Trump vereinbart mit Putin einen Waffenstillstand. Der sieht in ihrer beider gestörter Wahrnehmung aber nur bombenfreie Energieanlagen und Infrastruktur vor. Wohngebiete werden weiterhin bombardiert. Das Schonen von Menschenleben bringt keine steigenden Börsenkurven.
Europa lockert seine Finanzfesseln, damit wieder investiert werden kann. Können wir uns jetzt auf den Schienen- und Bahnausbau freuen? Oder auf die Sanierung von Altbauten, auf die Erzeugung einer Aufbruchsstimmung in der Autoindustrie betreffend E-Fahrzeuge? Oder auf die Erzeugung von Lichtbogenöfen für die Stahlindustrie? Oder auf eine Ankurbelung der Forschung bezüglich KI, Batterieentwicklung, Möglichkeiten zur Kohlenstoffspeicherung und vieles mehr? Oder auch eine Bildungsoffensive vom Kindergarten bis zur Hochschule? Nichts von alledem.
Stattdessen wird in die Herstellung von Panzern, Haubitzen und Raketen investiert.
Man sieht hier genau die Prioritäten. Erst dann, wenn unsere Sicherheit, ja unser Leben in Gefahr sind, wenn wir unseren Untergang vor Augen haben, wenn plötzlich Ost und West zu Feinden werden – erst dann erscheint es uns gerechtfertigt, die berühmte Schuldenbremse zu lösen. Nicht, dass ich dagegen wäre. Ich habe die Bedrohung schon verstanden.
Nur, dass die Klimakrise eine ebenso ernste, ja sogar tödlichere Bedrohung ist. Nur eben eine allmählichere, fernere, für die meisten Menschen noch nicht erkennbare. Wenigstens haben die Grünen 100 Milliarden Euro für den Klimaschutz in die deutschen Aufrüstungsanstrengungen hineinreklamiert, sonst gäbe es nicht einmal das.
Soweit die Realität. Aber nicht unbedingt die Zukunft. Die kann immer auch anders aussehen, als es aus gegenwärtiger Sicht den Anschein hat. Es ist nicht immer alles so, wie es scheint.
Trump könnte für Europa der Turbo sein, der aus der zerstrittenen EU eine homogene Macht werden lässt. Eine Macht, die selbstbewusst Demokratie, Menschenrechte und Natur verteidigt und ihre Strahlkraft in die ganze Welt sendet.
Warum nicht daran glauben und darauf hoffen? Warum nicht aus dem Meer der realen Möglichkeiten sich die beste aussuchen?
Es gibt Anzeichen der Hoffnung in der ganzen Welt.
In Serbien nehmen die Studierenden den Widerstand gegen den Autokraten Vucic in ihre Hände und sind dabei, einen neuen Aufbruch in diesem Land zu initiieren.
In Australien entsteht das weltgrößte Kraftwerk für erneuerbare Energie, das 200 Twh sauberen Strom erzeugen soll. Einmal andere Nachrichten aus Australien als immer nur Hitze- und Flutkatastrophen oder fossile Politik.
Die Hauptstadt des US-Bundesstaates Minnesota, St. Paul, wird ausschließlich von Frauen regiert. Alle sieben Mitglieder des ersten rein weiblichen Stadtratsgremiums in den USA sind unter 40 Jahre alt, und sechs von ihnen sind farbig. Trump hin oder her.
In Ungarn liegt ein Jahr vor der Parlamentswahl 2026 die Tisza-Partei von Péter Magyar in den Prognosen der unabhängigen Meinungsforschungsinstitute vorn – und scheint mit ihrer Dauerkritik am korrupten Fidesz-Staat ihren Vorsprung von Monat zu Monat auszubauen.
Bei der Biodiversitätskonferenz in Rom (COP16) einigten sich die Länder darauf, bis 2030 jährlich 200 Milliarden Dollar für den Naturschutz beizusteuern. Der erfolgreiche Abschluss der COP16 ist das erste Treffen der Vereinten Nationen seit vielen Monaten, das mit einer positiven Note endete.
Sechs der zehn am schnellsten wachsenden Volkswirtschaften kamen in diesem Jahr vom afrikanischen Kontinent. Was all diese Länder auszeichnet, ist innovative Wirtschaftspolitik in den Feldern Landwirtschaft, Infrastruktur und nachhaltige Energie – vor allem aber ist es die politische Stabilität. Der Senegal nimmt in dieser Hinsicht seit Jahren eine Spitzenposition ein. Nun ist in diesem Jahr erneut ein Machtwechsel friedlich vollzogen worden. Der linksgerichtete Oppositionskandidat Bassirou Diomaye Faye wurde im März zum Staatspräsidenten gewählt und auch mit ihm an der Spitze ist das westafrikanische Land nach Einschätzung europäischer Wirtschaftstreibender ein verlässlicher Partner geblieben.
Man kann all diese Nachrichten nach alter, mieselsüchtiger Gewohnheit als unwichtig, als nicht nachhaltig oder als Bestrebungen, die sich nicht durchsetzen werden, abtun. Man kann es aber auch als Hoffnungsstreifen am Horizont sehen, wenn sich die Erde abseits jener, die sie immer noch für eine Scheibe halten, im Guten weiterdreht. Ohne Rücksicht auf das letzte Aufbäumen von Kriegsverbrechern, Tyrannen und anderen Gangstern. Das wäre die Einstellung, die wir heute dringender brauchen als je zuvor.
Wenn wir in die Welt hineinhören, gelingt es uns vielleicht, der indischen Schriftstellerin Arundhati Roy rechtzugeben, die schreibt: