeinschaften angeführt. Schließlich sind mit dem Übergang zur dezentralisierten Energieproduktion viele Vorteile verbunden. Zu nennen sind dabei insbesondere die Nutzung vor Ort verfügbarer Energiequellen, eine bessere lokale Energieversorgungssicherheit, kürzere Transportwege und geringere übertragungsbedingte Energieverluste.


Auswirkungen, an deren Eintritt jede Gemeinde Interesse haben muss.


Wertschöpfung in Österreich

Auf kleine Anlagen zu setzen heißt außerdem nicht nur etwas für den Klimaschutz und für die Versorgungssicherheit zu tun, sondern bedeutet auch Wertschöpfung in Österreich. Große Anlagen erfüllen letzteres wohl kaum. Denn die günstigen Module hierfür kommen überwiegend aus Asien. Deshalb ist es so wichtig, innovative, klein strukturierte Photovoltaik-Märkte zu entwickeln.


Man sieht also, die Sorge um die Energiesicherheit wird von mehreren Seiten geäußert und vieles ist im Fluss. Ebenso wie bei der Klimakrise oder der Pandemie kann auch der Gefahr eines Blackouts nur gemeinsam, d.h. seitens Bund, Ländern Gemeinden UND Bürgerinnen und Bürgern , begegnet werden. Auch unsere Gemeinderegierung sollte rechtzeitig Maßnahmen ergreifen. Welche das sein können, darüber muss geredet werden. 



25 Juli 2020

Über unseren öffentlichen Grünraum

Letztens war ich in unserem Ort unterwegs, um die Pflanzen in unseren Blumenbeeten, Baumscheiben und sonstigen Grünflächen soweit ich konnte, zu bestimmen. Was ich sah, möchte ich hier wiedergeben.

Da ist das Indische Blumenrohr. Es blüht im Sommer und Herbst. Es ist pflegeleicht und resistent gegen fast alle Schädlinge.


Reitgräser. Sehr sonnenverträglich.

Die majestätische Königskerze.

Die bienenfreundliche Prachtscharte. Auch der Sonnenhut ist hier dabei. Pflegeleicht und bienenfreundlich.

Der Fingerstrauch. Er blüht sogar im rauen Tibet.

Die Waldhortensie. Sehr pflegeleicht und schädlingsresistent.

Der Blutweiderich. Manche sehen ihn als Unkraut. Was ist das überhaupt: Unkraut. Darüber kann man nachdenken.

Die Perilla, auch Schwarznessel genannt. 

Auch gesehen: den Fächerahorn. Ein hauch von Japan. 

Der Straucheibisch, eine Unterart der Malvengewächse. Auch Hibiscus genannt.

Weißer Beifuß. Auch Cudweed genannt.

Die gute alte Schafgarbe

Man kann die Natur getrost auch mal sich selbst überlassen. 

Das hier ist wohl der Regulierung etwas zuviel. 

Auch Entwicklungsgebiete haben wir noch.

Das hier ist schon sehr gut entwickelt.

Der Kreisverkehr bei Billa/Hofer. 

Soweit ich feststellen konnte, sind die Pflanzen - mit Ausnahme der "Entwicklungsgebiete", die wohl noch am Programm stehen - sonnenfest und nicht übermäßig wasserbedürftig. Allen genügt wöchentliches Gießen. Wichtig in unseren Zeiten. Und schön sind sie allemal. Auch, wenn sie keine kleinen, bunten Blümchen sind.


19 Juli 2020

Womit wir konfrontiert sind - Was getan wird.


