10 Februar 2024

ein neues 1933 verhindern - von Harald Martenstein

Auf Österreich umgelegt braucht man nur die Jahreszahl zu verändern.

Ha­rald Mar­ten­stein in "Die Zeit" über De­mons­tra­tio­nen und die Fra­ge, wie man ein neu­es 1933 ver­hin­dert
 
"Nach den Mas­sen­mor­den an Ju­den in Is­ra­el, al­so nach dem 7. Ok­to­ber, hat es in Deutsch­land De­mons­tra­tio­nen ge­ge­ben, bei de­nen der Op­fer ge­dacht wur­de. Am 22. Ok­to­ber ver­sam­mel­ten sich am Bran­den­bur­ger Tor ge­ra­de mal 10.000 Men­schen. Und das in ei­nem Land, des­sen Staats­rä­son laut stän­dig wie­der­hol­ten Be­teue­run­gen zu ei­nem we­sent­li­chen Teil aus dem »Nie wie­der« be­steht. Ge­meint ist un­ter an­de­rem: nie wie­der Ausch­witz. Seit 1945 war den SS-Mör­dern in Wort und Tat nie­mand mehr so na­he ge­kom­men wie die Ha­mas.

Vie­le, auch in Deutsch­land, kri­ti­sier­ten statt­des­sen Is­ra­el für sei­ne Be­sat­zungs­po­li­tik. Das kann man tun. Aber man kann un­mög­lich Mas­sen­mord zu ei­nem Akt des Wi­der­stands adeln. Auch vie­le Ju­den leh­nen be­kannt­lich die Be­sat­zungs­po­li­tik ab. Ein paar von ih­nen wur­den von der Ha­mas um­ge­bracht. Die Na­zis er­mor­de­ten auch al­le Ju­den, ein­schlie­ß­lich de­rer, die deutsch­na­tio­nal dach­ten und im Ers­ten Welt­krieg mit Or­den be­hängt wor­den wa­ren.

Nach den Cor­rec­tiv-Ent­hül­lun­gen de­mons­trier­ten bun­des­weit un­ge­fähr ei­ne Mil­li­on Men­schen ge­gen die AfD, ei­ne ganz an­de­re Grö­ßen­ord­nung. Ei­ni­ge De­mons­tran­ten zeig­ten Pa­ro­len wie »Es ist an der Zeit, es bes­ser zu ma­chen als un­se­re Ur­gro­ß­el­tern«.

Die­se Fra­ge hat mich mein Le­ben lang be­schäf­tigt, sie ist die Grund­fra­ge mei­ner Exis­tenz, je­den­falls was mein Deutsch­sein be­trifft: Wie kann ich es bes­ser ma­chen? Bei mir geht es na­tür­lich eher um mei­ne El­tern und Gro­ß­el­tern, die we­der Na­zis wa­ren noch im Wi­der­stand. Den Ju­den aber hat kei­ner ge­hol­fen. Al­le ha­ben weg­ge­schaut. Man brauch­te Mut; ob ich ge­nug da­von ge­habt hät­te, weiß ich nicht.

Wenn ich ei­ne To-do-Lis­te zu schrei­ben hät­te, zum The­ma »Neu­es 1933 ver­hin­dern«, dann stün­de auf Platz eins: »Ju­den müs­sen in Si­cher­heit le­ben, in Deutsch­land und über­all. Weg­schau­en ver­bo­ten.« Das Pro­jekt, al­le Ju­den aus­zu­rot­ten, war das Be­son­de­re, was die Na­zis von an­de­ren Na­tio­na­lis­ten un­ter­schied, ihr Al­lein­stel­lungs­merk­mal. Auf der To-do-Lis­te stün­de na­tür­lich noch an­de­res, zum Bei­spiel, dass nie­mand we­gen sei­ner oder ih­rer Her­kunft aus Deutsch­land aus­ge­wie­sen wer­den darf.

Wo wa­ren die­se ei­ne Mil­li­on Leu­te, die ein neu­es 1933 ver­hin­dern wol­len, ei­gent­lich nach dem 7. Ok­to­ber? Ich re­de nicht nur über De­mons­tra­tio­nen, auch über Mei­nungs­bei­trä­ge. Ei­nen »Auf­schrei«, wie man das heu­te nennt, ha­be ich nicht ge­hört, au­ßer­halb der Kom­men­ta­re in den Zei­tun­gen. Lau­ter wur­de es erst, als die is­rae­li­sche Of­fen­si­ve be­gann.