Womit wir konfrontiert sind

Was getan wird
Im Pazifik treibt eine Plastikinsel in der Größe Frankreichs. Die Tierwelt leidet darunter. Vögel und Fische verhungern, weil sie ihre Mägen mit Plastikabfällen vollgestopft haben. Plastiknahrung landet schlussendlich auf unseren Tellern.
Besonders besorgniserregend ist die Gruppe der hormonell wirksamen Substanzen, zu denen auch viele Weichmacher gehören. Diese Stoffe ähneln den körpereigenen Hormonen und bringen das Hormonsystem des Körpers aus dem Gleichgewicht. Eine Vielzahl von Erkrankungen und Störungen wird damit in Verbindung gebracht. Dazu gehören Brustkrebs, Unfruchtbarkeit, verfrühte Pubertät, Fettleibigkeit, Allergien und Diabetes.
Waschmittel, die die Wäsche in den herrlichsten Farben schimmern lassen, Spülmittel, die das Geschirr funkeln und glänzen lassen wie Diamanten. Autos, die als Inseln der Seligkeit über Gebirge mit blitzend weißen Gletschern und durch unberührte Wälder gleiten. Die Werbung erzählt von einer Welt, die es längst nicht mehr gibt. Menschen sitzen vor ihren Bildschirmen und starren fasziniert und manipuliert auf diese Märchen wie Kinder. Und sie wollen das alles gleich jetzt, weil es so schön glänzt, weil es so schön sauber ist, weil es so wunderbar harmonisch scheint.





Es ist absehbar, wann es keine Seltenen Erden für unsere Computer und kein Silizium für unsere Batterien mehr geben wird. Keinen Sand für unsere Betonbauten, kein Klima mehr, in dem Menschen leben können. Es ist absehbar, wann die Ozeane statt Kohlenstoffspeicher zu Kohlenstoffemittenten werden. Möglicherweise sind Kipppunkte zur unkontrollierten Erderhitzung bereits überschritten. Möglicherweise ist die Menschendämmerung bereits angebrochen.

Die Folgen der letzten katastrophalen Unfälle mit Öltankern oder der Untergang der Bohrinsel Deepwater Horizon sind noch nicht überwunden. Und noch immer bevölkern Öltanker die Meere. Im Gestern verhaftete Manager der Autoindustrie wollen Abwrackprämien alter Benzinautos. Nicht aus Umweltschutzgründen, sondern um den Autoumsatz noch mehr zu steigern. Um noch mehr Boni zu kassieren, zum Lohn für ihren Beitrag, unsere Welt gegen die Wand zu fahren. 
In wenigen Jahrzehnten ist es der motorisierten Gesellschaft gelungen, mehr Land zu versiegeln als in der gesamten Geschichte menschlicher Zivilisation und doch ist das nicht genug für viele Politiker und Konzernmanager, weil das Wirtschaftswachstum ungebrochen gewährleistet werden muss. Die SUVs müssen Platz haben, die Kreuzfahrtschiffe und Flugzeuge müssen ihre Touristenherden transportieren.
Es hat nie den blauen Himmel gesehen, hat nie den kühlenden Regen nach einem sonnigen Tag auf seiner Haut gespürt, hat nie zwischen Blumen und Gräsern den Wind flüstern gehört. Sein kurzes Leben verbringt es in einem engen, dunklen Verschlag, am Ende wird es in einen Container gepfercht, den es sich mit vielen anderen seiner Leidensgenossen teilt und ohne Wasser und Nahrung zur Schlachtung transportiert. Es wird sich wünschen, zu sterben. Am Ziel angekommen, hört das Leiden nicht auf, sondern fängt erst an. Wenn es Pech hat wird es noch nicht getötet, sondern – aufgehängt an Ketten - durch die Luft gehievt und landet im Container eines Frachtschiffes. Die Qual beginnt aufs Neue. Das Endziel ist die Schlachtung. Wenn es Glück hat, funktioniert die Betäubung. Zuvor hört es noch die Todesschreie der anderen, die noch halb am Leben sind und ihren schrecklichen Tod miterleben. Es weiß, was ihm bevorsteht. Es empfindet Schmerz und Leid wie wir Menschen. Es weiß nicht, warum ihm das alles angetan wird.







Der Metzger hält ein rosiges, saftiges Steak in der Hand und preist es an. Zartes, vorzügliches Fleisch und spottbillig. Da muss man doch zugreifen oder nicht?
Gib uns unser täglich Fleisch.

Australien brennt. Jahrelange Trockenheit – ausgelöst durch die Klimakrise – haben den Wald zu einem einzigen großen Brandherd werden lassen. Tausende Tiere kommen in den Flammen qualvoll um. Herzergreifende Bilder angesengter, verängstigter Koalas und Kängurus gehen um die Welt. Auch viele Menschen sterben. Es gibt tausende Flüchtlinge innerhalb Australiens.
Während das hier geschrieben wird (Juli 2020), trifft die Nachricht ein, dass im Amazonasgebiet bereits jetzt mehr Fläche verbrannt ist als im Brandjahr 2019. Infolge Corona kümmert sich niemand darum. Die Indigenen sterben.

Der Regierungschef Australiens eröffnet eines der größten Kohlebergwerke der Welt.







Der Regierungschef Brasiliens unternimmt nichts. Weder gegen die Corona Krise, noch gegen das Abfackeln des Regenwaldes. Denn Corona rafft die Indigenen hin, womit ein lang gehegter Wunsch von ihm in Erfüllung geht. Und den Regenwald will er zugunsten der Agrar- und Bergbauindustrie ohnehin los erden.
Man könnte diese Liste noch fortsetzen. Kriege, Waffenhandel, Steuersümpfe, Korruption, Steigen des Meeresspiegels, Ausbreitung der Wüsten und vieles mehr.
Es gibt keine Alternative
Warum sind wir nicht in der Lage, die Zeichen zu erkennen und umzukehren? Gewisse Wirtschaftsexperten beantworten diese Fragen ohne zu zögern: Weil die Wirtschaft wachsen muss, und zwar um jeden Preis, auch um den der Menschlichkeit. Sonst verarmen wir alle. Befreit die Wirtschaft noch mehr vom Diktat der Steuern und Zölle und alles wird gut. Der Markt regelt alles zu unserem Besten. „Es gibt keine Alternative.“ Seit Margret Thatcher das Killerargument der Gläubigen einer „entfesselten“ Marktwirtschaft. Andrea Merkel sagte, die Demokratie müsse marktkonform werden. Nein, kein Versprecher. Sie meinte nicht, der Markt müsse demokratiekonform werden.
Hat eine solche Welt überhaupt noch Überlebenschancen?
Ja, wenn ein Teil der Weltbevölkerung die Zeichen erkennt, der Wissenschaft Glauben schenkt, die unglückseligen Konsumzwänge auflöst und eigene Gedanken zur Rettung der Welt entwirft. Dieser Teil muss nicht groß sein. Es reichen zehn Prozent. Wenn diese zehn Prozent, zumal wenn sie aus Wohlhabenden bestehen, ihr Konsumverhalten ändern würden, könnte die Wende eingeleitet werden. Diese Konsumenten könnten jene Kräfte stärken, die das Gefasel vom unendlichen Wachstum, die Lügenmärchen über eine Erde, die auf wundersame Weise permanent ihre Ressourcen erneuert und sie uns wie im Schlaraffenland zur Verfügung stellt als das entlarven, was sie sind: Lug und Trug.
Die Erfahrungen aus der Pandemie als Basis für einen Neuanfang.
Tim Jackson, ein britischer Professor für Nachhaltige Entwicklung an der Universität von Surrey ist davon überzeugt, dass die derzeitige Krise die einmalige Gelegenheit bietet, die alten Wirtschaftsmodelle zu überarbeiten. Ein Großteil dessen, was als Reaktion auf die Pandemie in rasender Geschwindigkeit auf die Beine gestellt wurde kann als Fundament für eine weiter reichende und grundlegende Erneuerung dienen.
Widerstandsfähigkeit stärken statt Wachstum fördern.
Und Dennis Meadows, der die Welt bereits 1972 mit der Studie über die „Grenzen des Wachstums“ aufrüttelte, sagt, dass der wahre Wohlstand des Durchschnittsbürgers schon seit Jahren zurück geht. Das sei nur noch nicht allgemein anerkannt, weil das Anhäufen gewaltiger Schuldenberge darüber hinwegtäuscht. Er ist davon überzeugt, dass Menschen sich künftig für politische Schritte entscheiden werden, die eher die Widerstandfähigkeit stärken als das Wachstum fördern.
Kreislaufwirtschaft und Konsumbewusstsein.
Interessante Aspekte bringt die Ökonomin Claudia Kemfert ins Spiel. Sie ist eine führende Energieexpertin in Deutschland. Es geht nicht an, weiterhin das fossile Wirtschaftssystem als Primat aufrechtzuerhalten. Auf Kosten sozial Schwacher, der Umwelt und des Klimas stellt es den heutigen Gewinn zukünftigen Generationen in Rechnung. Ihre drei Strategien sind: Effizienz, also möglichst wenig Ressourcenverbrauch, Genügsamkeit, also Konsumbewusstsein und Kreislaufwirtschaft, wie sie die Natur uns so wunderbar vormacht. Eine Welt ohne Abfälle, in der alles wiederverwertet wird.
(aus „Die Zeit“ vom 9.7.2020)