Bei ei­ner De­mo in Mün­chen wur­de ein Spruch­band mit dem Text »Ge­gen is­rae­li­schen Fa­schis­mus!« mit­ge­führt. »Ein klei­ner Teil der De­mons­tra­ti­on rich­te­te sich ge­gen Is­ra­el«, stand in der Abend­zei­tung. Bei der De­mo in Ber­lin wur­den Teil­neh­mer, die sich als pro­jü­disch zu er­ken­nen ga­ben, laut Der Wes­ten als »Na­zis« be­schimpft und be­droht. Ich bin­de das nicht den De­mons­tran­ten ins­ge­samt ans Bein. Aber es ist schon bi­zarr, wenn ein »neu­es 1933« mit­hil­fe von Leu­ten ver­hin­dert wer­den soll, die zwi­schen Hit­ler und Is­ra­el kei­nen Un­ter­schied er­ken­nen.

Ich woll­te be­grei­fen, was kaum zu be­grei­fen ist, Ausch­witz. Al­so ha­be ich Ge­schich­te stu­diert, Schwer­punkt 20. Jahr­hun­dert. Ir­gend­wann hat­te ich ver­stan­den, dass es in Deutsch­land vor 1933 fast kei­ne De­mo­kra­ten mehr gab, nur noch Fa­na­ti­ker und Welt­erlö­ser der ver­schie­dens­ten Spiel­ar­ten. Al­les Mög­li­che war wich­ti­ger als Frei­heit und Men­schen­rech­te. Das ist es, was ich glau­be, ge­lernt zu ha­ben."

Warum dieser Artikel in einem Umweltblog? Weil Rechtsradikale keinen Bock auf Klimaschutz haben und betonstur die Klimakrise und damit alle physikalischen Naturgesetze leugnen. Das heißt für Österreich: kommen sie in die Regierung, kommt weitere intensive Versiegelung, weiterer Ausbau des Individualverkehrs und Stopp jeglicher alternativer Mobilitätsmöglichkeiten wie Rad, Bahn und Bus. Sämtliche trotz ÖVP erreichten Klimaschutzmaßnahmen stehen dann zur Disposition. Alle damit verbundenen negativen Konsequenzen wie wirtschaftlicher Abstieg, Strafzahlungen und Verschlechterung der Lebensqualität werden folgen. Das wiederum wird sich auf die Stimmung in der Bevölkerung niederschlagen. Wer wird schuld sein? Natürlich die Anderen. Die Migranten, die Juden, die Moslems, die Grünen, die Linken, oder einfach alle, die auf "Fahndungslisten" stehen!

09 Januar 2024

Budget 2024


In den letzten Gemeindenachrichten und auch im Grünen Infobrief 12/2023 nahm ich Bezug auf die zunehmende Wichtigkeit ausreichender und leistbarer Energie in einer Gemeinde. Darin fiel auch die Bemerkung, eine Steckdose sei nicht Aladins Wunderlampe. Leider wird sie aber nach wie vor als solche wahrgenommen. Anders ist es nicht zu erklären, dass die ARGE ÖVP/SPÖ im Budget 2024 zwar 66.000 Euro für ein Drehkreuz am Badeteich reservierte, jedoch keinen Cent für die Erweiterung der PV-Anlagen auf Gemeindegebäude übrig hatte. Annähernd den Wert dieses unglaublich wichtigen Drehkreuzes hatte ich für PV reklamiert. Durch den Stopp des PV-Ausbaus rückt die erste Biedermannsdorfer Energiegemeinschaft in noch weitere Ferne. 

Für die Zustandsermittlung der Volksschule sind 140.000 (!?) € vorgesehen, . Gleichzeitig wissen wir, dass deren Ergebnis nichts bewirken wird, weil das Projekt Volksschule wegen der brisanten finanziellen Situation verschoben werden musste. Das heißt auch, dass sich bis dahin Instandhaltungskosten in unbestimmter Höhe für das marode Gebäude ansammeln könnten. Kosten, die nicht entstanden wären, würde das Volksschulprojekt bereits seit Jahren laufen, wie das von uns Grünen gefordert wurde.

Wann ist Sparen angesagt und wann nicht? Was ist notwendig und was nicht? Es scheint, dass das unserer Gemeinderegierung nicht ganz klar ist.