Es wird Mut brauchen. Mutige Politiker, aber auch mutige, engagierte Bürgerinnen und Bürger. Es wird auch nicht einfach werden, die Macheliten, die es sich seit Jahrzehnten bequem gemacht haben, zu einer Richtungsänderung zu bewegen. Aber es geht, wenn wir daran glauben. Treten wir aus der Gemeinschaft des Wachstumsfundamentalismus aus und konvertieren wir zur Gemeinschaft des guten Lebens in Harmonie mit der Erde.


07 Juni 2020

Die fünfte Generation - Die Diskussion wird lauter.


Unsere Zukunft ist verknüpft mit dem Austausch von Daten. Selbstfahrende Autos, künstliche Intelligenz, datenbasierte Medizin, Smart Grids in der Energiewirtschaft oder das Internet der Dinge. Es gibt wohl keine ernst zu nehmende, positive Zukunftserzählung, die ohne Datenverarbeitung - ohne schnelle Datenverarbeitung - auskommt.

Österreich hat es sich zum Ziel gesetzt, bis Ende 2023 5G-Dienste auf den Hauptverkehrsverbindungen möglich zu machen und bis Ende 2025 eine flächendeckende Verfügbarkeit von 5G zu erreichen.

Angesichts dieser weltweiten Unumkehrbarkeit einer Entwicklung, die ja schon vor Jahrzehnten begonnen hat, erscheint es besonders unangenehm, wenn immer klarer wird, dass die gesundheitlichen Konsequenzen von Mobilfunkstrahlung seit langem unklar sind.

Das österreichische Parlament hat diesbezüglich beim Institut für Technikfolgen-Abschätzung (ITA) der Österreichischen Akademie der Wissenschaften eine Studie in Auftrag gegeben, die nun vorliegt.

Daraus geht hervor, dass das Thema in der Wissenschaft nach wie vor kontrovers diskutiert wird.  Übereinstimmung herrscht lediglich darüber, dass es zur gesundheitlichen Relevanz hochfrequenter elektromagnetischer Felder des etablierten Mobilfunks noch Wissenslücken und Unklarheiten gibt.  Die Uneinigkeit in der Wissenschaft wird sich auch so schnell nicht ändern.

So ist zu hoffen, dass geeignete Schutzmaßnahmen gefunden und diese auch mit der Bevölkerung glaubwürdig und transparent kommuniziert werden.


Karl Wagner


03 Juni 2020

Plastik-Gipfel - Jede Lobby hat ihre Ziele

Umweltministerin Leonore Gewessler lud zum Plastik-Gipfel. Bekanntermaßen haben wir ein Problem mit Müll in der Natur. Laut der Umweltministerin sind ein großer Teil davon Getränkeverpackungen. Das haben offenbar auch alle EU-Staaten erkannt, sodass sie eine EU-Einwegplastik-Richtlinie ins Leben riefen, die besagt, dass bis 2029 die Sammelquote bei Plastikflaschen auf 90 Prozent erhöht sind muss. In einem Zwischenschritt müssen bis 2025 insgesamt 77 Prozent getrennt gesammelt werden. Die aktuelle Quote in Österreich liegt bei 70 Prozent.