Karl Wagner

07 Dezember 2023

Umwelt und Klima müssen auch in Biedermannsdorf mitbestimmen


Bekanntlich haben wir eine gemeindeweite Bausperre. Begründet wird sie mit der am 22.10.2020 im niederösterreichischen Landtag beschlossenen 6. Novelle des NÖ Raumordnungsgesetzes 2014, die ausdrücklich der Erreichung der Ziele des Klimabündnisses dienen soll.

Der Umweltbericht 2023 befasst sich daher folgerichtig besonders intensiv mit diesem Thema. Da in Biedermannsdorf große unbebaute Gebiete als Baulandentwicklungsgebiete, bzw. Betriebsgebiete gewidmet sind, muss es Bestimmungen geben, die es einem künftigen Gemeinderat ermöglichen und ihn auch zwingen, bei allen Entscheidungen besondere Rücksicht auf Klima und Umwelt zu nehmen. Besonders in einer Zukunft, die angesichts der weltweit schleppenden, bis nicht existenten Klimaschutzmaßnahmen eine schwierige sein wird. Jedem Stück Grünland, jeder Anlage erneuerbarer Energie, jedem begrüntem Dach wird eine Bedeutung zukommen, die weit über die heutige Wertschätzung vieler Entscheidungsträger hinausgeht. Deshalb werden Siedlungsgrenzen, Bebauungsdichten, Freiflächen mit Gestaltungsbestimmungen künftig an Bedeutung gewinnen müssen.

Unser gesamtes Leben, wie wir es kennen, hängt vom Vorhandensein genügender Energie ab. Von der Waschmaschine, über den Geschirrspüler bis zum Smartphone und TV. Von Wellnessurlaub bis zu medizinischer Versorgung. Von Bildungseinrichtungen über die Industrie bis zur Forschung. Die derzeitige globale Situation muss uns zur Erkenntnis bringen, dass die Steckdose nicht Aladins Wunderlampe ist. Eine Gemeinde muss – wenn sie ihre Aufgaben ernst nimmt – alles tun, um ihren Bürgerinnen und Bürgern leistbare und sichere Energieversorgung zu ermöglichen. Gemeinden, die das JETZT erkennen und verfolgen, werden künftig die besten Karten haben.

Das Thema „Energie“ ist daher ein weiterer Schwerpunkt im Umweltbericht 2023. Der weitere Ausbau von PV auf Gemeindegebäuden, Freiflächen-PV und Wasserkraft, aber auch die  Beobachtung zukunftsweisender Forschungsprojekte wie Agri-PV werden darin thematisiert.

Auch die Niederösterreichische Energieagentur (eNu) hat sich - wie in ihrer Informationsveranstaltung am 20.11. mitgeteilt – neu organisiert. Energieraumplanung und generell Klimaanpassung werden künftig einen größeren Raum einnehmen. Klimaanpassung ist wichtiger geworden, weil Klimaschutz bereits oft misslungen ist.

Zu hoffen ist, dass Biedermannsdorf als Klimabündnisgemeinde nach dem Klimabündnis-Leitsatz „Global denken, lokal handeln“ vorgehen und unsere Verantwortung gegenüber der heutigen und der künftigen Bevölkerung wahrnehmen wird.

www.biedermannsdorf.at/praesentation_umweltbericht_2023

Karl Wagner


10 November 2023

Klimabündnis - 30 Jahre Rio Negro-Partnerschaft

 


„Global denken, lokal handeln“ ist der Leitsatz des Klimabündnisses. Der österreichische Beitrag besteht in einer mittlerweile bereits 30-jährigen Partnerschaft mit den indigenen Völkern am Rio Negro in Brasilien, was im Rahmen der Mitgliederversammlung in Laxenburg am 9. November entsprechend gewürdigt wurde.

Wir in Biedermannsdorf können stolz darauf sein, seit nunmehr 22 Jahren diesem Bündnis anzugehören und mit unserem finanziellen Beitrag von etwa 900 Euro jährlich einen kleinen Beitrag zur wichtigen Arbeit des Klimabündnisses zu leisten. Diese Arbeit wirkt sich vielfach positiv aus:
 
  • Schutz und Verteidigung des Territoriums der Indigenen. Durch die Partnerschaft wurde ein Gebiet von 135.000 km² dauerhaft unter Schutz gestellt.
  • Institutionelle Stärkung der FOIRN als Interessensvertretung der indigenen Organisationen vom Rio Negro.
  • Ausbau erneuerbarer Energien zur verbesserten Kommunikation und Gebietsüberwachung, u.a. durch solarbetriebenen Funk & Internet
  • Bildung für nachhaltige Entwicklung, Erhalt & Stärkung indigener Sprachen
  • Stärkung indigener Frauen- und Jugendgruppen,
  • Umweltmonitoring und Aufwertung des traditionellen Wissens und der Landwirtschaft..
  • Etablierung alternativer, nachhaltiger Wirtschaftskonzepte sowie die Schaffung nachhaltiger Einkommensmöglichkeiten für die Menschen über den eigenständigen Vertrieb von Produkten aus dem regionalen Kunsthandwerk, Traditionelle Landwirtschaft uvm.

Diese Liste kann sich sehen lassen. Die Gegenleistung aber auch:

Indigene Völker stellen 5 Prozent der Weltbevölkerung dar, aber sichern 82 Prozent der weltweiten Artenvielfalt in ihren Gebieten.

Mit ihrem Wissen und ihrer Art der Landwirtschaft schützen sie die Artenvielfalt und erhalten den Regenwald – die Lunge unserer Erde und eine der großen Lebensversicherungen der Menschheit.

Sie tragen damit maßgeblich dazu bei, dass die Klimakrise nicht schon viel schlimmer wütet als sie das heute tut. Klimabedingte Unwetter wie Stürme und Überflutungen oder Hitze- und Dürreperioden könnten ohne den Schutz der Regenwälder bereits eine ungleich brisantere Intensität erreicht haben.

Angesichts dieser Leistung ist es nur recht und billig, mehr zu tun, als „nur“ ein wenig Geld zu spenden. So, wie die indigenen Völker allen helfen, indem sie die Regenwälder erhalten, so hilft eine Gemeinde ebenfalls allen, indem sie Klimaschutzmaßnahmen ergreift. Ebenso jede Privatperson und jedes Unternehmen.

Auch wir müssen unseren Grünraum und unsere Wälder schützen. Auch zu unseren Pflichten gehört es, die Artenvielfalt (noch kann man von einer Vielfalt sprechen) zu schützen.

10 Oktober 2023

Ein Friedensdorf in Israel

 

In einer Zeit, wo Krieg und Grausamkeit wieder einmal die Oberhand erhalten, berichten die Salzburger Nachrichten über ein Dorf in Israel, wo um Frieden zwischen Arabern und Israelis ehrlich gerungen wird. Der Artikel über das Dorf Wahat al-Salam ist ein positives Beispiel, wie gerade in dieser Zeit berichtet werden muss. Bei aller notwendigen Berichterstattung über den Krieg in Israel und Gaza wird eben auch das Gute, das Positive wie dieses Dorf, erwähnt.

Der Bericht zeigt: Das Gute gibt es trotz allem, Menschen, die sich von Hass und Gewaltbereitschaft nicht überrennen lassen und weiterhin versuchen, Frieden und Ruhe zu bewahren.
So geht Berichterstattung. Zeigen, dass es in der Welt immer auch die andere Seite gibt. Die Seite der Hoffnung. Und wenn es nur einzelne kleine Zellen sind. Solange die am Leben bleiben, ist nichts verloren. Ich bin überzeugt, es gibt sie überall, auch bei uns, auch in Asserbeidschan, in Russland und in der ganzen Welt. Sie nicht totzuschweigen, sondern sich auf die Suche nach ihnen zu machen und über sie zu berichten, ist das, was gute Medien ausmacht.

Hier der Artikel im Wortlaut:

Es gibt ein Dorf in Israel, wo die Sehnsucht, in Frieden zusammenzuleben, größer ist als alles andere. 350 Menschen haben sich dazu entschlossen.

WAHAT AL-SALAM. Wenn Roi Silberfeld mit seinen Töchtern den Schutzraum im Nachbarhaus aufsucht, sagt er der Älteren - sie ist vier Jahre alt -, dass sie zu einer Party zu den Nachbarn gehen und sie dort spielen kann. Er schummelt. Heute Nachmittag gibt es ein Treffen mit anderen Eltern, wie sie das künftig handhaben wollen. Wie man mit Kindern über den Krieg redet. Zum Treffen kommen arabische und jüdische Israelis. In seinem Dorf, gelegen auf einer Anhöhe zwischen Tel Aviv und Jerusalem, leben etwa hundert Familien, jüdisch und arabisch, zusammen. Auf Arabisch heißt das Dorf Wahat al-Salam, auf Hebräisch Neve Schalom. Übersetzt bedeutet das Oase des Friedens.