Vierzig Experten berieten darüber am Runden Tisch. Strittig ist dabei vor allem ein Thema: Braucht es ein Geränkepfand für die 1,6 Milliarden Plastikflaschen, die in Österreich pro Jahr in Umlauf kommen?

Ein Pfandsystem ist die beste Variante.
In einer vom Umweltministerium in Auftrag gegebenen Studie des Technischen Büros Hauer, der Universität für Bodenkultur und der Montanuniversität Leoben schnitt die Variante mit Pfandsystem am besten ab. In Auftrag gegeben wurde sie noch unter Vorgängerin Elisabeth Köstinger (ÖVP), veröffentlicht im Jänner von der neuen Chefin. Mit Varianten, die auf besseres Sammeln und Aussortieren von Plastik aus Restmüll setzen, könne man die vorgeschriebenen Quoten nicht erreichen, lautete das Fazit.

Befürworter und Gegner.
Dafür sind NGOs wie Global 2000, Greenpeace, Alpenverein oder Naturfreunde. Auch die Arbeiterkammer hat sich dafür ausgesprochen. Klar dagegen positionieren sich Wirtschaftskammer, Recycling-Marktführer ARA, Handel und Getränkeindustrie. Sie wehren sich mit eigenen Zahlen. Ein Pfandsystem bedrohe laut Berechnungen der Wirtschaftskammer viele kleine Händler und bringe für einen kleinen Standort Mehrkosten von 10.000 Euro im Jahr. Insgesamt verursache ein Pfandsystem hohe Kosten bei wenig Nutzen. Sinnvoller seien bessere Sammelsysteme. Außerdem, so die Conclusio der Gegner, seien die Kosten für die Anschaffung von Pfandautomaten, zu niedrig angesetzt (wirklich? Bei einer Ausweitung des Pfandsystems können die Preise der Installierung durchaus sinken. Die Nachfrage macht´s. It´s the economy, stupid!)

Wir sollen verwirrt sein?
Handelsverband-Geschäftsführer Rainer Will erklärte, ein Einwegpfandsystem verwirre die Konsumenten, die gelernt haben, Müll zu Hause zu sortieren. Was für ein interessantes Menschenbild dieser Mann von uns hat. Wir sollen uns von einem Pfandsystem verwirren lassen? Sind wir debil? Wohl nicht. Sehr wohl aber etwas schlampig beim Trennen und Entsorgen, sonst würde nicht so viel Müll in der Natur landen.

Jede Lobby verfolgt ihre Interessen.
Aber was kümmert das die Lobbys der Industrie und der ARA? Die ARA will entsorgen, denn davon lebt sie. Handel und Getränkeindustrie wollen Profit mit möglichst wenig Kosten. Die Plastikindustrie wird wohlwollend zustimmen. So verfolgen eben alle ihre Interessen und sind weiterhin dabei, die Welt kostengünstig gegen die Wand zu fahren.

Das Interesse der ÖVP hält sich in Grenzen.
Übrigens: Der Umweltsprecher der ÖVP, Johannes Schmuckenschlager, erschien am Runden Tisch gar nicht erst, "weil das Ergebnis ohnehin schon feststeht". Im Regierungsprogramm wurde das Thema Pfand ausgespart.

Europa geht in Richtung Pfand.
Innerhalb Europas jedenfalls geht es in Richtung Pfand. Zehn Länder haben es, neun haben die Einführung beschlossen. Die Rücklaufquote in diesen Ländern liegt bei 80 Prozent, in Deutschland sind es gar 98 Prozent. Offenbar ist die dortige Bevölkerung nicht so leicht zu verwirren wie wir.

Karl Wagner

Quelle: Salzburger Nachrichten vom 3.6.2020




Meine alte Liebe

Utrecht, meine Lieblingsstadt der Vielfalt. Vor vielen Jahren arbeitete ich dort mit einer Softwarefirma zusammen als Mitglied eines Entwick...