Wahat al-Salam wurde 1970 gegründet. Es entstand aus der tiefen Sehnsucht, aus der Gewaltspirale auszubrechen. "Ich wollte meine Kinder in einem friedlichen Umfeld aufwachsen sehen", sagt Roi Silberfeld, Direktor der School for Peace, die eigentlich weniger Schule ist als ein Ort, der politische Arbeit leistet, eine Plattform für Dialog bietet und mit aller Kraft forciert, dass das Projekt funktioniert.

Rundherum herrscht seit Samstag wieder Krieg. "Das hat mich in mehrfacher Hinsicht überrascht", sagt Roi Silberfeld. "Dass der Geheimdienst nichts gewusst hat vom Angriff der Hamas. Und dass Israel so lange braucht, um die Kontrolle wiederzuerlangen."

Mit seinen Töchtern geht er nach wie vor auf den Spielplatz. "Wir haben nach dem Alarm eineinhalb Minuten, um einen Schutzraum aufzusuchen. Die Leute, die beim Spielplatz wohnen, sind es gewohnt, dass wir kommen." Doch die Angst sei immer dabei.

Was läuft in Neve Schalom anders als im Rest Israels? Seit Jahrzehnten wird eine Lösung für den Nahostkonflikt gesucht - was gelingt hier im Kleinen? "Unser Schlüssel ist der Dialog", erklärt Silberfeld. "Die Leute fühlen sich gehört, auch wenn nicht alles erfüllt wird, was sie sich wünschen. Aber wir ringen um gegenseitiges Verständnis. Das bedeutet nicht, dass hier immer alles Friede, Freude, Eierkuchen ist. Es ist manchmal frustrierende, harte Arbeit. Wir sind eine Stufe vor dem Kompromiss, wir sind dabei, den anderen zuzuhören. Darin sind wir gut."

Das gegenseitige Verständnis aufzubringen verlangt den Bewohnern viel ab. "Etwa, wenn es um das Rollenbild von Mann und Frau geht, das den arabischen Kindern schon sehr früh vermittelt wird", sagt Silberfeld. "Oder wenn es um den Freiraum geht, den junge Menschen bekommen, um die Welt zu entdecken, Beziehungen einzugehen. Der Kompromiss besteht darin, mit den Unterschieden zu leben."

Roi Silberfeld ist klar, dass diese Koexistenz im Großen schwierig ist. Die Palästinenser wünschen sich einen eigenen Staat, "eine Rückkehr in das, was sie als Palästina ansehen. Dafür eine Lösung zu finden ist nicht einfach, aber notwendig."

20 September 2023

Umweltbericht Biedermannsdorf 2023


Der Umweltbericht 2023 wurde am 14.9. dem Gemeinderat vorgestellt. Er beinhaltet Themen bezüglich Bau- und Raumordnung, Energie, Wasser, Luft/Lärm und Bewusstseinsbildung.

Angesichts des sich immer klarer zu unseren Ungunsten entwickelnden Klimas erscheint es mir notwendig, uns mit Fragen zu konfrontieren, die sich damit beschäftigen, wie wir unseren Ort künftig gestalten wollen.
  • Wie kann ein Verkehrskonzept und unsere Bauordnung im Falle weiteren Bevölkerungswachstums aussehen?
  • Werden wir genug Erneuerbare Energie im Ort haben?
  • Wie wollen wir unseren Grünraum erhalten und gestalten?
  • Wie wollen wir unsere versickerungsfähigen Grünflächen sichern?
Biedermannsdorf hat bereits zahlreiche Schritte gesetzt, um zukunftsfit zu werden. Fernwärme in allen Gemeindegebäuden, PV-Anlagen auf den Dächern der Jubiläumshalle, des Kindergartens, des Perlashofs und des Gemeindeamts, den Eintritt in die Gemeinschaft der Natur-im-Garten-, der Klimabündnis- und der e5-Gemeinden, sowie Maßnahmen gegen Hochwasserereignisse liegen hinter uns.

Doch das alles reicht nur dann, wenn weitere Maßnahmen folgen. Bei aller Wertschätzung des bisher Geleisteten.

Was künftig nötig sein wird, ist Ihre breite Mitarbeit und Solidarität und Ihre Bereitschaft, an der Zukunftsgestaltung konstruktiv auch in Ihren privaten Bereichen mitzuwirken.

Wir müssen uns darüber klar sein, dass wir eine Klimakrise haben. Wir müssen diese als Problem erkennen, wir müssen aber auch den begründeten Optimismus aufbringen, Handlungsmöglichkeiten zu sehen, die Schaden abwenden und gleichzeitig unsere Lebensqualität erhalten.

Im vorliegenden Umweltbericht finden Sie Fragen und Tatsachen, Zukunftsvisionen und dringende Handlungsoptionen.

In nächster Zeit werde ich verstärkt zu Gesprächen laden und Informationen veröffentlichen. Ich lade Sie herzlich ein, sich zu beteiligen. Sehen Sie diesen Bericht als Auftakt dazu.

Sie finden ihn hier und in der Home Page der Gemeinde.




01 September 2023

Erstes Erwachen



Insekten schützen statt töten. Der Leitspruch eines Biologen? Eines Tierschützers? Eines Klimaaktivisten? Ein Aufruf von Greenpeace oder Global2000?

Weit gefehlt! Es ist das Motto von Hans-Dietrich Reckhaus, Inhaber der Firma Reckhaus GmbH in Bielefeld.

Wohlhabend geworden mit chemischen Insektenvernichtungsmitteln.
Nachdenklich geworden angesichts des fortschreitenden Artensterbens.
Zu einem Vorreiter geworden für den Insektenschutz.

Es tut gut, zu lesen, wie ein Industrieller sich einer neuen Herausforderung stellt. Wie er seine Verantwortung wahrnimmt.

Wie er der Profitmaximierung die erste Priorität aberkennt und stattdessen Verluste hinnimmt, um seiner neuen Überzeugung willen.

Er führt seit 1995 in zwei­ter Ge­ne­ra­ti­on ein Fa­mi­li­en­un­ter­neh­men mit 57 Mit­ar­bei­tern, das In­sek­ti­zi­de für den Haus­ge­brauch her­stellt. Sei­ne El­tern ha­ben es an der In­dus­trie­stra­ße 53 in Bie­le­feld-Sen­ne­stadt auf­ge­baut.

Dieses Geschäftsfeld verlässt er konsequent und sieht die herkömmlichen Insektizide eher als Auslaufprodukt. In der Branche gilt er als verrückt. Wie auf Zigarettenpackungen üblich, lässt er auf seine Giftprodukte Warnungen drucken: "Vorsicht, tötet wertvolle Insekten". Dabei belässt er es aber nicht. Er will Insekten retten. Da­für hat der Che­mie­un­ter­neh­mer Le­bend­fal­len mit Lock­stof­fen kon­stru­iert. Drin­nen ein­fan­gen, drau­ßen frei­las­sen. Die Fal­len be­stehen aus re­cy­cel­tem Kunst­stoff. Pro­du­ziert wer­den die Be­stand­tei­le in Bie­le­feld, fünf Ki­lo­me­ter vom Stamm­sitz des Un­ter­neh­mens ent­fernt. Zu­sam­men­ge­baut und ver­packt wird das Pro­dukt in ei­ner Be­hin­der­ten­werk­statt. Und Reck­haus kom­pen­siert – in lan­gen For­meln be­rech­net – die Op­fer, die sei­ne Pro­duk­te for­dern: Er legt Bio­to­pe an. Er be­grünt Dä­cher. Zu­nächst für den ei­ge­nen öko­lo­gi­schen Aus­gleich.

Sein Ökosiegel "Insect Respect" prangt auf seinen neuen chemiefreien Produkten. Sein En­ga­ge­ment hat schon vie­le an­ge­steckt: Je­de Wo­che er­rei­chen ihn An­fra­gen von Un­ter­neh­men, die sich in­sek­ten­freund­lich zei­gen wol­len. Ge­ra­de hat er ein Pro­jekt für Ikea in Ost­eu­ro­pa fer­tig­ge­stellt, ein in­sek­ten­freund­li­ches Au­ßen­ge­län­de bei ei­ner ru­mä­ni­schen Fi­lia­le. 77 Ikea-An­ge­stell­te ha­ben mit­ge­ar­bei­tet.

Solche Menschen geben Hoffnung. Sie stellen ein erstes Erwachen in einer Branche dar, der eine besondere Verantwortung zukommt. Ich wünsche diesem Unternehmer, dass sich sein Mut und sein Weitblick bezahlt macht.

Lesen Sie den ausführlichen Artikel darüber, der in der ZEIT erschienen ist.




Meine alte Liebe

Utrecht, meine Lieblingsstadt der Vielfalt. Vor vielen Jahren arbeitete ich dort mit einer Softwarefirma zusammen als Mitglied eines Entwick...